Am Samstag wird Berlin wieder einmal von Motorrädern beherrscht. Knapp 900 Biker haben sich nach Angaben der Polizei angekündigt, um in zwei Motorradkolonnen vom Olympischen Platz in Westend aus durch die Hauptstadt zu fahren. Eine Demonstrationen richtet sich gegen das bundesweit geltende Kuttenverbot und wurde von dem berüchtigten Rockerclub der Bandidos angemeldet, die andere ist unter dem Titel „Keine Kollektivstrafen für Biker“ bei der Berliner Polizei angemeldet worden. Autofahrer müssen auf den Routen mit weitreichenden Verkehrseinschränkungen und Sperrungen rechnen.

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Die erste Kolonne mit 750 erwarteten Teilnehmern startet um 12:30 Uhr und fährt geschlossen über den Theodor-Heuss-Platz, die Masurenallee, Neue Kantstraße, Kurfürstendamm, Wittenbergplatz und Lützowplatz bis zum Großen Stern und von dort über die Straße des 17. Juni, Unter den Linden, Alexanderstraße und Holzmarktstraße am Treptower Park vorbei auf der Köpenicker Straße bis nach Rudow. Im Demo-Aufruf wird unter anderem das Parkverbot für Motorräder auf Gehwegen kritisiert.

Die mit 120 Teilnehmern deutlich kleinere Bandidos-Kolonne schmeißt um 14 Uhr die Motoren an und fährt über den Kaiserdamm und die Königin-Elisabeth-Straße auf die Autobahn A100 bis ins brandenburgische Oranienburg.

Rocker-Szene nach wie vor in der Hauptstadt aktiv

Das Insignien- und Kuttenverbot sorgt seit Jahren für Ärger in der Rocker-Szene. Im Jahr 2020 hatte das Bundesverfassungsgericht ein Urteil von 2017 bestätigt, wonach Gruppierungen wie die Bandidos und die bekannteren Hells Angels öffentlich keine Logos ihres Motorradclubs mehr zeigen dürfen. Nicht immer wird sich an dieses Verbot gehalten.

Die immer wieder totgesagte Szene zeigt sich in Berlin dabei nach wie vor äußerst lebendig. Überall in der Region gibt es weiterhin aktive Ortsgruppen („Charter“ und „Chapter“), denen teils Geschäfte mit Drogen, Waffen und Delikte im Rotlichtmilieu zugerechnet werden. Einzelne „Charter“ der Hells Angels befinden sich etwa in Bernau (Charter „Berlin“) und Rädel in Potsdam-Mittelmark (Charter „East Front“).

Rocker in Berlin: Drogenhandel und Schutzgelderpressung

Im aktuellen Lagebild der Organisierten Kriminalität in Berlin heißt es: „Rockerkriminalität umfasst in Berlin vor allem die Aktivitäten im Bereich der Gewalt- und Rauschgiftkriminalität. Auch in der Türsteherszene und bei Sicherheitsdiensten sind Personen dem Rockermilieu zuzurechnen.“ Dominanteste Rockergruppierung in der Hauptstadt sei wie in den Vorjahren der Hells Angels Motorcycle Club (HAMC).

Die Beeinträchtigung der Erkennbarkeit in der Öffentlichkeit durch das sogenannte „Kuttentrageverbot“ habe die traditionellen Rockergruppierungen und deren Supporter massiv im Ausleben ihres Dominanzverhaltens beeinträchtigt. Unstrittig sei jedoch, dass Rockergruppierungen weiterhin Straftaten wie Drogenhandel und Schutzgelderpressungen zur Aufrechterhaltung der internen Strukturen und zur Bestreitung des Lebensunterhalts ihrer Mitglieder begehen würden. „Dies geschieht jedoch überwiegend im Verborgenen und bedarf daher einer besonders intensiven polizeilichen Erkenntnisgewinnung“, heißt es in dem Bericht.

Bandidos eher im brandenburgischen Umland zu finden

„Wer glaubt, dass sich die Rocker zur Ruhe gesetzt hätten, weil sie nicht mehr so häufig öffentlichkeitswirksam in Erscheinung treten, verkennt die Gefahr“, sagt Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP. „Durch das Kuttenverbot und den Druck auf die Szene hat der Rechtsstaat ein klares und wichtiges Signal gesendet, aber wir haben nach wie vor Chapters und Charters, deren Protagonisten in zahlreichen OK-Bereichen wie Schutzgelderpressung, Prostitution oder illegaler Waffenhandel aktiv sind und deren Verbindungen zu Terrororganisationen immer mal aufleuchten.“

Während von den bekanntesten Gruppierungen die Hells Angels nach wie vor in Berlin Präsenz zeigen würden, hätten sich die Bandidos eher ins brandenburgische Umland verlagert. Dass man von dort aber nicht allzu lang in die Hauptstadt und zu lukrativen Einnahmequellen brauche, sei kein Geheimnis, so Jendro weiter.

Anmerkung: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, dass sich beide Demonstrationen gegen das Kuttentrageverbot richteten. In der größeren der beiden Demos ging es um Kollektivstrafen, wir haben das präzisiert. Zudem gibt es keinerlei Zusammenhang zwischen den Veranstaltern der größeren Demonstration und den Rockern der Bandidos.