Geradezu sommerliche Temperaturen, Partystimmung, 70.000 Menschen und rund 90 Demonstrationen: Trotz dieses Ausmaßes ist auch der 1. Mai 2026 in Berlin größtenteils gewaltfrei und friedlich verlaufen – ein Trend, der nun schon seit mehreren Jahren zu beobachten ist. „Der 1. Mai in Berlin war friedlich“, schrieb der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Sonnabend auf der sozialen Plattform X. Das sei auch ein großer Erfolg der besonnenen und konsequenten Planung und Vorbereitung der Polizei und Feuerwehr gewesen. „Ich danke allen Einsatzkräften, die im Dienst waren“, so Wegner weiter.

Tausende bei „Revolutionärer 1. Mai“-Demo

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    Auch Innensenatorin Iris Spranger (SPD) lobte den Einsatz der rund 5300 Polizeikräfte gegenüber dieser Redaktion. „Das im Vorfeld langfristig vorbereitete Einsatzkonzept ist aufgegangen: eine abgestimmte und situativ angepasste Deeskalationsstrategie sowie auch verstärkte Maßnahmen zum Zufahrtsschutz, um Versammlungen und Veranstaltungen zu sichern“, sagte Spranger.

    Berlin habe gezeigt, dass Versammlungsfreiheit und Sicherheit gleichermaßen gewährleistet werden könnten. „Mehr als 60.000 Besucherinnen und Besucher hielten sich in Grünanlagen und Parks auf“, so Spranger. „Zehntausende Berlinerinnen, Berliner und Gäste der Stadt feierten den Ersten Mai friedlich und verantwortungsvoll.“ Gleichzeitig aber gelte: „Wer Gewalt ausübt oder Einsatzkräfte angreift, überschreitet klare Grenzen. Straftaten werden konsequent verfolgt und rechtsstaatlich geahndet.“

    Über 60 Festnahmen auf der „Revolutionären 1. Mai“-Demo

    Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel ergänzte: „Unsere über Jahrzehnte immer weiter fortentwickelte und ausdifferenzierte Strategie der Deeskalation hat sich erneut bewährt: Zurückhaltung, wenn es uns nicht braucht, enge Begleitung, wenn Straftaten drohen, konsequentes Eingreifen, wenn Straftaten begangen werden.“

    Zurückhaltung, wenn es uns nicht braucht, enge Begleitung, wenn Straftaten drohen, konsequentes Eingreifen, wenn Straftaten begangen werden

    Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel , Über die Polizeistrategie am 1. Mai

    Auf der „Revolutionären 1. Mai“-Demo kam es am Abend in Kreuzberg und Neukölln zu 18 Festnahmen, 28 Strafermittlungsverfahren wurden eingeleitet. Der Zug hatte in der Spitze 11.000 Teilnehmer, aus ihm heraus wurde regelmäßig illegale Pyrotechnik gezündet. Auseinandersetzungen mit den Einsatzkräften gab es vor allem am Endpunkt der Demo am Südstern. Fünfzehn Polizisten wurden verletzt, einer konnte seinen Dienst nicht fortsetzen.

    Insgesamt nahm die Polizei 87 Personen fest

    Demonstrationen zum 1. Mai – Berlin
    Teilnehmer der Demonstration «Revolutionärer 1. Mai – Freiheit. Frieden. Solidarität» ziehen durch die Stadt.© Fabian Sommer/dpa | Fabian Sommer

    Am gesamten Tag wurden laut Polizei 87 Personen festgenommen und 121 Strafermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen des Verdachts des Landfriedensbruches, des tätlichen Angriffes auf Vollzugsbeamte, der einfachen und gefährlichen Körperverletzung, sexueller Belästigung, der Sachbeschädigung, des Hausfriedensbruchs und der Beleidigung. Aus diesem Grund zieht die Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP auch nur ein gemischtes Fazit zum Tag der Arbeit.

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    Feuerwehr Berlin fuhr über 2000 Einsätze

    „Leider trübt die Nacht in Kreuzberg, bei der wieder Gegenstände auf die Einsatzkräfte geworfen und Pyrotechnik abgebrannt wurden, die Gesamtbilanz eines Feiertages, an dem Hunderttausende auf den Straßen friedlich demonstriert und gefeiert haben“, hieß es am Sonnabend in einer Mitteilung der Gewerkschaft. Daher könne man aus Polizeisicht auch noch nicht von einem insgesamt friedlichen Tag sprechen.

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    Die Feuerwehr fuhr bis in die Morgenstunden über 2000 Einsätze. „Insbesondere im Bereich des Rettungsdienstes mussten durch die Einsatzkräfte unter hoher Belastung 1657 Einsätze bewältigt werden“, heißt es in einer Mitteilung. Kurzfristig seien rettungsdienstliche Konzepte angepasst und Rettungswagen auf eine Feuerwache in der Nähe der Einsatzschwerpunkte verlegt worden.

    Zudem wurde am Görlitzer Park in enger Abstimmung mit der Polizei eine Verletztensammelstelle eingerichtet, um die sich dort häufenden medizinischen Notfälle gezielt abarbeiten zu können. Anders als in früheren Jahren verzeichnete die Feuerwehr aber keine Angriffe auf Rettungskräfte.

    Gewerkschaft: Einsatzkräfte haben kühlen Kopf bewahrt

    „Die Hauptstadt wird für politische Stammtischreden gerne einmal durch den Kakao gezogen“, sagte GdP-Landeschef Stephan Weh. „Wir haben an den letzten beiden Tagen aber einmal mehr mit Bravour bewiesen, dass wir Großlagen können wie kein anderer. Das war von A bis Z eine Meisterleistung, sowohl einsatztaktisch als auch in der Umsetzung, und verdient allergrößten Respekt.“

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    Einsatzleiter Stephan Katte habe in den brisanten Situationen, die es entlang der revolutionären Abend-Demo gab, stets die richtigen Entscheidungen getroffen, alle Einsatzkräfte hätten zudem einen kühlen Kopf bewahrt.

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    „Das ist angesichts der rund 90 Versammlungen und Veranstaltungen, der parallel zu bewältigenden alltäglichen Kriminalitätslage einer Vier-Millionen-Menschen-Metropole, der stark versuchten Mobilisierung der linksextremen Szenen mit allen Themen bis auf Timmy den Wal, der vielen Menschen auf engem Raum und des sagenhaften Alkohol- und Drogenkonsums im öffentlichen Straßenland gar nicht hoch genug einzuschätzen“, betont der Gewerkschafter.