Rückblickend, sagt meine Bekannte, habe tatsächlich vieles auch gut funktioniert. Und in der ganzen Geschichte sei natürlich klar, „dass ich die erste war, die sich dumm verhalten hat“. Aber nach dem Diebstahl selbst seien viele Fehler passiert bei Verantwortlichen. Bei Leuten, die Diebstahlopfern wie meiner Bekannten eigentlich helfen sollten. „Vielleicht bin ich einfach an ungewöhnlich viele Menschen geraten, die leider auch nicht schlauer waren als ich.“

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In der Folge entwickelte sich aus einem „einfachen“ Handtaschendiebstahl eine ganze Kette von Betrügereien, die wochenlang andauerten und meine Freundin an den Rand der Verzweiflung brachten. Alle 45 Minuten, so hieß es 2022 in der Polizeistatistik, werde in Berlin eine Tasche gestohlen. Bevorzugter Ort neben dem ÖPNV: Supermärkte. Die Täter sind oft organisierte Banden. Aufgeklärt werden die wenigsten Fälle. Auch dieser nicht.
Beim Einkaufen an einem Sommermorgen hatte meine Bekannte ihre Tasche samt Portemonnaie in den Einkaufswagen gelegt. „Auf den Kindersitz, damit ich sie im Blick hatte, wie ich meinte“, sagt sie. „Ich weiß, das war dumm.“ Als sie sich zu einem Regal umdrehte, war die Tasche weg.
Die Diebe hoben deutschlandweit Geld ab
Als Erstes sprach sie damals den Sicherheitsdienst des Marktes an. Waren die Diebe noch im Geschäft? Die Filiale liegt in einem Bezirk, wo die Kriminalität hoch ist. Die Sicherheitsleute verwiesen sie aber nur auf die Polizei. Nur die könne anordnen, die Überwachungsvideos auszuwerten. In der Polizeidienststelle wiederum stieß die bestohlene Frau auf wenig Fachkompetenz. Für die Videos sei man nicht zuständig. „Und hätte ich damals selbst schon gewusst, wie man Kredit- und Girokarten vollständig sperrt, wäre mir vieles erspart geblieben“, sagt sie. Denn von der Polizei vor Ort erfuhr sie es nicht.
Auch bei ihrer Bank war man ratlos. Heute weiß meine Bekannte: „Es reicht nicht, bei Diebstahl oder Verlust die Karte nur über die zentrale Nummer 116116 sperren zu lassen. Man braucht die Kartenfolgenummer der Kreditkarte und sollte zudem die Giro- und Debitkarte über das Kuno-System der Polizei sperren lassen.“
Eigentlich sind diese Systeme dazu da, Opfern von Diebesbanden schnell zu helfen. Meine Bekannte jedoch war irgendwann kurz vor dem Verzweifeln. Weil ihre Girokarte nicht richtig gesperrt war, gingen die Diebe damit weiter einkaufen. Sie hoben deutschlandweit Geld ab. „Das bekam ich zwar alles schnell wieder, weil es über das Lastschriftverfahren lief“, sagt sie.
Inkassounternehmen, die Kontakt aufnehmen wie Spione
Doch dann meldeten sich Inkassounternehmen. Wegen der vielen Rückbuchungen. Dies allerdings auf so seltsame Art, dass meine Bekannte zuerst an weitere Betrüger dachte. „Auf meinem Konto wurde ein einzelner Cent gutgeschrieben. Darunter stand: ‚Bitte dringend melden‘.“ Warum dieses Verfahren, das eher an Kontaktaufnahme unter Spionen erinnert? „Vielleicht, weil es billiger ist als Briefporto?“, sagt sie. „Ich weiß es nicht.“
Die Diebe machten immer weiter Einkäufe auf ihre Kosten. „Nach der Kartensperrung erstellten sie mithilfe meiner Dokumente Kundenkarten einer Supermarktkette und hoben Bargeld ab.“ Allein bei dieser Kette jemanden zu erreichen, um den Betrug zu unterbinden, habe viel Aufwand gekostet, sagt sie. Auch hier war sie offensichtlich nicht das erste Opfer. Und das Interesse hielt sich in Grenzen, ihr zu helfen und die Täter zur Strecke zu bringen. Der Fall ist bis heute nicht gelöst.
Es war nicht nur der materielle Verlust, der sie getroffen hat, sagt meine Bekannte, und der Übergriff fremder Menschen auf ihr persönliches Leben, Geld, Papiere, Identität. Sondern Desinteresse und Uninformiertheit bei jenen, deren Aufgabe eigentlich die Aufklärung gewesen wäre. So waren die Videobänder im Supermarkt längst gelöscht, als die Polizei endlich den Auftrag gab, sie zu sichern. Auf der Wache habe man ihr den lakonischen Rat gegeben, künftig bei einer anderen Supermarktkette einzukaufen. Dort würden die Videos länger aufbewahrt.
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Diese Tricks nutzen Taschendiebe
Die Berliner Polizei warnt vor organisierten Banden, die meist arbeitsteilig vorgehen. Dies sind die häufigsten Tricks.
- Abdeck-Trick Die Täter suchen Gasträume von Gastronomiebetrieben auf und treten an die an Tischen sitzenden Gäste heran, die ihr Handy oder die Geldbörse vor sich auf dem Tisch abgelegt haben. Mit einer/einem über den Wertgegenstand gehaltenen Spendenliste/Stadtplan oder Bettelzettel, bitten sie die Gäste um eine Spende und entwenden dabei den auf dem Tisch liegenden Wertgegenstand.
- Antanz-Trick Der Täter geht spontan auf sein Opfer zu und beginnt vor und mit ihm zu tanzen. Den dabei entstehenden Körperkontakt nutzt der Dieb, um Wertgegenstände zu entwenden.
- Begrüßungs- und Umarmungs- Trick Der Täter geht spontan auf sein Opfer zu, begrüßt und umarmt es freudig. Dabei ertastet der Dieb zeitgleich die Lage der Wertgegenstände in der Bekleidung des Opfers und nutzt die körperliche Nähe, um diese zu entwenden.
- Beschmutzer-Trick Der Dieb oder sein Mittäter beschmutzt sein Opfer gezielt mit z.B. Senf oder Ketchup und ist in der weiteren Folge bei der Reinigung der Bekleidung behilflich. So hat er die Gelegenheit, Taschen nach Wertgegenständen abzutasten und diese zu entwenden.
- Bettel-Trick Kinder halten Ihnen in Lokalen ein Schild vor oder tollen auf der Straße um Sie herum, während eines die Ablenkung ausnutzt, um nach der auf dem Tisch liegenden Geldbörse oder in die Handtasche zu greifen.
- Blockier-Trick Der Täter geht vor dem Opfer und verlangsamt seinen Gang oder bleibt unvermittelt stehen. Ein zweiter Täter geht hinter dem Opfer, läuft auf dieses auf und nutzt den entstandenen Körperkontakt, um Wertgegenstände aus der Kleidung oder mitgeführten Behältnissen des Opfers zu entwenden.
- Blumen-Trick Ein Fremder begrüßt Sie freundschaftlich, umarmt Sie, steckt Ihnen eine Blume an und entwendet derweil Ihr Portemonnaie.
- Drängel-Trick Der Täter bedrängt sein Opfer von hinten bzw. seitlich oder das Opfer wird von mehreren Tätern in die Zange genommen. Durch den Körperkontakt begünstigt, können Täter nun Wertgegenstände aus den Taschen des Opfers entwenden.
- Geldwechsel-Trick Der Täter bittet sein Opfer, eine Geldmünze zu wechseln. Dieses sucht hilfsbereit in der Geldbörse nach Wechselgeld. Dabei entwendet der Dieb unbemerkt Geldscheine aus dem Geldscheinfach der Börse.
- Handydiebstahl – Trick In der Regel benutzen der oder die Täter einen bestimmten Gegenstand, um Sie abzulenken und dabei Ihr auf dem Tisch liegendes Handy/Smartphone abzudecken, um es unbemerkt entwenden zu können.
- Hochhebe-Trick Der Täter hebt sein Opfer spontan an, um dessen Gewicht abzuschätzen. Dabei entwendet der Dieb die Wertsachen aus den Gesäßtaschen.
- Hotel-Trick Diebe begeben sich in Hotelrestaurants und entwenden Wertgegenstände oder Handtaschen von Hotelgästen, die ihre Behältnisse während ihres Ganges zum Frühstücksbuffet am Tisch zurückgelassen haben. Darüber hinaus entwenden „Hoteltäter“ auch abgestellte Handgepäckstücke von Hotelgästen in Empfangs- und Lobbybereichen.
- Nachläufer-Trick Der Täter beobachtet das spätere Opfer bereits im Geldinstitut am Geldautomaten und erspäht die Geheimnummer der Geldkarte. Er oder ein Mittäter entwenden dann das abgehobene Bargeld und die Geldkarte, um im Anschluss weitere, unberechtigte Verfügungen am Geldautomaten durchzuführen.
- Rempel-Trick Sie werden im Gedränge angerempelt, auf (Roll-)Treppen von den Tätern in die Zange genommen oder beim Ein- und Aussteigen auflaufen gelassen und bestohlen.
- Restaurant-Trick Der Taschendieb setzt sich an einen Tisch und platziert seinen Stuhl direkt hinter einem Stuhl, über dessen Stuhllehne Jacke oder Handtasche eines Restaurantbesuchers gehängt wurde, sodass er durch seine eigene, über die Stuhllehne gehängte Jacke, in die Taschen der Jacke oder in die Tasche des Opfers greifen und Wertgegenstände entwenden kann.
- Rolltreppen-Trick Der Täter betätigt die Notstoppeinrichtung an einer Rolltreppe, sodass diese plötzlich stehen bleibt. Die Irritation nutzend, drängt sich der zweite und/oder dritte Täter von hinten an die Rolltreppennutzer heran oder vorbei. Dabei werden diese bestohlen.
- Schlüsseldiebstahl-Trick Dies wird überwiegend in bürgerlichen Wohngegenden angewandt. Während ein Täter vom Opfer unbemerkt die Wohnungsschlüssel entwendet, begibt sich ein zweiter Täter mit dem Schlüssel in die Wohnung des Opfers und entwendet dort Bargeld und Wertgegenstände. Der Wohnungsschlüssel wird dann vom Täter dem Opfer wieder zugespielt oder am Tatort hinterlassen.
- Schmuck-Trick Es handelt sich um einen Trick, in dessen Verlauf der Täter den echten, am Körper getragenen Goldschmuck seines Opfers gegen unechten Schmuck austauscht. Dabei treten die Täter an ihr Opfer heran und bitten um eine Auskunft (z.B. Frage nach dem Weg zum nächsten Krankenhaus). Zum Dank dafür legt der Täter dem Opfer eine Kette um den Hals oder um das Handgelenk. Gleichzeitig löst er den echten Schmuck des Opfers. Oft wird der Diebstahl der echten Schmuckstücke vom Opfer erst später bemerkt.
- Spendenlisten-Trick Es handelt sich um eine spezielle Art des Abdeck-Tricks. Die Täter gehen dabei offen vor und treten an Passanten unter Vorhalten einer Spendenliste für eine fiktive, wohltätige Organisation heran. Dabei gehen die Täter meist aufdringlich vor und verdecken dem Opfer mit der Spendenliste bewusst die Sicht auf seine, am Körper getragenen Wertgegenstände. Selbst nach einer möglichen Geldspende treten die Täter danach noch einmal an den Spendenden heran, um die Börse oder das Handy aus der Oberbekleidung oder Handtasche zu stehlen.
- Sport- und Fußball-Trick Der Täter spricht sein Opfer zu einem sportlichen Themenfeld an und zeigt ihm unaufgefordert typische Kampfsport- oder Fußballtricks. Dabei sucht er die körperliche Nähe und berührt sein Opfer absichtlich, indem er mit seinen Beinen zwischen dessen Beinen agiert oder sich mit seinen Beinen in dessen Beinen einhakt. Den Moment der Ablenkung nutzt der Dieb, um Wertgegenstände zu entwenden.
- Stadtplan-Trick Der Täter befragt sein Opfer unter Vorhalten eines Stadtplans nach dem Weg. Während der Befragte auf den Stadtplan schaut und Auskunft gibt, wird er bestohlen.
- Stau-Trick bei Autofahrern: Täter treten mit einem Stadtplan oder einer U-Bahnkarte meist an die Beifahrerseite von Fahrzeugen heran, die im Stau stehen oder an einer roten Ampel halten müssen. Während der Fahrzeugführer das Fenster öffnet, beugt sich der Täter in den Fahrgastraum und verdeckt mit dem Plan abgelegte Wertgegenstände auf dem Beifahrersitz oder der Mittelkonsole. Dabei entwendet der Täter die unter dem Plan befindlichen Wertsachen.
- Supermarkt-Trick Taschendiebe begeben sich in Supermärkte und selektieren dort unauffällig Kunden, deren Tasche im Einkaufswagen liegt oder daran befestigt ist. In einem günstigen Moment greift der Täter in die Tasche und entwendet die Geldbörse oder ein zweiter Täter spricht das Opfer an und bittet um Hilfe bei der Suche nach einer bestimmten Ware. Dadurch wird das Opfer abgelenkt. Der zweite Täter kann unbemerkt die Börse aus der Tasche entwenden. Der Diebstahl wird dann oft erst an der Kasse bemerkt.
- Taschenträger-Trick Der Täter bietet den späteren Opfern, die meist vom Einkaufen nach Hause kommen, höflich an, beim Tragen der Einkaufstaschen behilflich zu sein. Bereitwillig überlässt das Opfer dem Dieb die Taschen, in denen sich oft auch die Geldbörse befindet. Dieser trägt die Taschen bis vor die gewünschte Wohnungstür und entwendet die Geldbörse.
- Quelle und weitere Informationen: https://www.berlin.de/polizei/aufgaben/praevention/diebstahl-und-einbruch/artikel.119058.php







