Nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus warnen Dutzende Menschen aus Politik und Zivilgesellschaft in einem „Berliner Appell für Verantwortung“ vor einer Koalition mit der Linken. Unter den rund 80 Erstunterzeichnern sind prominente Stimmen, darunter der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und der einstige Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU), wie zuerst der „Tagesspiegel“ berichtete.

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„Es muss nach einer Regierungsmehrheit gesucht werden, die die Interessen möglichst breiter Teile der Gesellschaft abbildet und die gemeinsamen Grundüberzeugungen zu Rechtsstaat und Demokratie hat. Das sehen wir bei einer rot-grün-roten Regierung nicht gegeben“, heißt es in dem Appell. Zuvor hatten in einem offenen Brief an die Berliner Linke und die Linke-Bundestagsfraktion etwa 130 Personen, darunter Künstler, Wissenschaftler und Anwälte, ihre Solidarität mit der Linken in Berlin-Neukölln erklärt.
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Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Mitinitiator, veröffentlichte den „Berliner Appell“. Auch namhafte Vertreter der Jüdischen Gemeinde unterzeichneten, dazu auch die ehemalige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, der ehemalige SPD-Landeschef Martin Hikel und mehrere frühere Senatoren der Stadt.
CDU, SPD und Grüne sollen Regierung ohne Linke bilden
Weiter heißt es: „Wir erwarten darum von den demokratischen Parteien, dass sie ihre Entscheidung nicht nach politischen Gewohnheiten, sondern nach klaren Maßstäben treffen.“ Etwa zum Schutz jüdischen Lebens und einer unmissverständlichen Abgrenzung von Extremismus, der finanziellen Stabilität der Stadt und starken Sicherheitsbehörden. „Wir befürchten, dass eine Regierung unter Führung der Berliner Linken ein Klima erzeugt, in dem nicht mehr die Sicherheit von Jüdinnen und Juden in Berlin garantiert werden kann.“ Ziel müsse eine stabile und verantwortungsvolle Regierung sein. „CDU, Bündnisgrüne und SPD haben jetzt die Aufgabe, ernsthaft zu prüfen, wie sie vor diesem Hintergrund gemeinsam Verantwortung für Berlin übernehmen können.“
Allerdings gibt es auch Gegenstimmen. Bereits Ende September meldeten sich 150 jüdische Berlinerinnen und Berliner zu Wort. In einem offenen Brief bekundeten sie ihre Unterstützung für eine rot-grün-rote Koalition und bezeichneten die andauernden Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Linke als „zynische politische Instrumentalisierung“. Diese setzten „beinahe jede Kritik an der israelischen Politik mit Antisemitismus gleich“. Unterzeichnet haben den Brief unter anderem die Publizistin Deborah Feldman, die Schriftstellerin Eva Menasse, der Historiker Ben Miller, die Philosophin Susan Neiman sowie die Sängerin Peaches.
Linke, Grüne und SPD in Berlin wollen am Mittwoch zu einem dritten Vorgespräch nach der Wahl zusammenkommen. Erklärtes Ziel ist eine Verständigung zum Thema Antisemitismus, zum Umgang mit Rassismus und organisierter Kriminalität. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent mit Abstand stärkste Kraft geworden. Sie setzt nun auf eine rot-grün-rote Koalition.
dpa







