Der 1. Februar 2016 markiert eine Zäsur auf Berlins Straßen. Damals töteten die sogenannten „Kudamm-Raser“ Hamdi H. und Marvin N. bei einem illegalen Autorennen in der City West einen 69-Jährigen. Der Mann starb, als ein aufgemotzter Sportwagen mit 170 km/h in seinen Jeep krachte. Hamdi H. wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, Marvin N. erhielt 13 Jahre Haft wegen versuchten Mordes.

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Seitdem ist einiges passiert in Berlin. Die Polizei hat die Verkehrsüberwachung mit modernster Technik aufgerüstet und auch mehr Blitzer installiert. Die Zahl der stationären Messanlagen ist in den vergangenen zehn Jahren von 15 auf 50 gestiegen, zusätzlich seien bis zu neun mobile Messteams pro Tag in der Stadt unterwegs, wie der RBB berichtet. Dazu kämen sechs auf Anhängern montierte Messanlagen.

Der Effekt scheint jedoch überschaubar zu sein. Laut dem Bericht gehen ortskundige Fahrer oft vor dem Blitzer vom Gas und beschleunigen dann wieder. Als positives Beispiel nennt die Berliner Polizei immerhin die Stadtautobahn A111, wo nahe des früheren Flughafens Tegel nach der Installation eines Blitzers die Zahl der geschwindigkeitsbedingten Unfälle auf Null reduziert worden sei.

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Zahlen, die der RBB bei der Berliner Polizei abgefragt hat, zeichnen ein ernüchterndes Bild. Zwischen Januar und Juli dieses Jahres wurden in Berlin bereits 665.937 Geschwindigkeitsverstöße registriert. Der Gesamtwert von 1,1 Millionen Fällen im Jahr 2025 könnte noch erreicht oder gar übertroffen werden. Der bisherige Höchstwert der vergangenen zehn Jahre lag 2019 bei 1.155.472 erfassten Verstößen.

Zahl der illegalen Autorennen weiter auf hohem Niveau

Dabei zeigt sich, dass die allermeisten Autofahrer nur leicht zu schnell unterwegs sind. 940.000 (knapp 85 Prozent) fuhren 2025 laut Statistik weniger als 20 km/h zu schnell, was in der Regel mit einem Bußgeld zwischen 30 und 70 Euro geahndet wird. Etwa ein Prozent der Verkehrssünder war demnach jedoch mindestens 31 km/h und damit deutlich zu schnell unterwegs. In 127 Fällen erwischte die Polizei Personen, die mehr als 70 km/h zu schnell waren. In solchen Fällen drohen Geldstrafen von etwa 800 Euro, Punkte in Flensburg, Fahrverbote und möglicherweise sogar ein Strafverfahren.

Auch die Zahl der illegalen Autorennen bewegt sich laut aktueller Zahlen weiter auf einem hohen Niveau. In diesem Jahr wurden bis Ende Juli bereits 422 solcher Rennen registriert, im gesamten vergangenen Jahr waren es insgesamt 645. Ein wirklicher Abwärtstrend ist dabei nicht zu verzeichnen. Der Höchststand wurde 2020 mit 750 Fällen erreicht. Seit 2022 steigt die Zahl der Raser-Delikte wieder kontinuierlich an. Frauen drücken erfahrungsgemäß weniger oft das Gaspedal durch. Laut dem Fahreignungsregister des Kraftfahrtbundesamts sind mehr als drei Viertel aller Raser Männer.

Der bei der Berliner Staatsanwaltschaft für Raser zuständige Oberamtsanwalt Andreas Winkelmann hatte im Gespräch mit der Berliner Morgenpost vergangenes Jahr erklärt, dass härtere Strafen gegen Raser allein kaum etwas bringen würden. Seit Oktober 2017 gelten illegale Autorennen als Straftat. Seitdem kann schon die Teilnahme mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden. Auch ein „Rennen gegen sich selbst“ und Polizeifluchten haben juristische Konsequenzen. Der Paragraf 315d sieht zudem bis zu zehn Jahre Haft vor, wenn der Tod oder eine schwere Gesundheitsschädigung eines anderen Menschen durch ein „verbotenes Kraftfahrzeugrennen“ verursacht wird.

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Die klassische Tätergruppe der jungen Männer zwischen 18 und 30 Jahren würde sich von immer härteren Strafen nicht beeindrucken lassen, glaubt Winkelmann. Den meisten Menschen, die sich mit Autos beschäftigen, sei mittlerweile zudem durchaus bewusst, dass die fortschreitende Technik in Pkws im Zweifelsfall gegen sie verwendet werden könnte. Nur sei ihnen das meist egal. „Ansetzen muss man in der Prävention“, sagt der Experte daher. „Wenn man illegale Autorennen wirklich eindämmen will, muss man gesetzlich dafür sorgen, dass junge Menschen und Fahranfänger nicht mehr so leicht an PS-starke Karren kommen.“

Er schlägt unter anderem vor, einen Stufenführerschein für Fahranfänger einzuführen, ähnlich wie es ihn für Motorradfahrer schon gibt. In ihm müsste dann ein bestimmtes Alter und PS-Grenzen festgelegt werden. „Dann wäre es für den Vater auch nicht mehr möglich, seinem 18-jährigen Sohn den schnellen Sportwagen zu schenken oder zu vererben“, glaubt Winkelmann.

tok