Aaron Schilling und Friedrich Lauenstein fallen viele Gründe dafür ein, warum sie gerne an der Technischen Universität Berlin studieren. Tolle Menschen, tolle Profs, viele Freiheiten, viel Raum für studentisches Leben, eine richtige Campus-Kultur. Doch ihre Kritik-Liste ist mindestens genauso lang:

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Zu viele geschlossene Gebäude, zu viel marode Einrichtung, zu wenig Geld und Investitionen. In Frankreich bringt der schlechte Zustand von Schulen und Unis gerade hunderttausende junge Menschen auf die Straße. Und auch an der TU könnte sich etwas zusammenbrauen.

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„Frankreich ist ein großes Vorbild“, sagt Lauenstein, der sich in den letzten Zügen seiner Masterarbeit befindet und studentischer Fachberater für Studieninteressierte und Erstsemester ist. „Wir vernetzen uns gerade mit verschiedenen Leuten.“ Er merke, dass vor allem der Wehrdienst viele junge Menschen beschäftige. Politische Veranstaltungen auf dem Campus bekämen gerade viel Zulauf. 

Am Brandenburger Tor ist ein Protest geplant

Die Initiative „Gen Z steht auf“ ruft für den 31. Oktober in zahlreichen deutschen Städten zu Protesten auf. Auch vor dem Brandenburger Tor ist eine Veranstaltung geplant. Den Angaben zufolge geht es unter anderem um Bildung, ein bezahlbares Leben sowie die Ablehnung einer Wehrpflicht. 

„Wir distanzieren uns klar von jeglicher Art von Gewalt“, sagte der Mitinitiator Akram Selo. Es gehe um eine friedliche Demonstration. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin sprach von einer „Großdemolage“, auf die sich die Sicherheitsbehörden vorbereiteten.

Eine Tür zum Hauptgebäude der Technischen Universität Berlin ist mit Flatterband versperrt. (zu dpa: «Marode Unis in Berlin: Studierende hoffen auf Protest»)
Eine Tür zum Hauptgebäude der Technischen Universität Berlin ist mit Flatterband versperrt.© Christophe Gateau/dpa | Christophe Gateau/dpa

Am Mittwochnachmittag soll ein bundesweites Vernetzungstreffen stattfinden, initiiert vom Berliner Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverband. Der Titel: „In Frankreich geht's steil! Was können wir jetzt tun?“

TU-Gebäude haben Probleme mit der Notstromversorgung

Wie bewerten Schilling und Lauenstein die aktuelle Lage an ihrer Uni? „Wir hatten mit Ach und Krach einen guten Semesterstart“, sagt Schilling, der Elektrotechnik im Master studiert. Das Hauptgebäude der TU mit etlichen großen Hörsälen ist zu Beginn des neuen Wintersemesters immer noch geschlossen, das Gebäude Bergbau- und Hüttenwesen (BH-N) am Ernst-Reuter-Platz größtenteils auch noch.

Mehrere Häuser, darunter das Mathematikgebäude, hatten Probleme mit der Notstromversorgung, wie aus einer Mail des Präsidiums an die TU-Mitglieder hervorgeht. Vier Gebäude mussten Ende September für wenige Tage schließen.

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Trotz der Einschränkungen hatte die Uni-Leitung versprochen, für alle rund 4.000 Lehrveranstaltungen einen Raum bereitzustellen. Das scheint zu funktionieren, wie Schilling und Lauenstein berichten. Die Belegung der Hörsäle wurde erhöht, zum Teil finden dort den ganzen Tag über ohne Unterbrechung Vorlesungen statt. 

Seminare sollen in Randzeiten stattfinden

Außerdem sollen Räume in anderen TU-Gebäuden stärker genutzt und Seminare und Vorlesungen gegebenenfalls in Randzeiten stattfinden. „Aber das ist Spitz auf Knopf“, sagt Schilling. „Es muss nur wieder ein Gebäude ausfallen, und das ganze System bricht wahrscheinlich relativ schnell ein.“

Nicht nur an der TU, auch an anderen Hochschulen in Berlin besteht ein erheblicher Sanierungsstau. Überall müssen Gebäude schließen, weil sie baufällig sind oder technische oder bauliche Mängel bestehen. 

Die Wissenschaftsverwaltung hat Anfang September auf eine schriftliche Anfrage des Linke-Abgeordneten Tobias Schulze Zahlen zum Zustand der landeseigenen Gebäude der Hochschulen veröffentlicht. Sie zeigen eindrücklich, wie viele Gebäude wegen Schäden, Brandschutzproblemen oder anderen Gründen gesperrt, teils gesperrt oder nicht nutzbar sind.

Autos parken vor dem wegen baulicher Mängel geschlossenen Hauptgebäude der Technische Universität (TU) Berlin. (zu dpa: «Marode Unis in Berlin: Studierende hoffen auf Protest»)
Autos parken vor dem wegen baulicher Mängel geschlossenen Hauptgebäude der Technische Universität Berlin.© Soeren Stache/dpa | Soeren Stache/dpa

Diese Unigebäude sind in Berlin geschlossen:

  • Berliner Hochschule für Technik (BHT): fünf Gebäude betroffen, rund 15 Prozent der Hochschulfläche nicht nutzbar (ohne die Flächen des Terminal A des Flughafengebäudes Berlin Tegel)
  • Freie Universität Berlin: sechs Gebäude betroffen, knapp 5 Prozent der Hochschulfläche nicht nutzbar
  • Humboldt-Universität Berlin: zwölf Gebäude betroffen, rund 9 Prozent der Hochschulfläche nicht nutzbar
  • Technische Universität Berlin: 14 Gebäude betroffen, rund 22 Prozent der Hochschulfläche nicht nutzbar

Das Problem ist wie immer das Geld. Der Sanierungsstau beläuft sich für alle staatlichen Hochschulen des Landes Berlin auf etwa 8,2 Milliarden Euro, für die TU auf 2,4 Milliarden Euro. „Ganz lange ist kein Geld hier reingeflossen. Das hat dieses ganze System an allen Ecken einfach kaputt gemacht“, sagt Schilling, der sich im studentischen Bündnis „Campus Sanieren“ engagiert.

Lauenstein fordert Investitionsoffensiven vom Bund und von Berlin

Lauenstein sieht darin auch ein gesamtgesellschaftliches Problem. „Wenn man irgendwie noch eine Zukunft für diese Gesellschaft haben möchte, dann kann man nicht an allen Ecken und Enden sparen. Es müssten Investitionsoffensiven sowohl vom Bund als auch von Berlin kommen.“

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Ein Aspekt ärgert Schilling besonders: „Es ist eine große Ungerechtigkeit, dass die Schuldenbremse für eine gefährliche Aufrüstung ausgesetzt werden soll, dass dann für die Bildung aber nicht möglich sein soll. Die Bildung ist die Basis unseres Wohlstandes, wir haben nichts anderes, wir haben keinen großen Ressourcen mehr.“ Die junge Generation müsse sich mustern lassen und riskieren, beim Militär ihr Leben zu lassen. „Aber in sie investieren? Nein.“

dpa