Die Reihe der As auf dem schwarzen Bus möchte gar nicht enden. Ein schlichtes „Ja“ zur Expo 2035 in Berlin reicht nicht. Es muss ein euphorisches „Jaaaaaaa“ sein, wenn es nach den Initiatoren des Projektes einer Weltausstellung in Berlin geht. Am Mittwoch präsentierte der Verein Global Goals im Kino International an der Karl-Marx-Allee seine Kampagne für ein Vorhaben, das bei aller Begeisterung der Beteiligten politisch noch einige Hürden zu nehmen hat. Denn bisher gibt es keinen Beschluss des Senats für eine Expo 2035.
Wir brauchen nur noch ein Ja, das des Regierenden Bürgermeisters.
Daniel-Jan Girl,, Expo-Mitinitiator und Ex-IHK-Präsident
Die 350 Besucher der Auftaktveranstaltung waren denn auch eingeladen, einen Brief an den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zu schreiben. „Wir brauchen nur noch ein Ja“, sagte der Expo-Mitinitiator, der frühere IHK-Präsident Daniel-Jan Girl, „das des Regierenden Bürgermeisters.“
Mit einem Brief soll Kai Wegner von den Vorzügen einer Expo überzeugt werden
Per Brief oder auch online sollten die Unterstützer dem Senatschef die Vorteile einer Weltausstellung vor Augen führen. Wer Ja sage zur „Zukunftschance Expo“, wolle auch, dass Berlin schneller und besser werde bei einer ganzen Reihe von Themen: sichere und saubere Kieze, konsequenter Klimaschutz, Geschlechtergerechtigkeit, funktionierende Mobilität und Infrastruktur, Weltoffenheit.
Die Briefschreiber hoffen, dass in Berlin mit der Expo vieles besser werde. Die Expo-Planung solle „uns den Mut geben, groß zu denken“. Er verstehe überhaupt nicht, wie man gegen eine Expo sein könne, sagte ein älterer Herr, der mit Schlips und Kragen aus dem sonst eher legeren Rahmen fiel.
Die Kampagne setzt auf Emotion: „Wollt ihr, dass Berlin wieder gute Laune hat?“ – „Jaaaa“
Girl und seine Mit-Vorständin bei Global Goals, Theresa Hümmer, gaben in grünen Kampagnen-T-Shirts vor dem riesigen Bildschirm des frisch modernisierten Kinos den Takt vor. „Wollt ihr, dass Berlin wieder gute Laune hat?“, riefen sie ins Dunkel des Saals. „Jaaaa.“ „Wollen wir das mit der Welt teilen?“ „Jaaaa.“

Die Briefe für die Expo lieferten die Aktivisten später am Roten Rathaus ab. Denn trotz der Begeisterung der Aktivisten und Unterstützer von der Hotelbranche über die Club Commission bis hin zu Kiezinitiativen und der IHK ist die Expo-Bewerbung der Hauptstadt keineswegs eine ausgemachte Sache.
Das Tegeler Flughafengelände ist weiterhin erste Wahl als Hauptstandort einer Expo
Der Regierende Bürgermeister hatte das Projekt zunächst abgelehnt, weil Berlin damit angeblich seine Chancen auf die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 schmälern würde. Dann wollte er, als gesichtswahrenden Exit, Brandenburg mit ins Boot holen. Die Expo-Macher stellten zwar am Mittwoch das Gelände des Flughafens Tegel als ihren „(vielleicht) Hauptstandort“ dar. Als Plan B gilt ein Gelände jenseits der Stadtgrenze am Flughafen BER.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) reagierte bislang eher verhalten auf den Vorstoß. Intern hat Wegner nach Informationen der Morgenpost ein Gespräch mit dem Kollegen am Donnerstag am Rande der Konferenz der Ost-Ministerpräsidenten avisiert. Einen echten Termin mit Woidke, bei dem die Initiatoren auch ihr Konzept für eine Berlin-Brandenburger Expo präsentieren könnten, gibt es aber offenbar bislang nicht.
Plan B in Schönefeld kommt nicht recht voran, Brandenburgs Ministerpräsident ist skeptisch
Wie zu hören ist, scheut Woidke angesichts des Spardrucks in seinem Haushalt und der hohen Vorfinanzierungskosten in Milliardenhöhe eine Beteiligung. Die Expo-Leute sagen jedoch, die Investitionen würden sich mit der Veranstaltung wieder einspielen lassen. In Senatskreisen ist die Rede davon, dass Finanzsenator Stefan Evers (CDU) diskret die Fühler in Richtung seines neuen Brandenburger Amtskollegen Daniel Keller (SPD) ausgestreckt habe. Auch dass Wegners frühere Digitalisierungs-Staatssekretärin Martina Klement nun in Potsdam Wirtschaftsministerin ist, sollte die Absprachen mit den Nachbarn erleichtern, hieß es.
Die Option des Hauptgeländes in Tegel wird von den Expo-Machern immer noch bevorzugt. Allerdings habe Girl mit seiner „Guerilla-Aktion“ bei der Immobilienmesse im südfranzösischen Cannes Sympathien der Tegel-Entwickler verspielt. Girl hatte beim Berliner Stand Flächen für die Expo angeboten, die die landeseigene Tegel-Projekt GmbH für den dort seit Jahrzehnten geplanten Technologie- und Gewerbepark offerierte.
Trump will eine Expo 2035 in Miami. Ob Kanzler Merz gegen die USA antreten will, ist offen
In den nächsten Wochen muss Berlin eine gemeinsame Haltung zur Expo entwickeln. Denn auch die Bundesregierung, die sich offiziell bei der internationalen Expo-Organisation in Paris bewerben muss, brauche noch Zeit zur Prüfung, heißt es. Zumal die Sache weltpolitisch heikel werden kann. Kein Geringerer als US-Präsident Donald Trump hatte eine Expo-Bewerbung Miamis angekündigt. Ob Kanzler Friedrich Merz (CDU) angesichts der Weltlage sich ausgerechnet in dieser Frage mit Trump anlegen möchte, ist keineswegs sicher.



