Es ist ruhig rund um die Seniorenresidenz in der Veithstraße in Tegel. Von außen ist nicht erkennbar, welche Tragödie sich hinter der ockergelben Fassade des Wohnheims zugetragen hat. Unter den Bewohnern der Appartmentanlage direkt neben dem Feuerwehrmuseum in Reinickendorf kam es zuletzt zu zwei Todesfällen. Einziger Hinweis auf die mögliche Ursache: Ein Hinweiszettel an der verschlossenen Eingangstor warnt vor Legionellen. Die älteren Bewohner sitzen gerade beim Abendessen. Mehr möchte der jüngere Mann, der gerade das Haus verlässt, nicht verraten.

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In dem Seniorenwohnhaus, das der landeseigenen Immobiliengesellschaft Berlinovo gehört, ist das Trinkwasser mit Legionellen verseucht. Insgesamt fünf Bewohner mussten stationär ins Krankenhaus gebracht werden. Zwei sind gestorben. Noch ist nicht klar, ob die Legionellen im Wasser in beiden Fällen die Todesursache sind. Die Berlinovo bestätigte Informationen der Morgenpost. Zuerst hatte die „B.Z.“ berichtet.
Finanzsenator Stefan Evers fordert schnelle Aufklärung
Als Berlinovo-Aufsichtsratsvorsitzender äußerte sich Finanzsenator Stefan Evers (CDU) zu dem Vorfall: „Die Nachricht über mehrere Erkrankungs- und mindestens einen Todesfall in Zusammenhang mit einem Legionellenbefall in einem Seniorenwohnhaus der Berlinovo hat mich zutiefst bestürzt“, teilte er mit.
„Es wurde zügig gehandelt und eine größere Infektionsgefahr verhindert. Von der Geschäftsführung erwarte ich jetzt, dass der Vorfall schnellstmöglich aufgeklärt und umfassend aufgearbeitet wird.“ Evers war nach Angaben eines Sprechers der Finanzverwaltung am Nachmittag vor Ort. Er habe sich ein Bild von der Lage gemacht und unter anderem auch mit Mieterinnen und Mietern gesprochen.
Das Heim wird von den Johannitern betrieben. Die Frage ist nun, ob die Berlinovo als Hauseigentümerin rechtzeitig auf die Meldungen über den Befall mit Legionellen reagiert hat. Legionellen sind Bakterien, die sich gerne in Warmwasserleitungen ansiedeln. Sie vermehren sich bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad am besten. Laut dem Legionelleninformationsdienst entsteht eine Infektion über das Einatmen zerstäubter Wassertropfen, etwa beim Duschen. Die Folge kann ein einigermaßen harmloses Fieber sein. Aber auch die Legionärskrankheit, eine potenziell tödliche Lungenentzündung, kann durch Legionellen ausgelöst werden.
Legionellen: Seit Jahresbeginn 54 Fälle von Legionellose in Berlin gemeldet
Die Berlinovo verwies in einer Pressemitteilung auf ihren Einsatz zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner. Man habe die Mitarbeitenden informiert, heißt es. Nach Bekanntwerden des Legionellen-Befalls am 8. Juli habe die Berlinovo alle Mieterinnen und Mieter informiert und ein Duschverbot ausgesprochen. Zudem habe man eine thermische Desinfektion vorgenommen, alle Wasserauslässe durchgespült und Filter an Duschen und sonstigen Armaturen angebracht. Die Installation sei am 17. Juli, also letzten Freitag, abgeschlossen worden. Die Mieterinnen seien informiert worden. Das Vorgehen werde laufend mit dem Gesundheitsamt des Bezirks Reinickendorf abgestimmt.
Immer wieder wird in Berlin Legionellenbefall in Wohnhäusern gemeldet. Zuletzt gab es im Mai Berichte über Fälle in Lichtenrade in Beständen der privaten Immobiliengesellschaft Adler-Group. Seinerzeit war von einer Vernachlässigung der Anlage durch den Eigentümer die Rede gewesen. Legionellen sind nach dem Infektionsschutzgesetz und nach der Trinkwasserverordnung doppelt meldepflichtig. Die Senatsgesundheitsverwaltung hat Warnhinweise und Vorgaben zum Umgang im Falle eines Legionellenbefalls veröffentlicht.
Seit Jahresbeginn wurden dem Landesamt für Gesundheit und Soziales insgesamt 54 Fälle von Legionellose übermittelt. Das aktuelle Geschehen beschreibt das Amt so: „In der 28. Meldewoche wurden dem Lageso fünf Fälle von Legionellose übermittelt“, schreibt das Lageso. Betroffen seien zwei Männer und drei Frauen im Alter von 40 bis 85 Jahren (Median: 81 Jahre). Die Erkrankungsbeginne lagen zwischen Ende Juni und Anfang Juli.
Die Berlinovo ist eine von sieben Wohnungsgbaugesellschaften des Landes Berlin. Sie war aus den Überbleibseln der Wohnungsbestände der 2001 insolvent gewordenen Berliner Bankgesellschaft entstanden. Das Unternehmen mauserte sich aber im Zuge des Immobilienbooms von einer „Bad Bank“ zu einem sehr solventen Betrieb mit hohem Eigenkapital. Ein Teil des Geschäfts ist traditionell die Vermietung möblierter Apartments. Der Gesellschaft gehören mehr als 30.000 Wohnungen, davon 20.000 in Berlin.
Die Berlinovo baut im Auftrag des Senats auch Spezialimmobilien wie Studierendenwohnheime, Pflegeheime oder Atelierhäuser. 2022 kaufte das Unternehmen auf Druck des Senats mehr als 4000 Wohnungen der privaten Konzerne Vonovia und Deutsche Wohnen in Staaken, Alt-Glienicke und Britz an.





