Der Comedian Hape Kerkeling hat sich mit einem Gruß an seine Fans und Follower gewandt. Bei Instagram veröffentlichte der 61-Jährige am Samstag ein Video, in dem er unter anderem Bezug nimmt auf seine Rede vor dem Thüringer Landtag. Er sei „überwältigt von den unzähligen berührenden Reaktionen“, sagt Kerkeling, bevor er ernst wird: „Wir sind in Deutschland an einem Punkt angekommen, an dem es Mut und Kraft kostet, für unsere freiheitliche Gesellschaft einzutreten.“ Schmähungen durch Rechtsextremisten seien an Brutalität kaum zu überbieten.

Kerkeling fordert Politiker zum AfD-Verbotsverfahren auf

Allerdings würden die positiven und konstruktiven Rückmeldungen überwiegen, „bei weitem“, wie Kerkeling sagt. Viele seiner Follower äußerten in ihren Nachrichten an ihn die „große Sorge um die politische Entwicklung“. Es bleibe die Aufgabe des Staates, „uns zu schützen“. Deswegen redet er der Politik ins Gewissen: „Ich fordere die verantwortlichen Politiker auf, handelt. Leitet die überfällige Prüfung eines Verbotsverfahrens gegen die rechtsextremistische AfD ein.“

An seine Follower gerichtet beendet Kerkeling seinen Gruß: „Bleibt unerschütterlich, einen schönen Tag der Deutschen Einheit.

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Kerkeling erinnert Deutschland an ein Versprechen

Der Comedian Hape Kerkeling hatte mit seiner Rede in Erfurt für einiges Aufsehen gesorgt. Anlässlich einer Anhörung im Landtag zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren hatten Abgeordnete fast zehn Stunden lang Experten, Juristen und Prominente befragt. Kerkeling hatte sich für die Einleitung eines solchen Verfahrens ausgesprochen und dabei vor allem eine aus seiner Sicht verharmlosende Haltung der AfD gegenüber den Verbrechen des Nazi-Regimes ins Feld geführt.

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Eine Partei, die ihren politischen Erfolg aus Hass gegen Minderheiten schöpfe, habe in Deutschland „mit seiner grauenhaften Geschichte“ keinen Platz. Wer die Verbrechen von 1933 bis 1945 relativiere oder verharmlose, verlasse den Boden des Grundgesetzes. Das Grundgesetz ist für den homosexuellen Schauspieler, Moderator und Autor Kerkeling nach eigenen Worten eine „zum Gesetz gereifte Erinnerung“ an die Verbrechen des Nationalsozialismus.

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Die Menschenwürde sei unantastbar. Wer Menschen wegen ihrer Behinderung, ihres Glaubens, ihrer Hautfarbe oder ihrer sexuellen Identität gezielt verängstige oder verletze, greife diese Grundlage an. „Wer die verbrecherische Vergangenheit dieses Landes verharmlost und umdichtet, verwirkt jede politische Daseinsberechtigung in unserer Demokratie“, stellte Kerkeling fest. Mit der Aussage, „das Versprechen des Staates laute: ,Wir dulden keinen Faschismus in Deutschland‘“, rückte er die AfD zudem in die Nähe faschistischer Bewegungen und Ideologie.

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AfD empört über „skandalöse Aussage“

Thüringens AfD-Fraktionsvize Daniel Haseloff kritisierte einen Satz von Kerkeling, den der Schauspieler im Frageteil seiner Anhörung sagte. „Menschen, die mit dem Wahlslogan kommen: Alles ist möglich – bei einem Autohersteller verstehe ich das. Da geht es dann um Geschwindigkeitssteigerung, mehr Sitzplätze im Auto. Aber eine politische Partei, bei der alles möglich ist und die das zu ihrem Wahlslogan macht, bei denen ist unter Umständen auch Buchenwald möglich“, hatte Kerkeling gesagt.

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Der Entertainer spielte damit auf einen Wahlkampfslogan von Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund an, der mit dem Spruch „Alles ist möglich“ für seine Partei geworben hatte. Haseloff sprach von einer „skandalösen Aussage“ Kerkelings. „Mir tut natürlich die Geschichte des Herrn Kerkeling ein Stück weit leid und ich verstehe auch seine Emotion, aber das mit uns in Verbindung zu bringen, ist natürlich ein harter Vorwurf, ein harter Angriff“, sagte Haseloff der dpa. Kerkelings Großvater war politischer Häftling im Konzentrationslager Buchenwald und erlebte dort Zwangsarbeit und Folter. 

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Kerkelings Großvater litt jahrelang im KZ-Buchenwald

Kerkeling verband seine Argumentation mit der Geschichte seines Großvaters Hermann Anton Kerkeling. Der 1901 geborene Kommunist hatte wenige Wochen nach Adolf Hitlers Machtergreifung 1933 gemeinsam mit einem Genossen Flugblätter gegen das NS-Regime verteilt. Zwei Tage später wurde er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet und zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt. 1942 wurde er als politischer Häftling in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Erst im April 1945 kam er frei.

Auslöser für die Anhörung war ein Antrag der Thüringer Linke-Fraktion, die im Kern erreichen will, dass sich die Landesregierung auf Bundesebene für einen Verbotsantrag einsetzt. Mehrere Expertinnen und Experten signalisierten, dass sie die Voraussetzungen für ein solches Verfahren als erfüllt ansehen. Doch es gab auch Gegenstimmen – etwa von einem AfD-Anwalt, der angehört wurde, und auch vom Ex-Bundesverfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, der sich mit AfD-Fraktionschef Björn Höcke zum Mittagessen traf.

Die Linke-Fraktion fand die Anhörung «wichtig und zugleich historisch». Die Frage eines AfD-Verbots sei damit nicht nur abstrakt diskutiert worden. «Gerade die Unterschiedlichkeit der Positionen hat die Debatte so wertvoll gemacht», sagte die Linke-Abgeordnete Katharina König-Preuss.

pcl mit dpa/KNA/epd