Blauer Himmel, Sonne satt und Temperaturen, die zum Rausgehen und Wandern einladen. Da kiekt der Berliner gerne mal auf die Landkarte und sucht sich etwas Schönes raus. Mit Wasser natürlich, es ist ja Sommer. Strausberg lockt mit drei Seen und viel Wald, also nichts wie hin. Unser Wanderexperte Jörg Krauthöfer war im Märkisch-Oderland unterwegs und hat diese Wandertour ausprobiert. Es geht ein Stück auf dem Jakobsweg von Strausberg Nord erst zum Fängersee, dann zum Bötzsee und später zurück nach Strausberg Stadt. Natürlich darf zum Abschluss der Wanderung die Überfahrt mit der elektrischen Seilfähre auf dem Straussee nicht fehlen.
Infos zur Wegstrecke
- Start: S-Bahnhof Strausberg Nord (S5)
- Ziel: S-Bahnhof Strausberg Stadt (S5)
- Distanz: 15,7 Kilometer
- Wegbeschaffenheit: Asphalt, Waldwege, Kopfsteinpflaster
- Höhenmeter: 60 m ⬆️ 70 m ⬇️
- Mittelschwere Wanderung
Los geht unsere Wandertour zu den drei bekannten Seen um Strausberg am S-Bahnhof Strausberg Nord. Vorstadtidylle sucht man hier vergebens. Der Endhaltepunkt der S-Bahnlinie 5 wirkt nüchtern wie ein Industriegebiet. Das ändert sich, nachdem wir im Kreisverkehr in die Wilkendorfer Straße abbiegen und das Stadtgebiet Richtung Norden verlassen. Am Finanzamt vorbei führt uns der Weg zur Kreuzung Roter Hof, wo wir uns links halten. Nach zehn Minuten erreichen wir das gleichnamige Anwesen, und Wanderer, die vergessen haben sollten, sich Proviant für diese Tour einzupacken, können aufatmen. Direkt am Hof steht ein Selbstbedienungsladen, wo täglich von 7 bis 20 Uhr frische Waren aus der Umgebung eingekauft werden können. Eier, Säfte, Obst, Käse, Wurst oder Fleisch aus der Region sorgen für ein leichtes Strahlen im Gesicht. Einziger Wermutstropfen: Bezahlt werden kann ausschließlich mit Karte.

Bevor uns der Wald verschluckt, führt ein schmaler Pfad nach links in Richtung Straussee. Es geht am Torfstichteich vorbei, von dem außer Schilf nicht viel zu erkennen ist. Wir überqueren die Gielsdorfer Straße und folgen rechts dem Uferweg zum Rondell, wo in Lebensgröße drei der Namensgeber der Stadt Besucher willkommen heißen oder verabschieden. Der Strauß ist auch das Wappentier der Stadt. Allerdings wohl eher aus Versehen, denn der Name Strausberg leitet sich, so steht es in den Geschichtsbüchern, von dem Wort Strute ab, was im Slawischen so viel wie Schote bedeutet und die eigentliche Form des Gewässers aufs Korn nahm. In der mitteldeutschen Sprache stand das Wort Strutz allerdings für den großen Laufvogel, und so nahm das Missverständnis irgendwann seinen Lauf.

Wenige Meter später weist uns die gelbe Muschel auf blauem Grund nach rechts den Weg in die Wesendahler Straße. Wir sind auf dem Jakobsweg, der Via Imperii, die von Stettin kommend Richtung Bernau und dann weiter durch Berlin nach Leipzig führt, und wandern durch den beschaulichen Vorort Friedrich-Schiller-Höhe. Anlässlich des 200. Geburtstags des Dichters Friedrich Schiller benannte man den abseits jeder Hektik gelegenen Ortsteil 1959 um und weihte an der Ecke Gielsdorfer Straße auch ein Denkmal ein.
Die nächsten drei Kilometer bleiben beschaulich. Fichten und Tannen prägen das Bild auf der einen Seite des Wanderwegs, dunkle Buchen und Eichen auf der anderen. Der Wald zeigt sich von seiner schönsten Seite. Nur gelegentlich kommen Wanderer und Fahrradfahrer uns entgegen.

Früher ein beliebtes Restaurant mit Kaffee und Bockwurst im Angebot. Heute fristet die Wesendahler Mühle das Schicksal vieler Ausflugsziele und verfällt.
Wir erreichen die Wesendahler Mühle. Sie hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Bis 2007 konnten Ausflügler und Spaziergänger auf dem historischen Areal noch Kaffee trinken oder eine Bockwurst essen. Seitdem liegt eine der ältesten Wassermühlen Brandenburgs im Dornröschenschlaf und wartet auf einen Investor, der das Mühlengelände wachküsst. Gleich hinter den Lost Places fließt das Grenzfließ Gamengrund durch ein wildes Sumpfgebiet und ergießt sich dann in den Fängersee. Wir halten uns nach der Mühle links und wandern am westlichen Seeufer entlang nach Spitzmühle. Hundegebell begleitet uns die ersten Meter. Oberhalb des Uferwegs auf einem Plateau liegt das Tierheim Wesendahl, und eine alte, verwitterte Treppe verrät, dass das Gelände früher anders genutzt wurde. Es war ein Kinderferienlager des VEB (Volkseigener Betrieb), welches aber mit der Abwicklung nach der Wende aufgegeben wurde.

Am Südufer vom Fängersee liegt der kleine Ort Spitzmühle. Hier stehen die Überreste der früher sehr beliebten historischen Ausflugsgaststätten „Alte Spitzmühle“ und „Neue Spitzmühle“. Beide Lokale sind seit 2011 bzw. 2014 außer Betrieb und fristen ein Dasein als Lost Places.
Weitere Wandertipps
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Bungalows und Wochenenddomizile reihen sich wie Perlen auf einer Schnur entlang der einzigen Straße aneinander. Am Ortsausgang verlassen wir den Asphalt und folgen der Ausschilderung zum Bötzsee. Der See, wie so viele Seen in Brandenburg, ist ein Überbleibsel der letzten Eiszeit, hat eine Länge von rund vier Kilometern und misst an der tiefsten Stelle 14 Meter.

Am Bötzsee gibt es ganz viele Stellen zum Entspannen. Wilde Badestellen laden zum Sprung ins kühle Nass ein. Vergesst also die Badesachen nicht.
Das Besondere an diesem See sind die vielen wilden Badestellen, die zum Sprung ins kühle Nass einladen. An den heißen Wochenenden sind die Badebuchten gut belegt, und man muss Glück haben, eine freie Stelle zu erhaschen. Unter der Woche hat man dagegen freie Platzwahl.

Wenige Meter hinter der FKK-Badestelle weist uns das nächste Schild den Weg zum Straussee, und es geht erst links die Böschung hoch und dann mehr oder weniger immer geradeaus durch den Wald auf einem dicht bewachsenen Weg bis zum Ufer. Unser Ziel ist eine verkehrstechnische Rarität und eines der Wahrzeichen der Stadt Strausberg. Die elektrische Seilfähre verbindet im 30-Minuten-Takt die Siedlung jenseits des Sees mit der Innenstadt. Sie ist die einzige Oberleitungsfähre Deutschlands.
Am anderen Ufer angekommen, führt uns der Wanderweg zunächst nach links an der alten Stadtmauer vorbei zur Großen Straße und gleich später links die Georg-Kurtze-Straße hinauf ins historische Stadtzentrum, am Stadthaus vorbei auf den Marktplatz. Am S-Bahnhof Strausberg Stadt endet unsere Wandertour.

Die elektrische Seilfähre zählt zu den Wahrzeichen der Stadt Strausberg und ist die einzige Fähre ihrer Art in Europa. 2,10 Euro kostet eine Fahrt über den Straussee.





