In diesem Monat könnte der Flughafen BER sein sechsjähriges Bestehen feiern. Doch nach Feiern dürfte den Verantwortlichen wenig zumute sein. Seit Jahren müssen sie ihre Wachstumsziele für den Hauptstadtflughafen immer weiter nach unten korrigieren. Jetzt kommt es noch schlimmer: Die Passagierzahlen sollen sogar sinken.

Für dieses Jahr geht Flughafen-Chefin Aletta von Massenbach nur noch von insgesamt 25,7 Millionen Fluggästen aus, wie sie bei einem Mediengespräch am Dienstag mitteilte. Das sind 400.000 weniger als im vergangenen Jahr, ein Minus von 1,6 Prozent. Und auch im kommenden Jahr hält der Sinkflug an. Dann rechnet von Massenbach nur noch mit 25,2 Millionen, also erneut einem Minus von 1,9 Prozent.

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Im Sommer war die Flughafen-Chefin noch von einem Wachstum von 1,5 Prozent für dieses Jahr ausgegangen. Für das Jahr 2027 hatte von Massenbach zuvor mit rund 27 Millionen Fluggästen geplant, also 1,8 Millionen mehr als jetzt.

Flughafen BER: Rückzug von Ryanair wird zum Problem

Grund für die sinkenden Zahlen ist laut von Massenbach der Rückzug der irischen Fluggesellschaft Ryanair, der nur teilweise durch neue Verbindungen anderer Fluggesellschaften ausgeglichen werden könne. Ryanair hatte schon im Frühjahr angekündigt, Ende Oktober seine Basis am BER zu schließen. Sieben Maschinen will die Fluggesellschaft künftig an anderen Flughäfen stationieren, rund 210 Jobs fallen dadurch in Berlin weg. Die Airline fliegt die deutsche Hauptstadt von anderen Standorten aber weiterhin an. Die Gesamtzahl der buchbaren Sitzplätze vom und zum Hauptstadtflughafen sinkt nach Angaben von Ryanair um 2,5 Millionen. Das ist die Hälfte der bisher angebotenen Sitzplätze, wobei das Unternehmen schon im Vorjahr Kürzungen von 20 Prozent vorgenommen hatte.

„Das ist ein heftiger Schlag“, betonte von Massenbach dazu. Ab November fallen damit zwölf Ryanair-Flugziele am BER weg. Allerdings wird die Hälfte davon zukünftig von anderen Fluggesellschaften bedient. Ersatzlos wegfallen werden ab November die Ziele Palermo, Marseille, Triest, Reggio Calabria, Tallinn und Pisa. Trotzdem umfasst der Winterflugplan 2026/27 nach Angaben der Flughafengesellschaft acht Ziele mehr als im vergangenen Winter. Grund dafür sind zusätzliche Angebote anderer Fluggesellschaften, die den Passagierrückgang des größten europäischen Billigfliegers aber nicht ausgleichen können.

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Ryanair bezeichnet den BER als „erfolglosesten Flughafen Europas“. Schon seit Jahren kritisiert das Unternehmen immer wieder, dass die dort anfallenden Gebühren und Steuern zu hoch seien. Die am BER stationierten Flugzeuge will die Airline in EU-Staaten verlegen, die die Luftverkehrsteuer abgeschafft haben, darunter Schweden, die Slowakei, Albanien und Italien. Die deutsche Bundesregierung hat die letzte Erhöhung der Luftverkehrsteuer dieses Jahr wieder zurückgenommen. Seit Juli gelten wieder dieselben Steuersätze wie vor dem 1. Mai 2024.

Flughafen BER: Zehn Millionen Passagiere weniger als Tegel und Schönefeld

Von Massenbach sagte, sie verstehe „die Frustration“ bei Ryanair aufgrund hoher Kosten in Deutschland. Ihre Lesart ist, dass sich die Kritik vor allem gegen den Bund richtet: „Alles, was sie gegen den BER sagen, sagen sie gegen Deutschland.“ Der Flughafen habe seine Entgelte seit der Eröffnung nicht erhöht, betonte die Flughafen-Chefin. Allerdings seien die Entgelte zuvor in Schönefeld etwa 50 Prozent niedriger gewesen. Gleichzeitig hätten sich die staatlichen Belastungen verdoppelt. Von Massenbach, die auch Präsidentin des Flughafenverbands ADV ist, kritisiert die hohen Standortkosten in Deutschland ebenfalls seit Jahren.

Flughafen BER
Am Flughafen BER wird es mit Beginn der Herbstferien am Freitag voll. Allerdings ist die Infrastruktur des Flughafens für deutlich höhere Passagierzahlen ausgelegt.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Wie schwierig die Lage ist, wird im Vergleich zu den Passagierzahlen der Vor-Corona-Zeit deutlich. Im Jahr 2019 verzeichneten die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld noch knapp 36 Millionen Passagiere, also rund zehn Millionen mehr als heute. Deutschlandweit ist der Luftverkehr nach Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) seit dieser Zeit um etwa 12 Prozent zurückgegangen, während er im übrigen Europa um 15 Prozent zulegte.

Flughafen BER will Investitionen zurückstellen

Für den ohnehin verschuldeten Flughafen BER sind die sinkenden Passagierzahlen finanziell ein Rückschlag. Vor elf Monaten hatte die Flughafengesellschaft ein umfassendes Refinanzierungspaket der Kreditverbindlichkeiten in Höhe von 1,2 Milliarden Euro am Kapitalmarkt abgeschlossen. Im Februar erfolgte der letzte staatliche Zuschuss in Höhe von 500 Millionen Euro zur Tilgung von Altkrediten aus der Bauzeit. Seitdem ist die Flughafengesellschaft finanziell selbstständig und nicht mehr auf Bürgschaften der Länder Berlin und Brandenburg sowie des Bundes angewiesen.

Die Flughafengesellschaft will nun noch stärker sparen. Alle Kosten kämen auf den Prüfstand, versicherte von Massenbach. Zudem würden Investitionen verschoben, so etwa der geplante Rückbau alter Infrastruktur aus den 1930er-Jahren. Der Umbau an den zentralen Sicherheitskontrollen im Terminal 1 werde aber trotzdem kommen, sagte sie. Für rund 18 Millionen Euro plant die Flughafengesellschaft, die dortigen Kontrollspuren umzurüsten, sodass Fluggäste dort keine Flüssigkeiten und Elektrogeräte mehr auspacken müssen. Dadurch könnten pro Stunde bis zu dreimal mehr Menschen die Sicherheitskontrolle passieren, was wiederum Personaleinsparungen bedeute, erläuterte von Massenbach.

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Viele Kontrollspuren sind bereits umgerüstet. „Wir konnten dadurch die Sicherheitsgebühr senken“, betonte die Flughafen-Chefin. Der Umbau der letzten Spuren soll nach der ersten Reisewelle der Herbstferien beginnen und sich bis in das kommende Jahr ziehen. Einschränkungen für Passagiere gibt es laut von Massenbach nicht.

Festhalten will der Flughafen BER auch am geplanten Umbau des Shoppingbereichs hinter den Sicherheitskontrollen. Damit sollen sich die Verkaufsflächen dort verdoppeln.