Der Streit um den geschützten Radweg an der Kantstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf bekommt neue Nahrung. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat nach eigenen Angaben im Eilverfahren Einsicht in interne Akten der Senatsverwaltung für Verkehr erhalten und veröffentlicht nun eine anonymisierte Auswertung. Die Unterlagen zeichnen aus Sicht der Umweltorganisation ein Bild von einem politischen Vorstoß von Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU), der innerhalb der Verwaltung zunächst nicht von der zuständigen Fachabteilung getragen worden sei.

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Dabei geht es um einen geplanten Umbau, der mehr als zwei Millionen Euro kosten soll. Der bislang geschützte Radweg soll entfallen. Stattdessen ist unter anderem eine gemeinsame Bus- und Radspur vorgesehen, während Parkplätze erhalten bleiben sollen. Die Deutsche Umwelthilfe kämpft gegen den Rückbau und hatte auch einen Eilantrag eines Radfahrers unterstützt. Inzwischen hat die Senatsverwaltung für Verkehr zugesichert, dass während der Bauphase zunächst eine eigene, provisorisch geschützte Radverkehrsfläche bestehen bleibt.
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Radweg an der Kantstraße: Fachabteilung empfahl zunächst, alles zu lassen
Besonders kritisch ist nach Darstellung der Deutschen Umwelthilfe die Entwicklung innerhalb der Verkehrsverwaltung. Im Juli 2024 habe die zuständige Fachabteilung noch ausdrücklich empfohlen, den damals bereits eingespielten Zustand beizubehalten.
Im Oktober desselben Jahres wurde demnach geprüft, Radweg und Parkstreifen zu tauschen. Die Fachleute warnten laut der Deutschen Umwelthilfe dabei vor zusätzlichen Gefahren für Radfahrer. Auch ein von der CDU später als Begründung für den Umbau angeführtes Problem mit der Feuerwehr sei zunächst nicht eindeutig erkennbar gewesen.
Noch am 21. Oktober 2024 habe der damalige Staatssekretär der Verkehrsverwaltung das entsprechende Problem nicht feststellen können. Nur vier Tage später wurde der Umbau von Senatorin Bonde öffentlich als abgestimmte Lösung verkündet. Als wesentliche Begründung wurde dabei der Brandschutz genannt. Hintergrund dieser Begründung ist: Die Feuerwehr benötige Platz, um ihre Leitern im Notfall abzustützen und Bewohner aus oberen Stockwerken zu retten.

Die Auswertung von Unterlagen der Deutschen Umwelthilfe soll zeigen, wie wenig die zuständige Fachabteilung zu diesem Zeitpunkt offenbar in die Entscheidung eingebunden war. Die Mitarbeiter sollten die nunmehr „gefundene Lösung“ umsetzen und entsprechende Planungsunterlagen erstellen. Aus der Fachabteilung kam demnach jedoch die Antwort, es habe bislang „keinen entsprechenden Arbeitsauftrag“ gegeben. Die geplante Lösung sei lediglich „aus der Pressemeldung bekannt“. Auch die Gründe für die veränderte Verkehrsaufteilung seien „noch nicht eindeutig erkennbar“.
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Alternative mit geschütztem Radweg lag vor
Die Auseinandersetzung war damit allerdings nicht beendet. Im Frühjahr 2025 lag nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe eine weitere Planungsvariante vor, bei der der geschützte Radweg hätte erhalten bleiben können. Bonde wies die Verwaltung im Mai 2025 dennoch an, die bereits geplante Variante mit Parkstreifen und gemeinsamer Bus- und Radspur weiterzuverfolgen.
Später kamen weitere fachliche Bedenken hinzu. Ein Planungsbüro stellte im Dezember 2025 demnach fest, dass der vorhandene Straßenquerschnitt nicht ausreiche, um das Regelmaß für eine Busspur mit Freigabe für den Radverkehr einzuhalten.
Trotz dieser Bedenken wurde die Umsetzung weiter vorangetrieben. In einem Vermerk vom Januar 2026 findet sich laut der Deutschen Umwelthilfe der Satz: „Politische Vorgabe: Umsetzung vor Wahlen 2026.“
Für die Umwelthilfe ist das ein entscheidender Hinweis. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch spricht von einem „rein politisch motivierten“ Rückbau und fordert, Bonde müsse sich im Verkehrsausschuss erklären. Die Entscheidung belaste den Berliner Haushalt mit mehr als zwei Millionen Euro und sei trotz Warnungen aus der Verwaltung vorangetrieben worden, kritisiert Resch.
Ein Sprecher der Senatsverwaltung erklärte auf Anfrage der Morgenpost, aus den veröffentlichten Auszügen ergebe sich „ein intensiver Prozess des Abwägens des Schutzes von Leib und Leben aller Verkehrsteilnehmer mit den Bewohnern der Häuser an der Kantstraße“. Daraufhin sei von Senatorin Bonde eine abgewogene Entscheidung zur Neuordnung des Verkehrsraums getroffen worden. „Dies ist Ausdruck politischer Verantwortung“, heißt es aus der Senatsverwaltung.
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Radweg bleibt zunächst über den Winter
Tatsächlich ist der geplante Rückbau nach derzeitigem Stand zunächst ausgebremst. Im Zuge des Eilverfahrens teilte die Senatsverwaltung für Verkehr dem Verwaltungsgericht mit, während der gesamten Bauphase eine ausreichend dimensionierte und provisorisch geschützte eigene Radverkehrsfläche einzurichten. Die Deutsche Umwelthilfe konnte ihren Eilantrag daraufhin zurücknehmen. Die eigentliche Neuaufteilung der Fahrspuren ist nach Angaben der Umweltorganisation erst für das Frühjahr 2027 vorgesehen.
Damit liegt die Entscheidung nun bei der künftigen Berliner Landesregierung. SPD, Grüne und Linke hatten sich vor der Wahl gegenüber der Deutschen Umwelthilfe für einen Stopp des Rückbaus ausgesprochen. Die CDU hatte auf die entsprechende Anfrage nicht fristgerecht geantwortet.
Die von der Deutschen Umwelthilfe veröffentlichten Akten dürften den Streit um die Kantstraße damit auch in den anstehenden Gesprächen über die Regierungsbildung beschäftigen.







