Die Sonne sinkt hinter den Teufelsberg. Durch die Panoramafenster des Funkturmrestaurants schweift der Blick über die S-Bahn-Schienen. Irgendwo heult ein Rettungswagen. In der Ferne wachsen neue Stockwerke in den Abend. Das, was sich unten abspielt, wird oben an diesem Dienstagabend besprochen: das Leben in Berlin – und seine Zukunft.

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Ein paar Dutzend Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien haben sich hier für „Über den Dächern Berlins“ versammelt. Die Veranstaltungsreihe wurde 2019 von der Messe Berlin, der Wall GmbH und der Berliner Morgenpost gestartet und will Entscheiderinnen und Entscheider zusammenbringen – mit Perspektive von oben. Dieses Mal stellte sich die Frage: „Biotech City Berlin – Zukunftsbranche mit globalem Potenzial?“
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Bayer-Vertreter: „Schaffen es nicht, Therapien zu entwickeln“
Gleich zu Beginn fragt Moderator Gilbert Schomaker, stellvertretender Chefredakteur der Morgenpost, nach Leuchtturm-Projekten in der Branche. Astrid Lurati von der Charité Berlin verweist auf den Nordhafen: Dort entstehe gemeinsam mit Bayer das „Berlin Center for Gene and Cell Therapies“ (BCGCT), ein Campus, der Wissenschaft und Wirtschaft unter einem Dach verknüpfe. Hier sollen Start-ups mit dem gemeinsamen Know-how von Charité und Bayer aufblühen. „Produkte für die Therapie von Patienten, die es heute noch nicht gibt, sollen dort entstehen“, sagt sie.
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Tobias Helmstorf von Bayer erklärt, warum das Projekt nötig ist: „Wir haben sehr viele exzellente Grundlagenforschung, aber wir schaffen es nicht, hier Therapien daraus zu entwickeln.“ Vielen Start-ups fehlt es an Organisation – und der Rest wandere in andere Länder ab. Der Campus solle „zum Nukleus dieses neuen Netzwerks in Berlin werden“.
China ist weit voraus: Europa muss bei Biotech aufholen
Aber: „Spitzenforschung kostet“, wendet Schomaker ein, „und Berlin hat wenig Geld“. Lurati bestätigt für die Gesamtsituation in Berlin: „Die Infrastruktur-Mittel reichen bei Weitem nicht aus.“ Das Land habe zu dem Campus 30 Millionen Euro beigesteuert, der Bund 76 Millionen. Das hat rund die Hälfte der Kosten gedeckt. „Aber die Impulse müssen aus der Privatwirtschaft kommen“, sagt Lurati. Bayer habe Risikokapital eingebracht, daraufhin habe das Land nachgezogen.
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„Aber wir wollen keine Zombie-Start-ups, die für immer aus kommunalen Mitteln finanziert werden, sondern globale Player“, sagt Helmstorf. Er verweist dabei ausdrücklich auf den globalen Taktgeber: China sei beim Tempo der Umsetzung beispielsweise weit voraus – vom ständigen Nachschub neuer Wissenschaftler und Investoren bis zur schnellen Genehmigungspraxis. Europa und Deutschland müssten nachziehen, sagt er, vor allem mit mehr Unterstützung von Innovationen, sprich weniger Bürokratie. „Wir wollen Berlin zwischen Boston und Beijing auf die Karte bringen“, formuliert er den Anspruch.
Inhaltlich will der Campus breiter sein als Gen- und Zelltherapien, betont Lurati: ein Ort für Biomedizin insgesamt. Die nächste „Innovationsschleife“, so Helmstorf, liege im Zusammendenken von Biotech, KI und Sensorik. Draußen wird der Fernsehturm zur Silhouette, auf der anderen Seite glimmt der Teufelsberg. Unten ziehen Züge, oben vernetzt sich eine Stadt. Berlin, so scheint es, tastet sich einen Schritt weiter an seine Biotech-Zukunft heran.







