Jugendsenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat nachhaltige Konsequenzen aus dem mutmaßlichen Fall von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigung in einem Neuköllner Jugendclub angemahnt. „Die Grundlagen des Kinderschutzes und Rechtsgrundlagen wurden deutlich verletzt“, sagte die Senatorin am Donnerstag im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses. „Ich fordere die Bezirksstadträtin auf, die Leiterin des Jugendamtes und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung freizustellen, damit der Vorfall aufgearbeitet werden kann“, sagte Günther-Wünsch. Es gehe um zwei Mädchen aus einer Familie, 16 und 14 Jahre alt. Das jüngere wurde mit sexueller Gewalt bedroht, das ältere vergewaltigt. „Das Opfer kommt mir deutlich zu kurz“, sagte die Senatorin.

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In dem Jugendzentrum an der Wutzkyallee in Gropiusstadt soll die 16-Jährige von Jugendlichen Ende 2025 vergewaltigt und später bedrängt worden sein – die Polizei erfuhr davon erst am 23. Januar durch die Anzeige des Vaters. Weder die Einrichtung noch später das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln hatten zunächst Anzeige erstattet. Inzwischen ermitteln Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft Berlin zu dem Vorfall. Es liegen auch Anzeigen gegen Mitarbeitende des Bezirks vor.
Welche Rolle spielte die Herkunft des Täters?
Offen ist bislang, warum das Jugendamt keine Anzeige erstattete. Im Raum steht der Verdacht, der Vorfall sei von Betreuern offensichtlich nicht gemeldet worden, um die muslimischen Täter nicht zu stigmatisieren. Das hatte Stadträtin Sarah Nagel (Linke) zurückgewiesen: „Der Hintergrund der Täter spielte zu keinem Zeitpunkt eine Rolle für den Umgang mit den Vorfällen, wie dies in diversen Medienberichten behauptet wird.“ Laut ihrer Schilderung wurde die Betroffene „im gegenseitigen Einverständnis durch einen qualifizierten Träger der Mädchenarbeit betreut, der das Vertrauen des Opfers hat“. Der ganze Skandal kam erst durch die Mitarbeiterin eines nahe gelegenen Mädchentreffs ans Licht, die auch dafür sorgte, dass die Polizei eingeschaltet wurde.
Mitglieder des Ausschusses mahnten einen kritischen Blick auf Kinderschutzkonzepte und Regelungen in solchen Fällen an. Das sieht Senatorin Günther-Wünsch jedoch als nicht prioritär an: „Im Raum steht, dass bewusst Rechtsgrundlagen missachtet wurden“, sagte sie. Seit 2009 gebe es zum Kinderschutz eine Verordnung mit klaren Anweisungen, was in solchen Fällen passieren soll. Wenn sich Mitarbeitende aus der Jugendeinrichtung oder dem Jugendamt „bewusst gegen das Einleiten der Maßnahmen entscheiden, dann kann man nichts machen“, sagte die Senatorin.
Der CDU-Abgeordnete Lars Bocian sagte, es handele sich nicht um ein Versagen. „Es ist Vorsatz, dass hier eher Täterschutz als Opferschutz betrieben wurde“, sagte der Christdemokrat. Wenn Beschäftigte so handelten, sei eine Freistellung zu wenig. Diese Personen sollten nicht mehr in Jugendeinrichtungen arbeiten. Auch die zuständige Bezirksstadträtin Nagel solle zurücktreten. Nötig sei ein Untersuchungsausschuss in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln.
Sexuelle Gewalt schon vor einem Jahr Thema im Jugendclub
Jugendstaatssekretär Falko Liecke (CDU), einst selbst Bezirksstadtrat in Neukölln, berichtete, sein Haus habe einen Fragenkatalog an den Bezirk geschickt, ein weiterer werde folgen. Der Bezirk habe angekündigt, dass es eine Aufarbeitungskommission unter externer Beteiligung geben solle, aber nicht mehr. „Das sind alles Punkte, die irritieren mich stark“, sagte Liecke. Bisher gebe es aus Neukölln keine „Informationen über personalrechtliche Konsequenzen“. Die Senatorin sagte, derzeit seien alle Kolleginnen und Kollegen im Dienst. Die Verantwortung dafür liege bei der Bezirksstadträtin.
Günther-Wünschs Abteilungsleiterin Kerstin Stappenbeck sagte, man habe Kenntnis darüber, dass sexuelle Gewalt in dem Jugendclub schon 2025 ein Thema gewesen sei. Deswegen werde die Fach- und Dienstaufsicht über den Jugendclub überprüft.




