Während immer wieder schwere Unfälle mit E-Scootern Schlagzeilen machen und viele Menschen sich über die bisweilen wild abgestellten Elektro-Gefährte ärgern, will der Berliner Senat die Rollernutzung vor allem in den Außenbezirken ausweiten. So berichten es der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und Verkehrssenatorin Ute Bonde (beide CDU) dem Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses. Aus der Unterlage geht auch hervor, wie wenig die einzelnen Roller wirklich genutzt werden.

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Selbst im Sommer leihen statistisch gesehen kaum mehr als zwei Nutzer einen E-Scooter aus. In der kühleren Jahreszeit wird jeder Roller kaum anderthalb Mal am Tag bewegt. Die Nutzer legen im Durchschnitt Strecken zwischen 1,3 und 1,8 Kilometern zurück. Diese dauern zwischen sechseinhalb und achteinhalb Minuten. Das bedeutet, dass jeder E-Roller statistisch gesehen 23 Stunden und rund 45 Minuten am Tag still steht.

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E-Scooter ersetzen keine Autofahrten, sondern Wege zu Fuß oder mit dem Rad

Die Verkehrsverwaltung rechnet sogar noch großzügig, wenn sie feststellt: „Viele Fahrzeuge der Flotten werden also maximal eine Stunde am Tag genutzt und verbleiben die restliche Zeit ungenutzt im öffentlichen Raum.“ Verkehrspolitische Effekte oder eine Entlastung der Straße lassen sich nicht feststellen. Die zurückgelegten Strecken entsprächen „in Entfernung und Dauer häufig solchen, die sonst mit dem Umweltverbund zurückgelegt worden wären: zu Fuß, mit dem eigenen Fahrrad oder auch dem ÖPNV“, schreiben Bonde und Wegner: „Eine wesentliche Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs ist zum aktuellen Zeitpunkt weiterhin fraglich.“

Gleichwohl möchte der Senat die Scooter nicht wie etwa Paris verbieten. Die vor allem bei jüngeren Menschen beliebten „Elektro-Kleinstfahrzeuge“ sollen über das Auslaufen der noch bis März 2027 geltenden Sondernutzungserlaubnisse hinaus erlaubt bleiben. Das Angebot soll auch auf weitere Regionen der Stadt ausgeweitet werden.

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In der Innenstadt gilt eine Höchstgrenze von maximal 19.000 Leihrollern

Insgesamt sind in Berlin 45.450 ausleihbare E-Roller registriert. Hinzu kommen noch 25.260 Fahrräder mit und ohne Elektroantrieb sowie 2350 E-Motorräder. Insgesamt sind acht Anbieter auf dem Markt aktiv. Die Zahl der genehmigten Scooter ist seit 2025 um 1400 gesunken, die der Leihräder aber um knapp 7000 gestiegen. Für das Gebiet innerhalb des S-Bahn-Rings hat die Verkehrsverwaltung eine Höchstgrenze von 19.000 E-Scootern angeordnet. Die seit Jahren geltende Regel wurde erneut verlängert.

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Die Unternehmen sind verpflichtet, spezielle Abstellzonen für die Roller einzurichten und dafür zu sorgen, dass die Nutzer außerhalb dieser Orte ihre Gefährte nicht einfach zurücklassen können. Die Auflagen seien „mit Blick auf die Erfahrungen aus vorangegangenen Erlaubniszeiträumen nachgeschärft und erweitert“ worden, „um die Abstellsituation zu verbessern und Beeinträchtigungen von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen und blinden Menschen zu verhindern“, heißt es in dem Bericht.

Mittlerweile gibt es in Berlin fast 600 feste Abstellzonen für E-Roller

Bis Ende vergangenen Jahres seien 565 Abstellflächen geschaffen worden, davon 362 innerhalb des S-Bahn-Rings. „Die Erfahrungen damit sind durchweg positiv“, schreiben die Senatsvertreter. Es komme zu weniger „Behinderungen und Gefährdungen durch falsch abgestellte Mietfahrzeuge“. Das gelte besonders dort, wo explizit Parkverbotszonen für Kleinstfahrzeuge ausgerufen worden seien. Für die Nutzer seien die Kleinstfahrzeuge so leichter verfügbar, und für die Anbieter sei es leichter, die Scooter zu warten.

Zusammen auf dem E-Scooter durch die Dunkelheit
Vor allem junge Leute nutzen E-Roller. Nicht immer halten sie sich an die Regeln. Drei sind jedenfalls zwei zu viel. © picture alliance/dpa | Wolfram Steinberg

Der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV) hatte im März nach einer Klage mit dem Senat ausgehandelt, dass das freie Abstellen von Scootern auf Gehwegen verboten wird. Das soll schrittweise nach „Clustern“ in der ganzen Stadt erfolgen, aber erst 2035 abgeschlossen sein. Für ABVS-Geschäftsführer Thomas Krämer ist das zu lange: „Angesichts der täglichen Gefahren für blinde und sehbehinderte Menschen muss das freie Abstellen der Fahrzeuge so schnell wie möglich unterbunden werden.“

Angesichts der täglichen Gefahren für sehbehinderte Menschen muss das freie Abstellen der Fahrzeuge so schnell wie möglich unterbunden werden.

Thomas Krämer, Geschäftsführer des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins

Insgesamt plant die Verkehrsverwaltung, rund 3000 Abstellplätze im Stadtgebiet zu schaffen, wo dann auch Fahrräder bereitstehen sollen. „Die gesammelten Erfahrungen zeigen, dass Mobilitätsstandorte ein wirkungsvoller Ansatz sind, um Sharing-Angebote zu bündeln“, heißt es im Bericht der Verkehrsverwaltung. Durch die digitale Überwachung der Fahrzeuge ließen sich Konfliktschwerpunkte identifizieren und der Ausbau gezielt steuern. An ein Verbot von E-Scootern ist nicht gedacht worden: „Die Senatsverkehrsverwaltung entwickelt derzeit eine Herangehensweise, wie die bereits erprobten Ansätze im Rahmen einer Sharing-Strategie skaliert werden können, um ein stadtweites und bedarfsgerechtes Netz an Mobilitätsstandorten zu schaffen.“

Anbieter zahlen in der Innenstadt vier Euro pro Roller im Monat Straßennutzungsgebühr

Die Anbieter zahlen pro Monat für das Recht, in der Innenstadt öffentliches Straßenland zu nutzen, für jedes Fahrrad und jeden E-Scooter vier Euro. Daraus rechnet das Land Berlin im laufenden Jahr mit Einnahmen von 1,3 Millionen Euro. Außerhalb des Rings kostet sie das nichts. Die Senatsverwaltung hält sich zugute, dass es bereits gelungen sei, die Mehrheit der Scooter und Leihräder in die Außenbezirke zu verlagern. 51 Prozent der Mietfahrzeugangebote fänden außerhalb des S-Bahn-Rings statt.

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Die Anbieter selbst können genau sehen, wie ihre Roller genutzt werden. Ein Höhepunkt sei der vergangene Samstag gewesen, als Deutschland bei der Fußball-WM gegen die Elfenbeinküste antrat, berichtet Bolt. Offenbar stiegen viele Fans auf Leihräder und Scooter, um zum gemeinsamen Gucken zu gelangen. Die Nutzung sei über den gesamten Spieltag bis zum Anpfiff stetig angestiegen und habe schließlich um 21,5 Prozent über der Nachfrage des vorangegangenen Samstags gelegen.