Rund 30 Jahre ist es her, dass zuletzt eine neue U-Bahn im sogenannten Großprofil, also auf den Linien U5 bis U9, eingesetzt wurde. Nun ist es wieder so weit. Nachdem die Züge in den vergangenen Tagen schon zu Testfahrten unterwegs waren, haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) jetzt offiziell den Fahrgastbetrieb gestartet.

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Zunächst sind täglich 36 Neuwagen auf der Linie U5 unterwegs. Das entspricht sechs Zügen. Die BVG verspricht sich davon, auch die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit im Netz zu verbessern. „Die Verjüngung des Fuhrparks ist das absolut Entscheidende für dieses U-Bahn-System“, sagte BVG-Chef Henrik Falk bei der Premierenfahrt.

Im vergangenen Jahr hatte das Verkehrsunternehmen bereits begonnen, auf der Linie U2, die zum sogenannten Kleinprofil gehört, neue Fahrzeuge der Baureihe JK einzusetzen. Dort geht es zunächst um 140 Wagen, die inzwischen laut BVG fast alle auf der Linie fahren. Jetzt kommen auf der U5 die etwas größeren U-Bahnen der Baureihe J hinzu. Dort geht es im ersten Schritt um 170 neue Wagen, die bis Ende des Jahres eingeflottet werden sollen. Weitere 170 Wagen sind bereits bestellt und sollen im nächsten Jahr vom Hersteller Stadler geliefert werden. Nach der U5 sollen als Nächstes auf der U9 neue Züge zum Einsatz kommen.

Neue U-Bahnen: Fahrgäste sollen auf unterschiedliche Weise profitieren

Fahrgäste der BVG sollen aber nicht nur davon profitieren, dass die neuen Züge weniger störanfällig sind als die alten und damit ein stabilerer Betrieb erwartet wird. Für sie gibt es weitere Änderungen. Auffällig ist die neue Fahrgastinformation. Die ist einerseits moderner und enthält mehr Hinweise für Fahrgäste, zum Beispiel zu Umsteigemöglichkeiten. Andererseits sind die Bildschirme jetzt in die Seitenwände integriert und ragen damit nicht mehr mittig in den U-Bahn-Wagen hinein. Das trägt unter anderem dazu bei, dass die neuen Wagen geräumiger wirken.

Das Raumgefühl in den neuen Zügen soll sich auch durch die schmalen Türsäulen und die großen Ein- und Ausstiegsbereiche verbessern. Dazu kommen Mehrzweckbereiche mit mehr Platz für Kinderwägen oder Rollstühle sowie ein neues Lichtkonzept, das an die Tageszeit angepasst werden kann. „Im Inneren ist es hell, transparent, offen. Das trägt bei der Länge der Fahrzeuge auch zur Sicherheit bei, weil viel mehr gesehen werden kann, was sich in den Fahrzeugen ereignet“, sagte dazu Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU). Wovon die Fahrgäste auch profitieren sollen, selbst wenn sie es nicht direkt bemerken: Die beiden neuen Baureihen J und JK nutzen viele identische Bauteile. Davon verspricht sich die BVG Vorteile bei der Wartung und Verfügbarkeit der Züge.

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Die Frage, wie viele neue U-Bahnen es geben wird, ist noch unbeantwortet

Noch ungeklärt ist allerdings die Frage, wie viele neue U-Bahnen am Ende bei der BVG ankommen werden. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) betonte am Montag: „Dass wir eine Modernisierung unserer Flotten brauchen, ist unstrittig.“ Der Rahmenvertrag mit Stadler sieht vor, dass die BVG in den zwei Baureihen ­JK und J während der Laufzeit bis 2030 bis zu 1500 Wagen abrufen kann.

Die feste Mindestbestellmenge umfasst 606 Wagen, davon 344 im Großprofil. Diese werde nach aktuellem Stand bereits ausgeschöpft, sagte Verkehrssenatorin Bonde. Wie viel darüber hinaus noch passiert, ist offen. Die CDU-Politikerin gab sich am Montag zurückhaltend. „Wenn wir mehr Fahrzeuge brauchen, haben wir den Spielraum“, sagte Bonde lediglich. Im Entwurf für den neuen Nahverkehrsplan sind insgesamt 762 neue U-Bahn-Fahrzeuge als Bedarf bis zum Jahr 2030 aufgeführt. Das ist zwar mehr als die Mindestmenge, aber zugleich nur gut die Hälfte von dem, was mit dem Vertrag möglich wäre.

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Stadler hofft darauf, dass möglichst viele neue U-Bahnen bestellt werden

Dass Stadler darauf setzt, dass deutlich mehr als die 606 Wagen bestellt werden, wurde am Montag ebenfalls deutlich. Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident von Stadler, verwies auf die 2000 Beschäftigten, die das Unternehmen in Pankow habe. „Wir hoffen natürlich, für unsere Arbeitskräfte hier in Berlin, dass möglichst viele Fahrzeuge noch abgerufen werden“, so Spuhler. „Es dürfen auch gern 1500 Wagenkästen sein.“

Berlins Regierender Bürgermeister äußerte sich in der Frage zumindest etwas optimistischer als seine Verkehrssenatorin. „Ich bin gewillt, diesen Weg konsequent weiterzugehen“, sagte Wegner mit Blick auf die neuen U-Bahnen. Gemeinsam mit der BVG und der Firma Stadler wolle er daran arbeiten, „dass wir möglichst viele neue Züge ins Netz bringen“. Eine konkrete Zahl nannte Wegner nicht, betonte aber: „Die Berlinerinnen und Berliner erwarten einen modernen Fahrzeugbestand, die BVG braucht einen modernen Fahrzeugbestand. Dafür müssen wir gemeinsam sorgen.“