Am Sonnabend werden 100 Rocker auf ihren Motorrädern durch Berlins Norden knattern. Die Route verläuft ab 15 Uhr von Bernau aus über die Berliner Straße und die Prenzlauer Allee bis hin zur Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg und von dort über die Berliner Allee wieder zurück nach Brandenburg. Angaben der Polizei zufolge steckt hinter dem PS-starken Protest ein Charter (Ortsgruppe), der dem Umfeld der berüchtigten Hells Angels zugerechnet wird. Motto der Demonstration: „Motorradaufzug gegen das sogenannte Kuttenverbot durch das Vereinsgesetz“.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Seit Jahren ist das Verbot ein Ärgernis in der Rocker-Szene. Im Jahr 2020 hatte das Bundesverfassungsgericht ein entsprechendes Urteil bestätigt, wonach Gruppierungen wie die Hells Angels und die Bandidos öffentlich keine Logos ihres Motorradclubs mehr zeigen dürfen.
Kuttenverbot hat hohen Anteil am Bedeutungsverlust der Rocker
„In unserem demokratischen Rechtsstaat kann man für alles auf die Straße gehen, auch mit Motorrädern rollen“, sagt Thorsten Schleheider, Landesvizechef der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP, in Hinblick auf den geplanten Korso am Wochenende. „Am sogenannten Kuttenverbot sollte das aus unserer Sicht aber nichts ändern.“ Rocker seien kein harmloser Karnevalsverein, vielmehr hätten die Motorradclubs nach wie vor ihre Finger in zahlreichen Geschäftsfeldern der Organisierten Kriminalität. Auch wenn die Sicherheitsbehörden sie heute nicht mehr als größte Nummern in diesem Bereich wahrnehmen würden.
Lesen Sie auch
„Das öffentliche Zurschaustellen ihrer Charter und Chapter beziehungsweise ihrer Patches hat Prestigecharakter und schürt ihren Mythos“, so Schleheider. „Dass ihnen diese Möglichkeit genommen wurde, hat großen Anteil daran gehabt, ihren Wirkungsgrad zumindest einzudämmen.“
Auch interessant
Rocker und Motorrad-Clubs weichen nach Brandenburg aus
In Berlin existieren derzeit immerhin noch 22 Charter/Chapter (Ortsgruppen) verschiedener OMCGs („Outlaw Motorcycle Gang“) und ihrer Supporter. Die dominanteste Rockergruppierung an Spree und Havel sind nach wie vor die Hells Angels, deren Mitglieder in der Vergangenheit immer wieder kriminell aufgefallen sind. Wie die „B.Z.“ zuletzt berichtete, haben hohe Mieten und der Druck der Polizei die Rocker jedoch vermehrt ins brandenburgische Umland ausweichen lassen. Der Korso am Sonnabend kann daher auch als eine Art Lebenszeichen interpretiert werden.
- Kaum Aufklärung: Wo in Berlin die meisten Fahrräder gestohlen werden
- Traurige Zahlen beim Kindesmissbrauch: Kinder in Berlin so gefährdet wie nie
- Viele Kellereinbrüche: Warum Berlin besonders von „Reisenden Tätern“ betroffen ist
- Hass auf Frauen: Zahl der frauenfeindlichen Delikte nimmt zu
- Immer mehr Reizgasattacken: Warum Pfefferspray nicht verboten wird
Polizei will Druck auf Rocker aufrecht erhalten
Im aktuellsten Lagebild zur Organisierten Kriminalität wurden erstmals keine Ermittlungsverfahren mehr gegen die sogenannten OMCG erfasst. „Neben Szeneveränderungen ist dies der kontinuierlichen präventiven und repressiven Arbeit der Strafverfolgungsbehörden in diesem Milieu zuzuschreiben“, heißt es in dem Bericht. Der Ermittlungs- und Kontrolldruck bleibe aber weiterhin hoch, um einem erneuten Erstarken entgegenzuwirken. „Ein Nachlassen des Ermittlungs- und Kontrolldrucks würde dazu führen, dass die OMCG ihr Machtstreben und ihre Gebietsansprüche unter Begehung von Straftaten wieder verstärken.“









