Der Berliner Jugendclub im Bezirk Neukölln, in dem es zu einer Vergewaltigung gekommen sein soll, bleibt vorerst geschlossen. Das teilte die Jugendbezirksstadträtin Sarah Nagel (Linke) am Montag in einer Pressemitteilung mit. Der Bezirk prüfe die Schutzkonzepte der Einrichtung sowie interne Strukturen und Abläufe – und will mit einer externen Stelle zusammenarbeiten.

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Die Jugendeinrichtung in der Wutzkyallee war in der vergangenen Woche in die Schlagzeilen geraten. Dort soll sich im November eine Vergewaltigung abgespielt haben. Außerdem hatten mehrere Mädchen bereits vor Monaten von sexuellen Übergriffen berichtet. Das zuständige Bezirksamt und das Jugendamt sollen die Polizei jedoch erst verspätet eingeschaltet haben.

Nagel: Es gab keinen Versuch, die Vorwürfe zu vertuschen

Nun teilte die zuständige Stadträtin in der Pressemitteilung mit: „Mir ist es ein persönliches Anliegen, die Vorfälle sexualisierter Gewalt und den Umgang damit sowohl transparent aufzuarbeiten als auch Konsequenzen daraus zu ziehen“, so Nagel. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe seien zahlreiche Unterlagen gesichtet und Gespräche mit Mitarbeitenden des Jugendamtes geführt worden. „Die Aufklärung der gesamten Vorgänge wird mit Einbindung externer Stellen weitergehen. Zur Aufarbeitung strebe ich eine Zusammenarbeit mit einem unabhängigen Akteur mit Fachexpertise an.“

Was allerdings stutzig macht: Das Jugendamt soll schon seit Monaten von den Vorfällen gewusst haben. Die Amtsleiterin soll am 28. Januar von den Vorfällen erfahren haben, die zuständige Stadträtin Sarah Nagel am 2. März. Warum wurde seitens des Amtes erst am 11. März – nach öffentlichem Bekanntwerden des Falls – Strafanzeige gestellt?

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„Das Jugendamt hat zunächst entschieden, nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn hierfür auch das Einverständnis des Opfers vorliegt“, erklärte Nagel das Verhalten in der Mitteilung. Das entspreche dem üblichen Vorgehen im Umgang mit Kindeswohlgefährdung bei Jugendlichen. Anders als in Medienberichten dargestellt, habe der Hintergrund der Täter zu keinem Zeitpunkt eine Rolle für den Umgang mit den Vorfällen gespielt, so Jugendstadträtin Nagel.

„Das Jugendamt hat zunächst entschieden, nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn hierfür auch das Einverständnis des Opfers vorliegt.“

Sarah Nagel (Linke), Jugendbezirksstadträtin

Es habe keinen Versuch gegeben, die Vorwürfe zu vertuschen: „Die Mitarbeitenden der Einrichtung sowie die zuständigen Mitarbeitenden im Jugendamt haben mehrfach über die Vorfälle in der Einrichtung und den richtigen Umgang damit gesprochen. Dabei wurden auch die Kinderschutzkoordination des Bezirksamtes sowie Einrichtungen zur Beratung im Umgang mit sexueller Gewalt einbezogen“, legt Nagel dar.

Kritik an dem Vorgehen der Stadträtin kommt auch vom Jugendhilfeausschuss Neuköllns

Das Statement der Jugendstadträtin werfe mehr Fragen auf, als es beantworte, und widerspreche zentralen Inhalten der Presseberichte, kritisiert Tjado Stemmermann (Grüne), jugendpolitischer Sprecher und Mitglied des Jugendhilfeausschusses des Bezirks. „Das ist kein Krisenmanagement, das ist Panikmodus“, so Stemmermann zur Berliner Morgenpost. „Völlig unklar bleibt weiterhin: Wieso wurde so lange nicht gehandelt? Wusste die Jugendstadträtin tatsächlich erst am 2. März von den Vorwürfen? Und warum wird jetzt erst begonnen, an einem Konzept für die Sensibilisierung von Mitarbeitenden zu arbeiten?“ Man erwarte „endlich schlüssige Antworten von Frau Nagel“. Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) wollte sich auch auf mehrfache Nachfrage nicht zu dem Fall äußern.

Die Berliner Polizei hat mittlerweile nach der mutmaßlichen Vergewaltigung der 16-Jährigen Ermittlungen aufgenommen. Gegen die Mitarbeiter des Jugendclubs sowie des Jugendamts liege eine Strafanzeige vor, sagte ein Sprecher der Polizei dem „Tagesspiegel“ am Freitag. „Wir prüfen, welche Ermittlungen gegen wen und wie viele Personen eingeleitet werden“, sagte er der Zeitung.

Trotz der Vorwürfe, dass es in dem Jugendzentrum zu sexuellen Übergriffen und einer Vergewaltigung gekommen sein soll, sollen das Jugendamt und der Jugendclub die Polizei nicht eingeschaltet haben. Das Jugendzentrum wird vom Bezirksamt Neukölln betrieben. Wie der „Tagesspiegel“ erfahren haben will, habe es eine interne Sprachregelung gegeben, dass die jungen arabischstämmigen Verdächtigen ansonsten stigmatisiert werden würden.

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Wegner übt Kritik an Jugendamt und Jugendclub-Betreiber: „Muss Konsequenzen geben“

Die Polizei ermittle laut der Zeitung gegen acht Jugendliche im Alter zwischen 15 und 19 Jahren. Einige sollen der Polizei bereits bekannt gewesen sein. „Wenn es sich bewahrheitet, dass die Vergewaltigung einer 16-Jährigen aus falsch verstandener kultureller Toleranz oder aus parteipolitischer Taktik bewusst vertuscht wurde, muss es Konsequenzen geben“, hatte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Freitag über den Kurznachrichtendienst X mitgeteilt.

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Menschen, die so eine Tat decken, „haben in einem öffentlichen Amt nichts verloren“, so Wegner. „Die Vorgänge in Neukölln müssen vollständig aufgeklärt werden. Es gibt keinen kulturellen Rabatt für Straftäter. Der Schutz der jungen Frau hat jetzt oberste Priorität“, schrieb Wegner weiter.

Auch der Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Ali Ertan Toprak, zeigte sich entsetzt: „Wenn sich bestätigt, dass Mitarbeiter einer Jugendeinrichtung eher darum bemüht waren, die Täter zu schützen als das Opfer, dann wäre das ein erschütternder Skandal.“ Nach Informationen des „Tagesspiegel“ soll dem Jugendamt bereits seit Spätsommer 2025 bekannt gewesen sein, dass mehrere Mädchen von sexuellen Übergriffen berichtet hatten.