Funkausstellung in Berlin

Ifa 2011 – Überflüssiges und Nützliches

Mag sein, dass wir sie in einigen Jahren schon wieder überflüssig und absurd finden: Die Trends von der Internationalen Funkausstellung 2011.

Am kommenden Freitag eröffnet die Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin. Morgenpost Online zeigt vorab die überflüssigsten, nützlichsten und schönsten Ideen der Elektronik-Hersteller

Waschgang bei 20 Grad

Weniger Hitze, weniger Wasser, weniger Stromverbrauch: Das ist der neue Trend bei Haushaltsgeräten . Samsung hat eine Waschmaschine gebaut, die vor dem Waschgang Schaum versprüht. Der durchdringt die Kleidung und bereitet die Wäsche so vor, dass sie mit kühlem Wasser ab 20 Grad sauber wird. Die Firma Haier bietet eine Waschmaschine mit antibakterieller Beschichtung der Türmanschette und Waschmittelschublade.

Sie verhindert, dass sich Bakterien ausbreiten, wie das Magen-Darm-Erkrankungen auslösende Pseudomonas aeruginosa. Die Beschichtung halte so lange wie die Maschine, verspricht der Hersteller. Wäschetrockner sind Energieverschwender – und sie fressen noch mehr Strom, wenn Fusseln und Mullen ihre Kondensatoren verunreinigen.

In den neuen Trockner von Bosch und Siemens dagegen reinigen sich die Kondensatoren jetzt selbst – der Stromverbrauch verändert sich nicht. Sparsamer werden Haushaltsgeräte auch durch die Nutzung sogenannter Smart Grids, intelligenter Stromnetze. Die schlauen Maschinen reagieren auf Netzkapazitäten und laufen so zu möglichst günstigen Stromzeiten. Solche Geräte gibt es ab April von Miele zu kaufen.

Apple schickt Musik durch die Luft

Apple sendet seit Neuestem Musik meterweit durch die Luft: Die Drahtlostechnik AirPlay ist noch jung – auf der Ifa gibt’s viele Geräte, die den neuen Musik-Standard unterstützen. Als Musikquelle braucht es einen Mac mit iTunes, ein iPhone, einen iPod Touch oder ein iPad. Die Technik funktioniert mit Apples mobilem Betriebssystem iOS ab Version 4.2.

Die Apple-Geräte schieben die Musik dann auf kompatible Receiver, Anlagen oder Boxen. In Verbindung mit Apples WLAN-Adaptern AirPort Express kann aber im Prinzip jeder Verstärker zum AirPlay-Empfänger werden. Eine Aktivbox, die sich mit dem Apple-Standard versteht, hat Loewe entwickelt. Der würfelförmige Air Speaker (Foto) des Kronacher Herstellers für Unterhaltungselektronik lässt sich aber auch per Kabel (Aux-in und USB) mit beliebigen Audioquellen verbinden. In dem Lautsprecher stecken jeweils zwei Subwoofer, Hoch- und Mitteltöner mit insgesamt 80 Watt Leistung.

Digitales Kofferradio

Das Digitalradio dümpelt, die Hörer lassen sich von den analogen UKW-Radios kaum weglocken. Wird der aufgefrischte Standard DAB+ das jetzt ändern? Er klingt besser, ist bundesweit empfangbar und spielt auch Bilder und Texte aufs Radio. Viele Firmen nehmen den Neustart in Deutschland zum Anlass, um passende DAB+-Empfänger vorzustellen.

Philips zeigt neben Kompaktanlagen mit digitalem Rundfunkempfänger auch ein Uhrenradio (AJB3553), ein klassisches Kofferradio (AES5430; Foto) und die kleine Version – das batteriebetriebene AE9011.

Das kleine Radio haben die Philips-Techniker zusammen mit dem Bundesligaradio 90elf.de konzipiert. Das Hamburger Unternehmen hatte schon bisher die Rechte für die Übertragungen der Fußball-Bundesliga via Internetradio inne und bietet seine Bundesliga-Konferenzschaltung nun auch im neuen Standard DAB+ an. Die Spiele lassen sich damit entspannt auch im Wald, am Strand oder in den Bergen verfolgen: Das AE9011, ein kompaktes Kofferradio im niedlichen Retro-Design, wird in der Einöde von sechs AA-Batterien gespeist und ermöglicht digitalen Radioempfang ohne Rauschen auf der Wiese.

3-D-Notebook ohne Brille

Toshiba hat eines der ersten Notebooks der Welt auf den Markt gebracht, dessen 3-D-Monitor auch ohne Spezialbrille funktioniert. Die Toshiba-Techniker haben den Bildschirm des Qosmio mit einer Spezialschicht aus Flüssig-Polymeren überzogen. Diese sorgt dafür, dass der Betrachter mit jedem Auge ein anderes Bild sieht – ähnlich wie bei den Wackelpostkarten, technisch jedoch auf einem höheren Niveau.

Eine Kamera über dem Monitor folgt den Augen – und passt so den 3-D-Effekt der Kopfhaltung an. Durch die sogenannte „Switch Cell“-Technik kann der Bildschirm des Laptops verschiedene Fenster zeitgleich in 2-D und 3-D darstellen: Gleichzeitig zum 3-D-Video kann man so ein anderes Programm in 2-D-Ansicht benutzen.

Mit einem Druck oberhalb der Tastatur schaltet man zwischen zwei und drei Dimensionen hin und her. Das Notebook gibt es bereits zu kaufen – es ist vor allem für Spieler gedacht. Zur Ausstattung gehören eine leistungsfähige Grafikkarte (NVIDIA GeForceGT 540) und ein Core i7-Prozessor von Intel. Kosten: 1500 Euro.

Andocken mit Android

Android-Nutzer schauten bisher neidisch auf die riesige Auswahl an Docking-Stations für Apples iGeräte. Philips sorgt für Gerechtigkeit und stellt auf der Ifa zwei Android-Docks vor.

Doch nicht jedes Smartphone oder Tablet passt an die Stationen: Die Geräte brauchen einen Micro-USB-Anschluss und ein Bluetooth-Modul. Der USB-Stecker lässt sich seitlich verschieben, um 180 Grad drehen, in der Höhe verstellen und nach vorne kippen: So können auch die Smartphones mit Hülle noch andocken. Mit den meisten Geräten funktioniere das, verspricht Philips, nennt bisher aber keine Produktnamen.

Der große Lautsprecher Philips Fidelio AS851 (Foto) schafft 30 Watt und lässt sich fernbedienen. Der kleine Radiowecker Fidelio AS111 bringt es nur auf vier Watt und gleicht seine Uhrzeit mit dem angeschlossenen Smartphone oder Tablet ab. Die Fidelip Docks gibt’s ab Oktober zu kaufen: den großen Lautsprecher für um die 250 Euro, der kleine Radiowecker soll rund 100 Euro kosten.

Radio-Empfänger für 20 Euro

Das aufgefrischte neue Digitalradio ruft nicht nur große Namen auf den Plan, auch kleine Firmen versuchen ihr Glück. Das deutsche Unternehmen Sonoro hat sein CD-Radio Cubo mit DAB+ aufgerüstet. Die einfachste Art, um DAB+ einmal auszuprobieren, bietet vielleicht Noxon.

Die Techniker haben einen Digitalradio-Empfänger in einen USB-Stick integriert, der auch 5.1.-Surround-Klang unterstützt. Der Noxon-DAB-Stick kostet 20 Euro und wird mit Antenne sowie einer Tuner-Software geliefert, die das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen mitentwickelt hat. Einfache DAB+-Radios sind bereits ab 50 Euro zu haben.

Tablet-Computer von Sony

Neue Konkurrenz zu Apples iPad kommt zur Ifa von Samsung und Sony. Für Sony ist es eine Premiere: Die Japaner bringen zwei kleine Computer-Flundern heraus, sie arbeiten mit dem Google-Betriebssystem Android .

Eines der beiden Modelle (S1) hat einen 9,4 Zoll großen Bildschirm und ist vor allem für das Lesen von Internet-Inhalten und digitalen Büchern gedacht. Dank eingebautem Infrarotsender funktioniert es auch als Fernbedienung. Das kleinere Gerät (S2) wird aufgeklappt und bietet dann zwei Bildschirme von jeweils 5,5 Zoll – eine Neuheit unter den Flach-PCs, die sich vor allem zum Spielen anbietet.

Der Drei-Meter-Fernseher ist da

Da bekommt der Begriff vom „Heimkino“ eine völlig neue Bedeutung: Die neuen Plasma-Geräte von Panasonic gibt es mit einer Bildschirm-Diagonale von 65 bis 152 Zoll (3,86 Meter). Die Fernseher sind 3-D-fähig und arbeiten mit der sogenannten Shutter-Technologie, die aktive Brillen erfordert.

Das hat zwei Haken: Die Brillen sind teuer und funktionieren meist nur mit einem TV eines Herstellers. Deshalb haben sich Sony, Panasonic und Samsung auf einen 3-D-Shutter-Standard geeinigt: Erste Universal-Brillen gibt’s ab 2012.

Passend zum neuen Heimkino-Gefühl haben Fraunhofer-Forscher eine revolutionäre Lautsprecher-Technik entwickelt: Erstmals kann man die Lautstärke von Gesprächen, Musik oder Geräuschen getrennt voneinander lauter oder leiser stellen.