Der TV-Markt in Deutschland ist in Bewegung wie selten zuvor. Zwar haben sich die Zuschauer inzwischen an das Breitbildformat 16:9 gewöhnt, doch schon beim digitalen Fernsehen wird es unübersichtlich. Die Signale kommen inzwischen auf allerlei Wegen: über Satellit, Antenne, TV-Kabel und sogar über die Internetleitung.
Längst nicht überall gibt es hochauflösende Sendungen, ohne die es auf den großen Flachbildfernsehern keine Schärfe gibt. Die große Hoffnung des dreidimensionalen Fernsehens hat sich bislang nicht erfüllt. Und fast drei Millionen Haushalte stehen in Kürze vor dem TV-Notstand: Das analoge Satellitenfernsehen wird im April 2012 abgeschaltet. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick.
Digital gewinnt
Das digitale Fernsehsignal liefert den Zuschauern eine deutlich bessere Bild- und Tonqualität als die analoge Übertragung. Außerdem gehen digitale Sendungen sparsamer mit den Übertragungskapazitäten um. Daher hat sich die Industrie entschieden, die analoge Aussendung über Satellit zum 30. April 2012 abzuschalten. Für zweieinhalb bis drei Millionen Haushalte droht dann das Fernseh-Aus, denn noch immer empfängt ein Fünftel aller Satellitenhaushalte seine Sendungen analog.
Nun schlagen die Landesmedienanstalten und Fernsehsender Alarm. Mit TV-Werbespots und einer Internetkampagne (www.klardigital.de) fordern sie die Zuschauer auf, sich einen digitalen Satellitenempfänger zuzulegen.
Keine einfache Aufgabe, denn viele Zuschauer wissen gar nicht, ob sie digital oder analog empfangen. Vom 3. September an schalten die Sender Das Erste, ProSieben, RTL, Sat.1, ZDF und das Bayerische Fernsehen dazu eine Videotext-Seite. Wer sein Fernsehen per Satellit empfängt, erfährt auf Seite 198, ob er digital oder analog unterwegs ist.
Ist der analoge Satellit erst einmal abgeschaltet, gibt es das alte analoge Fernsehen nur noch in den Kabelnetzen, die bislang keine Absicht zeigen abzuschalten. Das ist wenig verwunderlich, empfangen doch rund 60 Prozent ihrer Kunden die Programme noch auf diesem Weg, nicht zuletzt, weil sie dafür keine gesonderte Settop-Box benötigen.
Vor allem Zweitgeräte empfangen analog. Offenbar sind viele Zuschauer mit rund 30 Programmen bestens bedient. Wer digital empfängt, holt sich zehnmal so viele Kanäle ins Haus. Insgesamt hat sich in Deutschland erst etwa jeder zweite Haushalt für das digitale Fernsehen entschieden. Zum Vergleich: In Großbritannien empfangen rund 93 Prozent der Haushalte Digital-TV.
Digital ist noch nicht hochauflösend
Das digitale Fernsehbild ist gut, aber eben noch nicht hochauflösend. Für den Empfang von HD-Sendungen (High Definition) mit einer bis zu fünfmal höheren Auflösung benötigt der Nutzer einen entsprechenden Empfänger. Viele der neueren Flachbildfernseher haben einen solchen HDTV-Decoder eingebaut. Wer ein älteres HD-fähiges Gerät besitzt, muss einen HDTV-Receiver anschließen.
Die meisten entsprechenden Programme kommen über Satellit, doch auch die TV-Kabelanbieter verkaufen HD-Pakete. Allerdings ist das Angebot nach wie vor beschränkt. Beim Marktführer Kabel Deutschland werden Das Erste, ZDF und Arte kostenlos in HD übertragen. Für acht weitere HD-Programme, darunter Fox und National Geographic, werden noch einmal knapp 13 Euro fällig.
Der Satellitenbetreiber Astra strahlt ebenfalls HD-Programme aus. Nach dem Kauf eines Satellitenreceivers ist der Empfang des Paketes HD+ für ein Jahr kostenlos, danach fallen 50 Euro pro Jahr an. Das Paket HD+ beinhaltet die hochauflösenden Programme von RTL, Sat.1, ProSieben , Vox, Kabel Eins, RTL II, N24, Nickeloden, Comedy Central, Sport1 und Sixx, außerdem die frei empfangbaren Sendungen von Das Erste, ZDF, Arte, Anixe und Servus TV. Ab September kommen auch die Shopping-Sender HSE24 und QVC hinzu.
Astra ist mit Zahlen zu HD+ sehr zurückhaltend. Ende März konnten in Deutschland 769.000 Haushalte das Paket empfangen, 655.000 Haushalte waren aber noch in der Gratisphase. Zwei von drei Haushalten entschieden sich dafür, HD+ über die kostenlosen zwölf Monate hinaus zu verlängern. Auch Kunden des Bezahlfernsehsenders Sky können inzwischen die Kanäle von HD+ empfangen, außerdem sendet Sky zwölf eigene HD-Sender über Satellit aus.
Geräte werden internetfähig
Die Tage für Fernseher ohne Internetanschluss sind gezählt. Schon heute kann jedes dritte verkaufte TV-Gerät online gehen. Über ein Datenkabel oder drahtlos greifen diese Fernseher auf Dienste wie YouTube zu oder sind in der Lage, Videokonferenzen zu starten.
Auf diesem Weg lassen sich die Geräte auch mit neuen Programmen und Funktionen ausstatten, die über das Internet geladen werden. Der Hightech-Verband Bitkom spricht schon von einer „Zeitenwende“.
3-D braucht noch Zeit
Fernsehzuschauer, die dreidimensional sehen wollen, müssen lange suchen. Astra hat gerade einmal einen Demokanal, und auch Sky sendet nur ein 3-D-Programm aus. Seit Kurzem hat auch die Telekom in ihrem Internetfernsehen Entertain einen eigenen 3-D-Kanal. Zum Betrachten werden ein 3-D-Flachbildfernseher und eine Brille benötigt.
„3-D hat leider nicht Schritt gehalten mit dem Hype, der darum gemacht wurde“, heißt es beim Bitkom. Nach wie vor gebe es nicht genug dreidimensionale Spielfilme. Gerade einmal eines von zehn heute verkauften Fernsehgeräten kann 3-D darstellen.
Für die Kaufentscheidung spielt die dritte Dimension kaum eine Rolle und wird als zusätzliche Funktion lediglich akzeptiert. Dabei schrumpft der Preisaufschlag für 3-D zunehmend, und die großen TV-Hersteller haben sich dazu durchringen können, einen einheitlichen Standard für die 3-D-Brillen zu erarbeiten. Bislang hatte jedes Unternehmen seine eigene Brille entworfen. Der Verband Bitkom geht davon aus, dass erst 2015 jeder fünfte Haushalt ein 3-D-Gerät haben wird.
Auf das 3-D-Erlebnis ohne Brille müssen die Zuschauer noch warten. Zwar werden Toshiba und LG solche 3-D-Displays zeigen, doch deren Bilder sind nicht vergleichbar mit 3-D-Fernsehern, die nur mit Brille funktionieren. Die Darstellung ist dunkel und der Blickwinkel sehr eingeschränkt.





