Zum Artikel „Parkbetreuer an drei Hotspots in Mitte sollen Eskalation der Drogenszene aufhalten“ vom 18. August

Schon im vorigen Jahrhundert gab es in den Parkanlagen unserer Hauptstadt besondere Aufpasser, von den Berlinern liebevoll „Parkeulen“ genannt. Deshalb waren die Wiesen damals auch grün und der Aufenthalt dort sogar sicher. Heutzutage gleichen sie Müllhaufen und dienen als Schlafplatz von Obdachlosen oder als Umschlagsort für Drogen aller Art. Zwischendrin wird fleißig gegrillt, damit es die dort Verweilenden schön warm und trocken haben. Ob sich daran durch die neuen Aufpasser etwas ändert, dürfte zumindest zweifelhaft sein. Vielleicht würden Schrotflinten zur Deeskalation erfolgreicher beitragen als Überredungskünste!

Peter Knief, per Mail

Zum Artikel „Hacker legen Berlins Verwaltung lahm: CDU-Mann Evers fordert IT-Notbremse“ vom 19. August

Die Forderung des Finanzsenators nach einem zentralen Digitalbudget und einem Chief Digital Officer mit Durchgriff auf die Ressorts verwundert nicht in der Sache, sondern vielmehr deshalb, weil der amtierende Regierende Bürgermeister doch regelmäßig erklärt, in seiner Zuständigkeit sei die Berliner Verwaltung reformiert worden. Offensichtlich weiß der aktuelle Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters dies nicht, oder die notwendige Reform der Berliner Verwaltung ist noch lange nicht beendet. Gerade im IT‑Bereich besteht weiterhin großer Handlungsbedarf, obwohl bereits seit Jahren über das E-Government-Gesetz die erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen wurden und es seit über 20 Jahren Anstrengungen gibt, alle Verwaltungen an das Landesnetz anzubinden. Hier stehen aber wohl Ressortegoismen dagegen, und wie diese nach dem neuen Landesorganisationsgesetz aufgelöst werden, bleibt eine große Frage in der Zukunft. Abschließend sei noch angemerkt, dass es in dieser Legislaturperiode einen Chief Digital Officer in der Senatskanzlei gegeben hat, jedoch ist der gegenwärtige der dritte in 3 Jahren. Auch die Frage des Digitalbudgets hätte schon in dieser Legislaturperiode insbesondere durch den Finanzsenator geklärt werden können, gerade auch bezogen auf das Landesnetz, zumal ein Vertreter der Finanzverwaltung Mitglied im Verwaltungsrat des landeseigenen ITDZ ist.

Udo Rienaß, per Mail

Zum Leserbrief von Herrn Jochen Sieler vom 19. August zum Artikel „Mit dem Weg zurück in die Vergangenheit lässt sich Geld verdienen“ vom 8. August

Herr Sieler behauptet, dass „in Pjöngjang durchaus bessere Zustände herrschen als im heutigen Berlin“. Ich vermute, dass Herr Sieler nie in Pjöngjang war. Durch die Ausstellung der United Buddy Bears, die einst in Pjöngjang war, glaube ich, die Verhältnisse recht gut zu kennen. Es gibt – außer Kabul – keine Stadt, die derart unfrei ist wie Pjöngjang. (...) Die Menschen werden rund um die Uhr bespitzelt, sie werden unterdrückt. Sie dürfen sich nicht mit einem Ausländer unterhalten. Die Menschen haben keinen Zugang zu freier Information. Wer versucht, beim Fernseher neben den zwei propagandistischen Kanälen einen Auslandskanal zu empfangen, landet in einem Straflager. Und die Sauberkeit, die Herr Sieler in Pjöngjang so toll findet. Ja, die gibt es. Der Grund ist einfach: Es gibt keinen Abfall, da aufgrund der unfassbaren Armut alles verbraucht wird, sodass so gut wie nichts entsorgt werden muss. Die Menschen schleppen Wasserkanister kilometerweit durch die Stadt, da die Wasserleitung noch aus den 30er-Jahren stammt und größtenteils zusammengebrochen ist. Da die Stromversorgung versagt, Fahrstühle nicht fahren, schleppen alte Frauen die Kanister in den Hochhäusern viele Treppen hoch. Nein, Herr Sieler, sie waren nie in Pjöngjang, ansonsten würden sie derart abstruse Vergleiche nicht anstellen.

Klaus Herlitz, per Mail

Zum Artikel „‚Wäre gerade jetzt fatal‘ – Beliebte Form der Rente steht auf der Kippe“ vom 19. August

Der Schulterschluss von Arbeitgebern und IG Metall für die Altersteilzeit ist verständlich – zukunftsweisend ist er nicht. Deutschland versucht damit, den industriellen Strukturwandel mit Instrumenten zu bewältigen, deren Grundlogik aus einer anderen Arbeitswelt stammt: Ältere Beschäftigte möglichst sozialverträglich aus dem Betrieb herauszuführen. Angesichts von Fachkräftemangel, Digitalisierung und demografischem Wandel brauchen wir das Gegenteil. Ältere Beschäftigte verfügen über jahrzehntelang aufgebautes Erfahrungs- und Prozesswissen. Dieses Humankapital vorzeitig stillzulegen, während gleichzeitig Fachkräfte fehlen, ist volkswirtschaftlich widersprüchlich.

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Statt eines Blockmodells brauchen wir flexible Übergangsphasen: reduzierte Arbeitszeiten kombiniert mit gezielter Fortbildung, Umschulung und systematischem Wissenstransfer an jüngere Beschäftigte. Gerade skandinavische Arbeitsmarktmodelle zeigen, welchen Stellenwert kontinuierliche Weiterbildung und berufliche Mobilität haben können. Sozialverträglichkeit darf nicht länger bedeuten, Menschen möglichst geräuschlos aus dem Erwerbsleben zu verabschieden. Gute Arbeitsmarktpolitik muss Beschäftigungsfähigkeit erhalten, Wissen weitergeben und berufliche Übergänge ermöglichen. Wir sollten nicht die Methoden der vergangenen Jahrzehnte konservieren, sondern die Erwerbsbiografien der kommenden Jahrzehnte gestalten.

Timo Ertel, per Mail

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