Die Spezialisten des Kriminaltechnischen Instituts der Berliner Polizei hatten am Montagmorgen alle Hände voll zu tun. Ihr Einsatzort: ein Umspannwerk von 50Hertz an der Bissingzeile in Berlin-Mitte. Dort kam es in der Nacht zu Montag zu einer Explosion und einem Feuer in der Halle des Umspannwerkes. Schnell kam der erste Verdacht auf, es könnte sich um einen weiteren Anschlag auf die Berliner Stromversorgung handeln.

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Doch bereits am Morgen, pünktlich zu Beginn des Innenausschusses des Abgeordnetenhauses, gab Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel eine erste Entwarnung: „Am wahrscheinlichsten handelt es sich um einen technischen Defekt mit Kurzschluss, der zu einer Explosion führte“, so Slowik Meisel. Derzeit liefen aber noch Ermittlungen durch Kriminaltechniker der Polizei Berlin. Unter anderem kommen Drohnen zum Einsatz, um die genaue Ursache mit Sicherheit zu klären.
„Jetzt gilt es, die Ursachen zu ermitteln“
Die Feuerwehr war um 2.41 Uhr alarmiert worden. Eine stationäre Löschanlage hatte sich durch den Brand automatisch ausgelöst. Neben einem Teilbereich des Werkes brannten auch ein Kleintransporter und Bauschutt. Die Explosion riss eine Fassade aus Metall auf, auch ein mehrere Meter entfernter Bauwagen wies unzählige Einschläge auf.
Ermittelt werde in alle Richtungen, sagte Polizeisprecher Florian Nath am Morgen. Auch letzte Sabotageakte würden „mitgedacht“, es gebe aber noch keine belastbaren Beweise in irgendeine Richtung. Fremde Personen sind laut Nath nicht in die Halle eingedrungen, die Einbruchmeldeanlage wurde nicht ausgelöst und auch bei den ersten Sichtungen der Überwachungsvideos konnten keine Personen zum Zeitpunkt der Explosion auf dem Gelände gesichtet werden.
Stromversorgung der Stadt wurde sichergestellt
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) hatte sich am Montagmorgen ebenfalls ein Bild von dem Umspannwerk gemacht. Sie betonte, dass eine Versorgungskomponente ausgefallen sei, aber mit der zweiten Anlage die Stromversorgung für die Stadt sichergestellt werden konnte. „Jetzt gilt es, die Ursachen für diesen Schaden zu ermitteln.“
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Keine Auswirkungen auf Stromnetz durch Brand

Die Feuerwehr war mit 54 Kräften circa fünf Stunden lang im Einsatz und konnte den Brand schließlich gemeinsam mit Mitarbeitern des Betreibers 50Hertz unter Kontrolle bringen. Auswirkungen auf das Stromnetz gab es nicht. Am Morgen nach dem Brand fielen im Stadtzentrum allerdings Dutzende Ampeln aus, darunter auch die Ampel am Tiergartentunnel. Die Ein- und Ausfahrt waren zeitweise gesperrt, teilte die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) mit.
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Ermittlungen zur Ursache des Brandes laufen noch
Nach Angaben der zuständigen Senatsverkehrsverwaltung handelte es sich um 90 Signalanlagen. Nach DPA-Informationen könnten die Ampelausfälle mit dem Brand in dem Umspannwerk zusammenhängen, etwa wegen der nötigen Umleitung von Strom oder Spannungsschwankungen. Ein Umspannwerk ist eine Schaltstelle im Stromnetz, die Stromleitungen mit verschiedenen Spannungen miteinander verbindet. Die Möglichkeit von gezielter Brandstiftung bleibt bestehen, auch wenn sie von den Sicherheitsbehörden nahezu ausgeschlossen wird.
„Für Berlin stellen diese Vorgänge keine völlig neue Bedrohung dar“, erinnerte Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Aufgrund der verheerenden Anschläge auf das Berliner Stromnetz im Herbst 2025 und Anfang 2026 seien gemeinsam mit den Betreibern aber bereits zahlreiche Schutzmaßnahmen für neuralgische Punkte der Energieinfrastruktur getroffen worden, unter anderem mit Stacheldraht, Videoschutz und Sensorik. Dazu gehörten auch Ergänzungen beim Datenschutz und im Polizeigesetz ASOG.
Polizeigewerkschaft: Müssen mit Nachahmungstätern rechnen
„Wenn es in einem Berliner Umspannwerk brennt, läuten logischerweise sofort alle Alarmglocken“, sagt Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Die laufenden Ermittlungen werden zeigen, ob es am Ende der momentan höchstwahrscheinliche technische Defekt war oder doch vorsätzliche Brandstiftung.“ Dass auch die Berliner Versorgung auf kurz oder lang wieder ins Visier von Stromterroristen gerate, sei aber leider zu erwarten.
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„Gerade in Berlin haben wir eine ganze Reihe an Verfassungsfeinden, die ihre ideologischen Gewaltfantasien ausleben und eine große Gefahr für unsere Demokratie darstellen“, so Jendro weiter. „Natürlich müssen wir mit Blick auf die zurückliegenden Tage derzeit auch mit Nachahmungstätern rechnen.“
Zuletzt hatte es mehrere Sabotageanschläge auf das deutsche Stromnetz gegeben. Die Vorfälle konzentrieren sich auf Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen. Es läuft eine intensive Fahndung nach einem Mann. Polizei und Staatsanwaltschaft in Brandenburg und NRW hatten am Samstag einen gemeinsamen Fahndungsaufruf mit zwei Fotos eines 48-Jährigen veröffentlicht und bitten die Bevölkerung um Hinweise.
mit dpa







