Seit dem Anschlag auf den Berliner CSD im Juli dieses Jahres häufen sich queerfeindliche Vorfälle in der Hauptstadt. Auch an der Freien Universität sorgt man sich jetzt um den Schutz der Studierenden.

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Denn schon mehrfach soll es zu Angriffen auf dem Campus gekommen sein. Am Institut für Theaterwissenschaft in Steglitz wurden ganz frisch „fünf große Hakenkreuze und Nationalsozialismus verheerlichende Slogans“ gefunden. Das berichtete der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) am Freitag in einer E-Mail an Studierende. Die Nachricht liegt dieser Redaktion vor.

Konkret wurden Schmierereien wie „Love Nazis“, „AfD auf die 1“ oder „FCK Linke“ – alle in derselben Schrift – in den Räumen einer genderneutralen Toilette im Institut hinterlassen. Der Asta wertet diese Tat explizit als queerfeindlich und rechtsextrem.

Und sie ist kein Einzelfall. Seit Monaten kommt es zu ähnlichen Vorfällen auf dem Campus-Gelände.

Rechtsextreme Angriffe an der FU häufen sich, die Polizei Berlin ermittelt

Erst in der vorletzten Woche soll es einen ähnlichen Angriff am selben Institut gegeben haben. Während der Ersti-Woche soll eine unbekannte Person in der Nacht von Donnerstag auf Freitag eine Pride-Flagge von einem Fahnenmast geschnitten oder gerissen haben. Am nächsten Morgen wurde diese auf dem Boden gefunden. Eine Woche später wurden dann erstmals zwei Hakenkreuze auf der genderneutralen Toilette bemerkt.

Blick auf das Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität (FU) Berlin in Steglitz. Am Institut soll es zu queerfeindlichen und rechtsextremen Vorfällen gekommen sein.
Das Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität (FU) Berlin liegt in Steglitz. Hier soll es zu queerfeindlichen und rechtsextremen Vorfällen gekommen sein.© FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

„Es handelt sich hierbei um explizit queerfeindliche sowie strafbare Angriffe zum Zweck der gewaltsamen Einschüchterung und Raumnahme queerer Menschen und öffentlich queerfreundlicher Institutionen“, schreibt der Asta. „Diese Taten stehen nicht alleine, sondern müssen in die Reihe von Gewalttaten gegen queeres Leben und queere Symbole in den letzten Monaten in Berlin eingeordnet werden.“

Man vermutet, dass es sich um eine Reihe gezielter Angriffe auf Symbole queeren Lebens an Hochschulen handelt – Symbole, zu denen Pride-Flaggen und genderneutrale Toiletten zählen. Schon im August wurde eine Lichtinstallation mit Pride-Flagge zerstört.

Das Institut für Theaterwissenschaften habe Anzeigen erstattet, das LKA Berlin ermittle nun, heißt es vom Asta sowie einer Sprecherin der Hochschule. Auf Anfrage der Berliner Morgenpost am Samstagmittag bestätigte die Polizei, dass der Sachverhalt beim Staatsschutz des Landeskriminalamts (LKA) bekannt sei. Konkrete Fragen zum Ermittlungsstand konnte eine Sprecherin kurzfristig nicht beantworten. Wer oder wie viele Personen hinter den Vorfällen stecken, ist nicht bekannt.

Leitung der Freien Universität äußert sich öffentlich

„Wir verurteilen das aufs Schärfste“, teilte eine Sprecherin der FU am Samstag auf Anfrage mit. „Das widerspricht allem, wofür die FU steht.“ Mehr könne man zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen.

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In einem Statement hatte sich die Hochschulleitung bereits am Freitag öffentlich geäußert. „Die Universität muss ein Ort sein, an dem alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität sicher lernen, arbeiten, lehren und forschen können“, hieß es darin. „Allen Hochschulangehörigen, die sich durch diese Vorfälle angegriffen, bedroht oder verunsichert fühlen, gilt unsere Unterstützung und Verbundenheit.“

Die Hochschulleitung rief zu gegenseitigem Respekt im Miteinander auf: „Solidarität und diskriminierungsfreies Miteinander sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen immer wieder verteidigt und aktiv gestaltet werden. Die aktuellen Vorfälle führen uns dies deutlich vor Augen.“

Man wolle die Aufklärung der Vorfälle durch die Polizei unterstützen. „Queerfeindlichkeit und Rechtsextremismus dürfen an der Freien Universität keinen Platz haben.“

Klare Positionierung: Studierende wollen neue Pride-Flaggen aufhängen

Der Asta schreibt, man wolle sich „diese Taten nicht bieten lassen“. Man rufe alle Angehörigen der Universität auf, Pride-Flaggen in den Fluren und außen an den Gebäuden anzubringen. Sowie solidarische Statements zu veröffentlichen. Eine neue Pride-Flagge für das Institut für Theaterwissenschaften werde derzeit organisiert. „Ziehen wir gemeinsam die Konsequenz, sich klar für den Schutz und die explizite Zugehörigkeit queerer Menschen an der FU zu positionieren.“

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Die Fachschaftsinitiative des Instituts für Theaterwissenschaft wies in einem Statement auf Instagram darauf hin, Symbole nicht eigenständig zu übermalen oder zu überkleben, „da die Polizei Berlin bereits Ermittlungen aufgenommen hat und den Tatort erst freigeben muss“.

Queerfeindliche Gewalt ist in ganz Berlin ein Problem

Die Vorfälle an der Freien Universität stehen in einem größeren Berliner Kontext. Die Häufung queerfeindlicher Angriffe wird mit Besorgnis betrachtet. So fuhr am 25. Juli dieses Jahres ein mutmaßlich islamistisch motivierter Mann in eine Menschenmenge am Rande des CSD am Tiergarten. Nach der Tat wurde am Ort des Terroranschlags eine Gedenkstätte eingerichtet. Eine dort aufgestellte Regenbogenbank wurde seitdem viermal zerstört.

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Auch die Berichte über homophobe Gewalt über Dating-Apps mehren sich. Queere Männer werden dabei auf Treffen gelockt, dann überfallen, ausgeraubt, teils misshandelt. Ein 20-Jähriger musste sich vor Gericht verantworten, weil er mindestens sieben schwule Männer überfallen haben soll. Eines seiner Opfer berichtete gegenüber der Morgenpost von einer dreistündigen Tortur.

Der Asta der FU bat Studierende in seiner aktuellen Rundmail darum, Hasssymbole auf den Institutstoiletten oder ähnliche Vorfälle an den Asta oder die Berliner Meldestellen für Diskriminierung zu melden. „Sprecht über diesen und weitere queerfeindliche und/oder rechtsextreme Angriffe an unserer Universität und wie wir uns gegenseitig schützen können.“