Berlin

Grüne Woche: Bauern von morgen fragen die Profis

Wie gut ist Bio? Was ist Massentierhaltung? Schüler informieren sich auf der Grünen Woche über die Berufe der Landwirtschaft.

Ganz in ihrem Metier: Lisa-Marie Mündtstedt weiht Kinder in die Geheimnisse mächtiger Landwirtschaftmaschinen ein. Die 17-Jährige Azubin lernt zur Mechatronikerin

Ganz in ihrem Metier: Lisa-Marie Mündtstedt weiht Kinder in die Geheimnisse mächtiger Landwirtschaftmaschinen ein. Die 17-Jährige Azubin lernt zur Mechatronikerin

Foto: Reto Klar

Das Mädchen mit dem glatten glänzenden Haar und einem kostspieligen Markenschal im Tartanmuster wird immer ungeduldiger. In der unübersichtlichen Menge von 250 kauenden, trinkenden und Smartphone-lesenden Kindern wird ihre Meldung bei dieser vormittäglichen Fragerunde auf der Grünen Woche ständig übersehen. Schließlich kommt sie doch noch dran. Was die Zwölfjährige von den vier Auszubildenden auf der Bühne wissen will, klingt sehr erwachsen: „Wie viel verdient Ihr eigentlich?“, fragt Sechstklässlerin Mei aus Charlottenburg-Wilmersdorf.

In Halle 3.2 geht es an diesem Tag um die Nachwuchssuche. Der Deutsche Bauernverband braucht Landwirte, Schädlingsbekämpfer, Milchwirtschaftliche Laboranten. Fast jede fünfte Ausbildungsstelle ist unbesetzt. Werbewirksam-modern hat man das Feld der verschiedenen Professionen „Die 14 Grünen Berufe“ getauft.

Junge Menschen wählen zunehmend Agrar-Berufe

14 Klassen aus Berlin und Brandenburg sind anlässlich den 18. Tages der Ausbildung im Publikum - vornehmlich Grundschüler. Einige Mädchen halten sich Tücher vor die Nasen. Der strenge Geruch der Schweine ist zu viel für sie.

Erst zögernd antworten die Auszubildenden auf die Frage nach dem Gehalt. In ihrer Lehrzeit verdienen Bäckerin Michelle 520 Euro und Land- und Baumaschinenmechatronikerin Lisa-Marie 500 Euro. Anne, die nach der Landwirt-Lehre in die Nachwuchsbildung gehen will, lebt auf dem Schulungshof und bekommt deshalb nur 310 Euro. Jan-Ole sagt, dass er als ausgelernter Landwirt ein Gehalt von 1200 Euro beziehen wird.

Die kleine Mei im Publikum kann mit diesen Zahlen sichtlich wenig anfangen. Aber Franziska Schmieg vom Bauernverband sagt, dass die Grünen Berufe zunehmend gefragt sind. Drei Prozent mehr Ausbildungsverträge gibt es 2015/16, darunter ein Plus von 7,8 Prozent bei den Landwirten.

Vom angehenden Bauer Jan-Ole, 20, wollen die Kinder wissen, ob der Beruf nicht sehr anstrengend sei. „Zwölf bis 18 Stunden auf dem Trecker zu sitzen - das kann schon schlauchen“, sagt er gut gelaunt. Die Entscheidung für den Agrarjob auf dem 500-Tiere-Unternehmen in Ribbeck hätten die Leute in seiner Spandauer Schule anfangs nicht verstanden, erzählt er später. „Das stinkt doch da, das Gehalt ist nicht gut, das ist schwere körperliche Arbeit“, habe man ihn gewarnt. Das Einzige, was ihn dagegen im Vorfeld gesorgt habe: „Bekomme ich die Technik der großen Landmaschinen in den Griff?“ Langfristig wolle er - auch angesichts der „schlechten Bezahlung“ - Betriebsleiter auf einem Hof werden.

Worum es in der Landwirtschaft heutzutage geht

Grundschullehrerin Christa Gohlke folgt mit ihren Fünftklässlern aus dem Brandenburgischen Neustadt-Dosse der jungen Ausstellungsführerin Magdalena, Damit sie ihre Zuhörer im Gedränge nicht aus den Augen verlieren, trägt sie eine orangefarbene Sicherheitsweste. Sie erklärt die Etappen auf einem Hallenrundgang, der anhand von Fahrzeugen, Tieren und Verarbeitungsvorführungen zeigt, worum es in der Landwirtschaft heutzutage geht.

Die Kinder sind gut vorbereitet. Lehrerin Gohlke hat mit ihnen in den Wochen zuvor am Beispiel Hühnerhaltung die Probleme der Tierzucht besprochen. „Sie haben gelernt, die Zahlen auf den Eiern zu interpretieren.“, sagt sie. „Jetzt werden sie ihre Eltern daheim erinnern, nur Bio- und Feilandeier zu kaufen. Das ist für viele der Beginn eines sensibleren Verständnisses für Ernährung“

Bereits bei der Fragerunde wollten die Schüler von den Azubis Antworten auf schwere Fragen erhalten: Ist Bio besser als normale Ware, wie viele Tiere dürfen in einem Stall sein, was ist gegen Massentierhaltung zu tun, was sagt Ihr dazu, dass Tieren Antibiotika gespritzt werden?

Kritik an Gepflogenheiten in der Landwirtschaft

In diesen Situationen schaltete sich Bernd Schwintowski eilig ein. Der PR-Mann moderierte die Veranstaltung in Regie des Bauernverbandes und versuchte, die in den Fragen der Schüler anklingende Kritik an landwirtschaftlichen Gepflogenheiten zu relativen.

Später sagt er, man stoße schon in Schulbüchern auf Unrichtigkeiten, die unterschwellig auftauche. „In einer Mathematikaufgabe, in der es eigentlich um die Zahl der Rinder gehen soll, steht dann plötzlich etwas über Massentierhaltung, was so nicht stimmt.“ Kinder hätten bereits Klischees über die konventionelle Landwirtschaft verinnerlicht, sagt Schwintowski.

Die kleine Mei allerdings ist am Ende des Ausbildungstags auf der Grünen Woche dennoch entschlossen, einen Beruf in der Landwirtschaft zu wählen. Bio hin, Gehalt her: „Ich möchte einfach etwas mit Tieren machen“, sagt sie.