Der Trend, in großen Bauprojekten den Anteil von Büros zu reduzieren, schlägt auch bei einem der größten städtebaulichen Entwicklungsvorhaben der Stadt durch: Auf dem Siemensstadt Square in Spandau sollen nicht wie zunächst vorgesehen 2750 Wohnungen entstehen, sondern 3750. Das sagte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey am Dienstag nach der Senatssitzung, bei der die Landesregierung den neuen Rahmenplan für das Areal beschlossen hat.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Es geht um 76 Hektar zwischen Siemensdamm und der alten S-Bahnstrecke der Siemensbahn westlich der historischen Zentrale des nach dem Krieg nach München abgewanderten Weltkonzerns. 2018 hatte der damalige Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit Siemens die Entwicklung des untergenutzten Werksgeländes vereinbart. Das Projekt gilt seither als hochprioritär für die Wirtschaftspolitik der Stadt. „Wir stellen das Areal für die nächsten 100 Jahre neu auf“, sagte Giffey. Das Vorhaben erfahre eine „herausgehobene Betreuung“ der Behörden. Mit einer vorgesehenen Bruttogeschossfläche von 1,3 Millionen Quadratmetern sei der Siemensstadt Spare einer der größten Zukunftsorte der Stadt.

Nach wie vor ist in Siemensstadt ein Mix aus Industrie, Wohnen und Start-ups vorgesehen

Auf dem Gelände soll ein Mix aus Industrieflächen, Wohnen, Grünzügen, Büros und Räumen für Start-ups entstehen. Dass nun mehr Wohnungen entstehen sollen als noch 2021 vorgesehen, erklärte die Senatorin mit einem Rückgang des Bedarfs nach Büroflächen in der Stadt. Auf diese Entwicklungen habe man nun reagiert. Wichtig sei aber, dass fast die Hälfte der Gesamtflächen für Industrie reserviert bleibt.

Erste Gebäude sind schon in der Entstehung. Noch in diesem Jahr solle Richtfest für die ersten beiden Neubauten auf dem Innovationscampus gefeiert werden, hieß es. Dieser Begriff umfasst den östlichen Teil des Geländes am bis 2029 wiederbelebten S-Bahnhof Siemensstadt um den Altbau der Konzernzentrale. Mit der „eigentlichen Phase der Umsetzung“ sei man dann aber „in den 2030er-Jahren“, sagte Giffey: „Das wird in unterschiedlichen Etappen gehen.“

Senatorin Giffey klagt: Verfahren für solche großen Flächen dauerten derzeit halt so lange

Dass ein so wichtiges wirtschaftspolitisches und stadtentwicklungspolitisches Projekt so lange dauert, obwohl mit Siemens nur ein noch dazu solventer Grundstückseigentümer beteiligt ist, gefällt Giffey auch nicht wirklich. Aber die Rechtslage erlaubt kaum Beschleunigungen. „So wie im Moment die Planungs- und Genehmigungsverfahren für solche großen Areale sind, dauern die eben so lange“, sagte die Sozialdemokratin. Sie wünsche sich deshalb Verbesserungen und mehr digitalisierte Verfahren.