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Berlins berühmteste Drehorte

Eine schreckliche Frage: "Was machen wir am Wochenende?" Schrecklich, weil: Es gibt so viele Antworten. Morgenpost Online hilft. In "Best of Berlin" erklären wir Ihnen, was Sie sich dieses Wochenende gönnen sollten. Dieses Mal: Wir gehen zum Film - ein Drehorte-Spaziergang.

Bahnhof Zoo

Der Bahnhof Zoo ist einer der zentralen Schauplätze von "Emil und die Detektive" in der Original-Filmfassung von 1931. Hier kommt der Junge Emil mit dem Zug in Berlin an und nimmt die Verfolgung des diebischen Herrn Grundeis auf. Am heutigen Café am Zoo tritt er auf den belebten Hardenbergplatz und steigt in eine Straßenbahn. Über Wilmersdorf geht es bis zum Nollendorfplatz. Das Drehbuch, das auf der Kindergeschichte von Erich Kästner basiert, schrieb Billy Wilder. Rolf Wenkhaus, der Emil-Darsteller, war damals beim ersten Casting der deutschen Filmgeschichte entdeckt worden.

Auf der anderen Seite des Bahnhofs liegt die Jebensstraße. Sie war 1980 Drehort der Doku-Fiktion "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Der Film erzählt die Biografie der heroinabhängigen Christiane F. Die Bahnhofsszenen wurden zum Teil in der U 9 gedreht, denn für den Bahnhof Zoo, der damals noch zur Reichsbahn gehörte und von der DDR verwaltet wurde, gab es keine Drehgenehmigung. Uli Edels Werk präsentiert in teilweise drastischen Szenen ein düsteres Bild der Stadt. Berlin als Menschen fressender Moloch, in dem Drogen, Sex und Gewalt dominieren.

Siegessäule

Wo damals Emil in seine Straßenbahn stieg, fährt jetzt der 100er-Bus Richtung Siegessäule ab. An der "Goldelse" legen wir einen Stopp ein. Hier zeichnete Wim Wenders 1986 mit "Der Himmel über Berlin" ganz anderes Bild der Stadt. Der Film ist eine märchenhafte Liebeserklärung an die geteilte Stadt. Der Zuschauer erlebt Berlin im Vogelflug - aus Perspektive der Engel. Unvergessen ist die Szene der beiden Himmelsboten Bruno Ganz und Otto Sander, die auf den Schultern der Siegesgöttin Victoria sitzen. So ganz authentisch waren die Großaufnahmen allerdings nicht. Sie entstanden mit Hilfe einer Göttin aus Pappmaschee in den Ufa-Studios von Tempelhof.

Brandenburger Tor

In Billy Wilders ironischem Nachkriegsfilm "Eine auswärtige Affaire“ (1948) wickelt Marlene Dietrich einen Offizier der US-Army um den Finger. Kulisse für die bitterböse Komödie ist das zerstörte Berlin. Die Jeeps der Alliierten flitzen durch die Straßen, durch das Brandenburger Tor und den heutigen 17. Juni hinunter.

Dreizehn Jahre später drehte Wilder wieder in Berlin. Horst Buchholz als Jung-Kommunist, James Cagney als Coca-Cola-Chef und Lieselotte Pulver als überaus flotte Sekretärin spielen sich in der Komödie „Eins, zwei, drei“ in geschliffen Dialogen die Bälle zu. Diesmal hat das Brandenburger Tor die Funktion einer Drehtür. In wilden Auto- und Motorradfahrten geht es immer wieder von Ost nach West und wieder zurück. Die Dreharbeiten wurden 1961 jäh durch den Mauerbau gestoppt. Um sie zu vollenden, wurde das Tor in den Bavaria Filmstudios von Geiselgasteig bei München nachgebaut.

Alexanderplatz

Heinrich George brillierte 1931 in "Berlin Alexanderplatz" als Krimineller, der anständig werden möchte, aber an der brodelnden Großstadt zugrunde geht. Jahre später rückten zahlreiche DDR-Filme die Weltzeituhr auf dem Alex ins rechte Licht. In "Die Legende von Paul und Paula" (1973) wartet Angelica Domröse dort auf ihren Liebsten (Winfried Glatzeder). Matt Damon nutzt als CIA-Killer Jason Bourne in "Die Bourne Verschwörung" (2004) auf dem Alexanderplatz eine Demonstration, um seine Verfolger abzuschütteln. Die Verfolgungsjagd, die er sich mit seinem Widersacher in den Straßen von Moskau liefert, wurde ebenfalls in Berlin gedreht. Zu sehen ist die Gertraudenbrücke über dem Spreekanal, kurz kommt auch das Auswärtige Amt am Werderschen Markt ins Bild. Im Film wurden diese Szenen mit Bildern aus Moskau zusammengeschnitten.

Gendarmenmarkt

Vor wenigen Jahren entstand im Herzen des historischen Berlins die Neuverfilmung von Jules Vernes Klassiker „In 80 Tagen um die Welt“ (2004). Für das kunterbunte Spektakel mit Action-Star Jackie Chan und mehr als 700 Komparsen diente Berlin gleich mehrfach als Kulisse. Der Französische Dom am Gendarmenmarkt schlüpft in die Rolle der Bank of England, das Gebäude der königlichen Akademie der Wissenschaften ist in Wirklichkeit das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt.

Im Hintergrund tauchen im Film, oh Wunder, auch noch Big Ben und das Londoner Parlamentsgebäude auf. Phileas Foggs Wohnhaus ist in Wirklichkeit das ehemalige Reichsmilitärgericht und das Zeughaus Unter den Linden hält als Pariser Bahnhof her. Im Schlosspark Charlottenburg steigen die Protagonisten schließlich mit einem Heißluftballon auf. Und warum doubelt Berlin eine andere Stadt? Ganz einfach: In Berlin ist ein Drehtag wesentlich billiger als in London.

Chamisso-Kiez

In dem Thriller „Flight Plan“ (2005) spaziert Jodie Foster in düsteren Traumsequenzen durch die künstlich verschneite Willibald-Alexis-Straße am Kreuzberger Chamisso-Platz. Sogar künstliche Eiszapfen wurden an die Straßenschilder geklebt. Hinterhöfe in der Arndtstraße dienten als Kulisse für die bedrückenden Nachtszenen. Nach dem Dreh wurde der Kunstschnee wieder fein säuberlich von jedem Stuckelement der Gründerzeithäuser abgefegt. Das Gründerzeitviertel rund um den Chamissso-Platz ist ein beliebter Drehort. Nicht nur TV-und Kinofilme werden hier gedreht, sondern auch Werbespots wie z.B. für Iglo oder Vaillant.

Bendlerblock

Als Tom Cruise 2007 in der Hauptstadt sein Drama "Valkyrie“ um den Hitler-Attentäter Graf von Stauffenberg drehte, wohnten Zehntausende Schaulustige den Szenen im historischen Zentrum Berlins bei. Militärfahrzeuge karrten martialische Wehrmachtsoldaten und Kanonen durch die Wilhelmstraße, und am Bendlerblock, wo Stauffenberg im Juli 1944 von den Nazis erschossen wurde, peitschten Schüsse. Hollywood drehte nichts weniger als ein 80-Millionen-Dollar-Epos. Um die Drehgenehmigung rund um die Gedenkstätte Deutscher Widerstand und die Frage, ob der bekennende Scientologe Cruise Graf Stauffenberg überhaupt spielen dürfe, wurde monatelang erbittert gestritten.

Checkpoint Charlie

Als Agent mit der Lizenz zum Töten begibt sich Roger Moore in „James Bond 007 - Octopussy“ 1983 nach Ost-Berlin. Gedreht wurde allerdings vor dem Eisernen Vorhang im Westteil der Stadt u.a. am Grenzübergang „Checkpoint Charlie“ an der Friedrichstraße und im Gefängnis Spandau an der Wilhelmstraße. Für eine Autoverfolgungsjagd, die in Bayern spielt, diente die Avus als Rennstrecke, an der Abfahrt „Feldstadt“ geht es in Wirklichkeit in Richtung „Hüttenweg“.

Karl-Marx-Allee

Irgendwo beim Kino International versteckt sich an der Karl-Marx-Allee der Plattenbau, in dem „Good Bye Lenin!“ (2003) mit Daniel Brühl in der Hauptrolle gedreht wurde. Im Film wankt Katrin Saß, eben aus dem Koma erwacht, auf die Straße, nur um Lenin über den Platz der Vereinten Nationen, zu DDR-Zeiten noch Lenin-Platz, hinwegschweben zu sehen. In der „Bourne Verschwörung“ spazieren Statisten mit Pelzmützen am „Café Moskau“ vorbei, das im Film kurzerhand in die russische Metropole verlegt wurde.

Bebelplatz

Um ihren Freund vor mordlüsternen Drogendealern zu retten, hetzte Franka Potente 1998 in „Lola rennt“ kreuz und quer durch Berlin. Die Fassade des heutigen "Hotel de Rome" (ehemals Hauptsitz der Dresdner Bank) am Bebelplatz dient im Film als Bank von Lolas Vater. Der mit Preisen überschüttete Streifen von Tom Tykwer löst einige topografische Verwirrung aus: Eben hat Lola noch in Mitte ihren eigenen Vater erpresst, rent sie Sekunden später über die Oberbaumbrücke in Kreuzberg. In der Wirklichkeit hätte Lola von Anfang an verloren: Sämtliche Stadtteile, durch die sie während des Films läuft, liegen nicht auf einer Route...

Friedrichshain

In der Wedekindstraße in Friedrichshain sieht Berlin so aus, als wäre die Mauer nie gefallen: Keine sanierte Fassade, keine schrille Reklame. Eine hervorragende Kulisse also für das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ (2206) mit Ulrich Mühe. Nur die Graffiti an den Häuserwänden machten dem Team zu schaffen. Denn die gab es in der DDR nicht. Doch nach jeder nächtlichen Drehpause prangten sie erneut an den grauen Häuserwänden und mussten vom Filmteam übermalt werden.

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