Wenige Wochen vor der Berlin-Wahl gerät Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) unter Druck. Ein Plagiatsforscher beanstandet ihre Doktorarbeit. Der österreichische Plagiatsforscher Stefan Weber hat in einem Gutachten nach Angaben des rechten Portals „Nius“ 83 Textstellen als problematisch eingestuft. Demnach sollen sich in der Dissertation der Senatorin zahlreiche Passagen finden, die älteren Veröffentlichungen teilweise nahezu wortgleich entsprechen.

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Badenberg hatte ihre juristische Dissertation 2005 an der Universität zu Köln eingereicht. Darin beschäftigte sie sich mit dem Recht von Kindern auf Kenntnis ihrer eigenen Abstammung. Die Vorwürfe betreffen laut dem Bericht nicht nur den wissenschaftlichen Haupttext. Auch in der Einleitung soll sich eine beanstandete Passage finden. Selbst der persönliche Dank an ihre Familie im Vorwort werde von Weber als problematisch eingestuft.

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Badenberg bittet Universität um Prüfung

Die Justizsenatorin weist die Anschuldigungen zurück. Gegenüber dem „Tagesspiegel“ und der „Berliner Zeitung“ erklärte sie: „Die Dissertation wurde nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt.“ Zugleich habe sie die Universität zu Köln selbst um eine „unabhängige und umfassende Prüfung“ gebeten. Die Bewertung der einzelnen beanstandeten Stellen sei Bestandteil dieses Verfahrens.

Wie schwer die Vorwürfe tatsächlich wiegen, ist damit noch nicht abschließend geklärt. Eine unabhängige Prüfung durch die Universität soll nun klären, ob und in welchem Umfang wissenschaftliche Regeln verletzt wurden.

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Wie kam Weber dazu, sich Badenbergs Arbeit anzusehen?

Weber vergleiche die Schwere in seinem Gutachten mit dem Plagiatsskandal um den früheren Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Dieser hatte 2011 wegen zahlreicher Plagiatsstellen in seiner Dissertation seinen Doktortitel verloren.

Wie kam Weber dazu, sich Badenbergs Arbeit anzusehen? Dazu macht er keine Angaben. „Ich bin als Berufsdetektiv der österreichischen Gewerbeordnung unterworfen und diese verpflichtet mich zur Verschwiegenheit bezüglich eines etwaigen Auftraggebers“, antwortete er der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage. Der als „Plagiatsjäger“ bekannte Weber erhebt immer wieder Plagiatsvorwürfe und lässt sich für solche Untersuchungen auch beauftragen. 

Mitte Mai etwa legte Björn Höckes AfD-Fraktion in Thüringen ein von ihr bezahltes Gutachten von Weber vor. Es sollte weitere Plagiatsstellen in der Doktorarbeit von CDU-Ministerpräsident Mario Voigt belegen. Die Technische Universität Chemnitz hatte Voigt im Januar den Doktortitel entzogen.

Weber ist in der Vergangenheit wegen seiner öffentlichen und teils scharf formulierten Plagiatsvorwürfe in die Kritik geraten. Nicht alle von ihm beanstandeten Fälle wurden von den zuständigen Hochschulen als wissenschaftliches Fehlverhalten bestätigt.

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„Herausragende Justizsenatorin“: Rückendeckung aus der CDU für Badenberg

Unterstützung erhält Badenberg aus ihrer Partei. Sie sei „eine herausragende Justizsenatorin, die für Berlin viel bewegt“, teilte Finanzsenator Stefan Evers mit, der bei der Abgeordnetenhauswahl als Spitzenkandidat der CDU antritt. „Wer sie kennt, weiß, mit welcher Integrität, Ernsthaftigkeit und Professionalität sie ihr Amt ausübt.“

„Angesichts der erhobenen Vorwürfe, über deren Ursprung und Motivation ich nicht spekulieren möchte, hat sie proaktiv die Universität Köln um eine Überprüfung der Doktorarbeit gebeten“, betonte Evers weiter. „Dieses Vorgehen unterstütze ich ausdrücklich.“

Stefan Evers (CDU)
Stefan Evers (CDU), Berliner Senator für Finanzen und Spitzenkandidat© Bernd von Jutrczenka/dpa | Bernd von Jutrczenka

Berliner Politik bereits mehrfach von Plagiatsfällen betroffen

Es ist nicht der erste Plagiatsfall in der Berliner Landespolitik. Auch andere Mitglieder des Senats gerieten in der Vergangenheit wegen ihrer wissenschaftlichen Arbeiten unter Druck.

Der CDU-Politikerin Manja Schreiner wurde Ende April 2024 der Doktortitel aberkannt. Die damalige Verkehrssenatorin war wegen zahlreicher Plagiatsstellen in ihrer Dissertation in die Kritik geraten und trat schließlich von ihrem Amt zurück. Auch die heutige Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) verlor ihren Doktortitel: Die Freie Universität Berlin entzog ihr die Doktorwürde 2021 wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens.

Mit dpa