Wer künftig in Berlin und ganz Deutschland etwas kauft oder eine Rechnung in der Gastronomie begleicht, soll dabei immer auch digital bezahlen können. Die Fraktionschefs von CDU und SPD im Berliner Abgeordnetenhaus, Dirk Stettner und Raed Saleh, drängen den Senat zu einer entsprechenden Bundesratsinitiative noch vor den Berliner Wahlen im September. Mit der Devise „Cash Only“, die heute noch in vielen Läden, zahlreichen Berliner Kneipen und auch in manchen Restaurants gilt, soll es dann vorbei sein. Es soll verboten werden, ausschließlich Bargeld anzunehmen.

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Den Anstoß für die Initiative kam dem Vernehmen nach von CDU-Fraktionschef Dirk Stettner. Der Politiker ist selbst Gastronom, betreibt mit seiner Frau ein Hotel im Sauerland. Aus seiner Sicht gibt es nur einen wesentlichen Grund, die Bezahlung über Kreditkarten, Debitkarten oder andere digitale Wege abzulehnen: Steuerhinterziehung. Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft geht davon aus, dass dem deutschen Fiskus durch Kassenbetrug mit Bargeld jährlich 15 bis 20 Milliarden Euro entgehen.

Finanzsenator Stefan Evers begrüßt Initiative für „mehr Steuergerechtigkeit“

Für ihre Fraktionsklausur im April mit dem Senat haben die beiden Fraktionschefs das Thema einer Bundesratsinitiative auf die Tagesordnung gesetzt. Mit Finanzsenator Stefan Evers (CDU) haben sie einen Verbündeten. „Grundsätzlich begrüßt die Senatsverwaltung für Finanzen Maßnahmen, die zu mehr Steuergerechtigkeit beitragen können“, sagte ein Sprecher der Berliner Morgenpost. Ein verpflichtendes Anbieten unbarer Zahlungsmöglichkeiten könne „die Transparenz im Zahlungsverkehr“ erhöhen.

Evers selbst hatte kürzlich im Morgenpost-Interview gesagt, er wolle zwar kein Verbot von Bargeld: „Aber es lohnt sich, über eine Annahmepflicht für elektronische Zahlungsmittel zu reden. Das fände ich modern, verbraucherfreundlich, und natürlich würde es die Nachvollziehbarkeit von Zahlungen verbessern. Und natürlich würde es auch den Finanzämtern helfen.“

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD im Bund wird das Thema erwähnt – passiert ist nichts

Zwar hat auch die Koalition aus Union und SPD auf Bundesebene das Thema auf der Agenda. „Wir setzen uns für echte Wahlfreiheit im Zahlungsverkehr ein und wollen, dass grundsätzlich Bargeld und mindestens eine digitale Zahlungsoption schrittweise angeboten werden sollen“, heißt es im Koalitionsvertrag von 2025. Passiert ist allerdings noch nichts, sodass die Berliner nun über die Länderkammer, den Bundesrat, für Tempo sorgen wollen.

Besonders im Fokus steht die Gastronomie. In Berlin ist diese Branche groß. Das Amt für Statistik zählte 2025 4820 Restaurants, 1474 Cafés und Eisdielen, 557 Bars und Diskotheken, 1539 Kneipen und 2467 Imbissstuben. Die Zahl der Betriebe ist zuletzt trotz sinkender Gesamtumsätze sogar gestiegen. Die Statistiker registrieren mehr Gewerbeanmeldungen als -abmeldungen.

Gastronom berichtet: Wer digitales Bezahlen nicht akzeptiert, verliert Gäste

Wie viele Berliner Gastronomen eine „Cash Only“-Politik machen, ist nicht bekannt. Der Branchenverband Dehoga beruft sich auf eine Studie des Kreditkartenanbieters Mastercard, wonach in Deutschland bereits 2021 fast 90 Prozent aller Gaststätten digitale Zahlungsmittel akzeptiert hätten. Der Berliner Finanzverwaltung liegen jedoch keine Informationen dazu vor. Auch etwaige Steuerausfälle durch „Cash Only“-Geschäfte könne man „mangels belastbarer Daten nicht verlässlich beziffern“, so der Sprecher.

Ein Charlottenburger Gastronom berichtet der Morgenpost, dass bargeldloses Bezahlen auch in der Hauptstadt auf dem Vormarsch sei. In seinen beiden Lokalen sorge das für 70 bis 80 Prozent der Einnahmen. Gerade junge Leute oder Touristen hätten oft überhaupt kein Bargeld mehr in der Tasche. Wer sich nicht darauf einstelle, verliere Umsätze und vertreibe potenzielle Gäste. Inzwischen gebe es attraktive Angebote für digitale Zahlsysteme, deren Kosten unter dem Mehraufwand für den Umgang mit Bargeld lägen.

Branchenverband Dehoga reagiert verhalten, befürchtet höhere Kosten für Wirte

Das sehen aber nicht alle Wirte so. Der Branchenverband Dehoga reagiert verhalten auf die Forderung. Gerade für kleinere, inhabergeführte Unternehmen stelle die Umstellung auf digitale Zahlungssysteme weiterhin eine Herausforderung dar, so der Verband. Sie müssten organisatorische Hürden überwinden, zusätzlichen bürokratischen Aufwand bewältigen und mit doppelten Kosten leben. Digitale Bezahlsysteme verursachten laufende Ausgaben, während Bargeldprozesse weitergeführt werden müssten. Berlins Dehoga-Landesgeschäftsführer Gerrit Buchhorn sieht die Gefahr steigender Kosten für die ohnehin gebeutelte Branche: „Um bargeldlose Zahlungen als echte Alternative zu Barzahlungen akzeptabel zu machen, wäre eine gesetzliche Regulierung beziehungsweise die Deckelung aller Kostenbestandteile erforderlich“, sagte er.