Berlin bleibt ein Hotspot für Raser und illegale Autorennen. Das sagte der für dieses Delikt zuständige Oberamtsanwalt Andreas Winkelmann dieser Redaktion am Freitag. Im ersten Halbjahr 2025 sei es bereits zu hunderten Vorfällen gekommen. Die Zahlen bewegten sich dabei zwar unterhalb des bisherigen traurigen Rekordjahrs 2024, aber sie pendelten sich dennoch bereits auf dem hohem Niveau des Jahres 2023 ein.
Erst am Donnerstagabend zog die Polizei einen jungen Raser in Charlottenburg aus dem Verkehr. Offenbar hatten Anwohner an der Schlüterstraße nahe dem Kurfürstendamm die Polizei angerufen und angezeigt, dass dort junge Menschen mit schnellen, teuren Autos unterwegs sind. Die Polizei reagierte schnell, machte einen der Autofahrer aufgrund der Zeugenangaben ausfindig und zog ihn an der Kreuzung Kantstraße Ecke Leibnizstraße aus dem Verkehr.
Es geschah in Sekundenschnelle: Mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei fuhren auf die Kreuzung und blockierten die Spur, auf der der bis dahin ahnungslose Fahrer des Audis an der Ampel auf Grün wartete. Derart an der Weiterfahrt Richtung Zoo gehindert, wurde er sofort von gut einem Dutzend Polizisten umstellt und aus dem Wagen gebeten. Dann klickten auch schon die Handschellen. Wie diese Zeitung auf Nachfrage erfuhr, bestand der Anfangsverdacht eines beginnenden illegalen Autorennens. Nähere Details waren am Freitag nicht zu erfahren.
Waffenfund in Raserauto
„Bei der Durchsuchung des Autos entdeckten die Einsatzkräfte ein Messer, einen Teleskopschlagstock und ein Reizstoffsprühgerät“, sagte ein Polizeisprecher. „Die Dinge wurden beschlagnahmt und die Personalien des Fahrers überprüft.“ Anschließend konnte er seinen Weg fortsetzen. Ob zu Fuß oder mit dem Auto entzog sich am Freitag der Kenntnis der Polizei.
Zur Einordnung der Zahlen der Oberamtsanwaltschaft: Insgesamt 923 Fälle von illegalen Autorennen bekamen die Berliner Amts- und Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr auf den Tisch, im Jahr zuvor waren es 811 Verfahren, 2022 waren es 755 und im bisherigen Rekordjahr 2020 waren es 871 Verfahren gewesen.

Fußgängerin wird bei illegalem Rennen in Oberschöneweide getötet
Erst vor einer Woche starb eine unbeteiligte Fußgängerin in Oberschöneweide, weil sie ein 33-Jähriger „mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit“ erfasste - als sie von einer Straßenbahnhaltestelle kam. Der Vorfall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Auf der Straße An der Wuhlheide habe sich der Mann mit einem 55-Jährigen ein Rennen geliefert, teilte die Polizei mit. Die 65-Jährige wurde durch den Aufprall 30 Meter durch die Luft geschleudert. Alarmierte Einsatzkräfte versuchten noch vergeblich, die Frau zu reanimieren. Sie starb an der Unfallstelle.
Ein Fall bleibt auch nach mehr als neun Jahren besonders in Erinnerung. Am 1. Februar 2016 starb ein Autofahrer, weil sich zwei junge Männer ein nächtliches Rennen über den Kudamm und den Tauentzien lieferten. Hamdi H. (27) und Marvin N. (24) beschleunigen in dieser Nacht auf bis zu 170 Kilometer pro Stunde. Bis sie mit dem Jeep eines 69-Jährigen an der Ecke Nürnberger Straße zusammenstoßen. Der Jeep wird von Hamdi H.s Audi A8 TDI (225 PS) regelrecht durchbohrt und durch die Luft geschleudert. Der Körper des Rentners wird zerquetscht, fast alle seine Knochen brechen. Als der Wagen knapp 70 Meter weiter wieder aufschlägt, ist der Fahrer bereits tot.
Autoraser als Mörder verurteilt
Beide Männer werden später zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Es folgen insgesamt sechs Jahre Einsprüche und Prozesse. 2020 wird Hamdi H. als Mörder verurteilt, 2021 wird Marvin N. für 13 Jahre ins Gefängnis geschickt, von denen er fünf bereits durch die Untersuchungshaft verbüßt hatte.
mit dm



