In mehreren Berliner Bezirken sorgt derzeit ein Wahlplakat der AfD für Irritationen. Darauf sind neben der AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker mehrere frühere Bürgermeister zu sehen – unter anderem Willy Brandt.

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„Das Plakat zeigt die ehemaligen Bürgermeister der Stadt Berlin, Reuter, Weizsäcker und Brandt. In gewisser Weise sind es Vorbilder, weil sie – jeder in seiner Zeit, jeder auf seine Art – für diese Stadt gebrannt haben und für diese Stadt sich massiv starkgemacht haben“, sagte Brinker der Deutschen Presse-Agentur. „Und das fehlte in den letzten Jahren und Jahrzehnten und deswegen ist das Plakat entstanden.“

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SPD-Spitzenkandidat Krach kritisiert das Motiv

Zuerst hatte der „Tagesspiegel“-Newsletter „Checkpoint“ darüber berichtet. Der SPD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September, Steffen Krach, kritisierte das Motiv: „Ich halte es da ganz mit Willy Brandt: Es ist gut für Deutschland, wenn der erklärte Rechtsextremismus nicht in den Parlamenten vertreten ist“, sagte er.

„Deswegen sehe ich in diesem unsäglichen AfD-Plakat vor allem eine Mahnung an uns alle, an den kommenden Wahltagen rauszugehen und unsere Stimme für die Demokratie und gegen ihre Feinde von der AfD abzugeben.“

AfD nutzt Willy-Brandt-Zitat – Sohn Matthias Brandt kritisiert Instrumentalisierung

Matthias Brandt, der Sohn des früheren Regierenden Bürgermeisters (1957 bis 1966) und späteren Bundeskanzlers Willy Brandt (1969 bis 1974) verwies auf eine Passage zu dem Thema in seinem Buch „Nein Sagen“. Er erinnert darin an die Landtagswahl in Brandenburg 2019 und ein AfD-Plakat mit dem Zitat seines Vaters „Mehr Demokratie wagen“: „Sprachlosigkeit war meine erste Reaktion auf das, was hier zu sehen war“, heißt es dort. „Denn eines weiß ich: Mein Vater stand für alles, wogegen diese Partei steht. Ausgerechnet von der AfD instrumentalisiert zu werden, ist das Letzte, was er verdient hat.“

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AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker räumte ein, sie sei mit Blick auf das Motiv selbst nicht ganz sicher gewesen: „Ich muss gestehen, ich habe damit persönlich auch gehadert, weil jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht anmaßend bin“, sagte sie. „Aber die Kollegen fanden das Plakat so passend zu unserem Slogan vor allen Dingen ‚Berlin stark machen‘. Und genau darum geht's – in der Tradition dieser großen klugen Köpfe“, erklärte sie.

Wie viele Plakate insgesamt davon in Berlin zu sehen sind, könne sie nicht sagen, das sei eine Entscheidung der Bezirksverbände. „Ich weiß inzwischen von drei Bezirken, die das nutzen.“

pau/dpa