Von Jörg Krauthöfer

Deutschland ist Wanderland. Rund 300.000 Kilometer Wege führen von der Nordsee bis zu den Alpen, von der Eifel bis zu Oder und Neiße. Auch Berlin und Brandenburg sind beliebte Ziele für alle, die gern zu Fuß unterwegs sind, ganz unabhängig vom Alter. Unser Redakteur Jörg Krauthöfer nimmt die Leserinnen und Leser mit auf Wandertouren durch die Hauptstadtregion und diesmal sogar ein ganzes Stück darüber hinaus. Wöchentlich gibt es einen Wandertipp: mal einen Spaziergang durch den Kiez, mal eine längere Tour in die Brandenburger Landschaft.

Auch die angrenzenden Bundesländer sind vor seinem Entdeckungsdrang nicht sicher. Ob dichte Wälder, glitzernde Seen oder innerstädtische Parks – für jede und jeden ist etwas dabei. Jörg gibt zudem Hinweise zu Ausrüstung und Planung und zeigt kulturelle und historische Besonderheiten entlang der Strecken. Also: Schuhe schnüren, Proviant einpacken und die Vielfalt Deutschlands zu Fuß entdecken. Heute geht es auf eine Rundwanderung durch den Muskauer Faltenbogen, von Weißwasser bis zur berühmten Rakotzbrücke in Kromlau.

Infos zur Wegstrecke

  • Start/Ziel: Waldeisenbahn Muskau in Weißwasser
  • Anreise Bahn: Ostkreuz nach Cottbus (RE2) und von Cottbus nach Weißwasser mit der REB 65 (im Stundentakt)
  • Anreise Pkw: Waldeisenbahn Muskau, Teichstraße 7, 02943 Weißwasser/Oberlausitz
  • Distanz: 10,4 Kilometer
    Wegbeschaffenheit: Asphalt, Waldwege, Parkwege, Kopfsteinpflaster
  • Für Kinderwagen geeignet
  • Höhenmeter: 50 m ⬆️ 40 m ⬇️
  • Leichte Wanderung
Haupstadtwanderer

Einst zogen Pferdegespanne die Wagen voller Material durch die Wälder des Muskauer Faltenbogens. Mit der Industrialisierung der Region kam die Eisenbahn und erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit.

Wir starten die Wandertour am Parkplatz der Waldeisenbahn Muskau in Weißwasser. Der sorbische Name für die Oberlausitzer Kreisstadt lautet Běła Woda und ist vermutlich auf das klare Wasser der umliegenden Bäche zurückzuführen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte Weißwasser zu den wichtigsten Glasstandorten der Welt. Ein Bahnanschluss sowie die Förderung von Quarzsand und Braunkohle schufen die Grundlage für den Aufstieg der Glasindustrie. 1873 ging der erste Glasofen in Betrieb. Zeitweise produzierten bis zu elf Glashütten das begehrte Glas.

Auch in der DDR prägten Glas, Kohle und Energie die Stadt. Unter anderem lieferte der Tagebau Nochten die Kohle für die Stromversorgung der Haushalte zwischen dem Zittauer Gebirge und Rügen. Bekannt wurde Weißwasser auch durch den Eishockeysport: Dynamo Weißwasser, heute die Lausitzer Füchse, gewann 25 DDR-Meistertitel. Nach der Wende, der Wiedervereinigung und der Privatisierung vieler Betriebe begann ein beispielloser Strukturwandel. Eine ganze Region muss sich nun neu erfinden.

Wir überqueren an der Teichstraße die Gleise der Waldeisenbahn, biegen anschließend nach links auf den Fußweg ab, marschieren ein paar Meter am Eisenbahngelände entlang Richtung Süden und folgen dem schmalen Asphaltband nach rechts in den Jahnpark.

Die schmalspurige Kleinbahn kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken und gilt heute als letzte funktionierende Waldeisenbahn Deutschlands. Wie ein kleines Spinnennetz ziehen sich die Gleise mit einer Spurweite von 600 Millimetern durch Teile des Muskauer Faltenbogens und bringen Fahrgäste aus der ganzen Welt unter anderem nach Bad Muskau zum berühmten Pückler-Park oder nach Kromlau an die ebenso weltbekannte Rakotzbrücke, eine der schönsten Brücken im Freistaat Sachsen.

Am Jahnpark überquert der Wanderweg die Teichstraße. Für die kommenden Meter bleiben wir auf der Schulze-Delitzsch-Straße, die im weiteren Verlauf eine Kleingartenkolonie quert. Vor den ersten Datschen halten wir uns rechts und nehmen jetzt Kurs auf die Waldlandschaft des Muskauer Faltenbogens. Der Weg kreuzt zwei Gleise der Waldeisenbahn und führt uns danach mitten hinein in die Natur.

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Mit Wasser gefüllt ist diese ehemalige Tagebaugrube.© Jörg Krauthöfer/Funke Foto Services | Jörg Krauthöfer/FUNKE Foto Services

Bereits nach wenigen Metern sind links und rechts die charakteristischen, mit Wasser gefüllten ehemaligen Gruben zu sehen. 90 Prozent der kleinen und großen Teiche sind ehemalige Tagebaurestlöcher und entstanden durch den intensiven, oberflächennahen Abbau von Kohle, Ton und Quarzsand. Nach der Stilllegung der einzelnen Bergwerke füllten sich die entstandenen Vertiefungen mit Wasser und wandelten sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer einzigartigen Seen- und Teichlandschaft.

Das Besondere an dieser Wasserlandschaft sind die unterschiedlichen Farben. Je nach Lichteinstrahlung leuchten die Gewässer smaragdgrün, türkis oder rostbraun. Verantwortlich für das Farbspektakel sind verschiedene Mineralien und chemische Prozesse, die für diese vielfältige Farbpalette sorgen.

Wir folgen dem Weg bis zur nächsten großen Weggabelung, halten uns links und kommen zum FKK-Klub am Waldsee. Das Privatgelände darf man nicht durchqueren. Also bleibt nur der Weg geradeaus. Vor dem Waldsee biegen wir nach rechts ab und laufen am Ufer des Gewässers zurück bis zu einem Damm. Dort biegt der kleine Uferweg nach links auf den Waldweg ab und bringt uns dann vorbei an den Ausläufern der kleinen Ortschaft Gablenz bis in den Kromlauer Park und zur Rakotzbrücke.

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Der Herbst zeigt sich im Muskauer Faltenbogen von seiner schönsten Seite.© Jörg Krauthöfer/Funke Foto Services | Jörg Krauthöfer/FUNKE Foto Services

Erbaut wurde die knapp 20 Meter frei spannende Bogenbrücke über den künstlichen Rakotzsee zwischen 1866 und 1875. Ihr weltberühmtes Markenzeichen ist die vor allem bei Fotografen beliebte exakte Halbkreisform: Wenn das Wasser des Sees ruhig ist, spiegelt sich der Bogen in der Wasseroberfläche und bildet optisch einen perfekten, geschlossenen Kreis. Weil sich die Menschen im 19. Jahrhundert kaum erklären konnten, wie eine so filigrane und steile Konstruktion ohne sichtbare Pfeiler geschaffen wurde, erhielt sie den Beinamen Teufelsbrücke, ganz nach dem alten Mythos, dass ein solches Bauwerk nur vom Teufel stammen könne.

Verwendet wurden vor allem Feldsteine sowie dunkle Basaltsäulen, die man mühsam auf Ochsenkarren aus der Sächsischen und Böhmischen Schweiz herankarrte. Zusammen mit den Felsnadeln aus Basalt an den Brückenenden, der künstlichen Grotte und der sogenannten „Basaltorgel“ im See entstand dieses wohl einzigartige Gesamtkunstwerk der romantischen Gartenarchitektur.

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Das Spiegelbild der Rakotzbrücke im Rhododendronpark Kromlau hat das Bauwerk weltberühmt gemacht.© Jörg Krauthöfer/Funke Foto Services | Jörg Krauthöfer/FUNKE Foto Services

Der Wanderweg durch den Rhododendronpark Kromlau ist vor allem zur Blütezeit im Mai und im Herbst ein farblicher Hochgenuss. Es geht vorbei am Schloss Kromlau, das zu DDR-Zeiten einen Kindergarten beherbergte. Heute geben sich im denkmalgerecht sanierten Haus Brautpaare das Jawort, und auch die Forstverwaltung hat hier ihren Sitz.

Wir wandern auf dem Kromlauer Weg nach Süden und gelangen zunächst zur Endstation der Waldeisenbahn, dem Bahnhof Kromlau. Dann geht es parallel zur Eisenbahnlinie weiter am Himmelsteich vorbei bis zur Kreuzung am Kamikatasee. Wir halten uns links und laufen neben den Gleisen zurück in Richtung Weißwasser.

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Die Natur hat sich das ehemalige Bergbaugebiet zurückerobert.© Jörg Krauthöfer/Funke Foto Services | Jörg Krauthöfer/FUNKE Foto Services

Etwa 400 Meter hinter dem nächsten unbeschrankten Bahnübergang, der mit einem Andreaskreuz gekennzeichnet ist, biegt ein unscheinbarer Pfad nach links ab, dem wir natürlich folgen. Er führt uns zum Smaragdsee, einer ehemaligen Tongrube, die je nach Lichteinfall in den schönsten Türkistönen leuchtet.

Auf einem schmalen Damm führt der kleine Waldweg nun an zwei Seen vorbei und gibt immer wieder beeindruckende Blicke auf die ehemaligen Tagebaurestlöcher frei. Am Ende des Dammes stoßen wir wieder auf den Wanderweg, den wir bereits für die Hin-Tour nach Kromlau benutzt haben. Wir halten uns rechts und laufen die bekannte Strecke zurück zum Ausgangspunkt unserer Wandertour durch den Muskauer Faltenbogen.

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Blick auf den Smaragdsee, der früher einmal eine Tongrube war. Er zählt mit zu den schönsten Gewässern im Muskauer Faltenbogen.