Kriminalität

Berlin: Nicht einmal die Hälfte der Straftaten aufgeklärt

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Besonders Taschendiebstähle werden in Berlin kaum aufgeklärt.

Besonders Taschendiebstähle werden in Berlin kaum aufgeklärt.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Weniger als die Hälfte aller Straftaten in Berlin wird aufgeklärt. Vor allem Fahrrad- und Taschendiebe haben leichtes Spiel.

Berlin. In Berlin wird weiter weniger als die Hälfte aller Straftaten aufgeklärt. Von den insgesamt 482.127 Taten im Jahr 2021 konnte laut der jüngst veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) in gerade einmal 218.621 ein Täter oder eine Täterin identifiziert werden. Damit kann die Berliner Polizei zwar die zweithöchste Aufklärungsquote der vergangenen zehn Jahre verzeichnen. Sie liegt dennoch gerade einmal 45,3 Prozent.

Und tatsächlich offenbart die PKS gravierende Unterschiede hinsichtlich der einzelnen Deliktfelder. Bei Gewaltverbrechen ist die Aufklärungsquote relativ hoch. Von den insgesamt 100 Fällen von Mord und Totschlag, wozu die Polizei auch versuchte Taten zählt, wurden 96 aufgeklärt. Bei den angezeigten Körperverletzungen waren es 81,3 und bei den Sexualstraftaten immerhin 70,6 Prozent.

Die Straftaten mit niedrigen Aufklärungsquoten fallen in der Statistik deutlich stärker ins Gewicht, weil sie schlicht häufiger vorkommen. So stehen 100 Tötungs- und 6650 Sexualdelikte (davon aufgeklärt: 4693) sowie 39.318 Körperverletzungen (davon aufgeklärt: 31.970) insgesamt 179.455 Fälle von Diebstahl entgegen. Und davon konnten gerade einmal 39.030 Fälle aufgeklärt werden, was einer Quote von 21,7 Prozent entspricht.

Polizei Berlin: Nur 21,7 Prozent aller Diebstähle werden aufgeklärt

Zwar ist beim Diebstahl ein allgemeiner und bei einigen Bereichen davon ein besonders starker Rückgang der Fälle zu verzeichnen. Der Anteil der aufgeklärten Taten sinkt jedoch meist mit. „Der Rückgang der Kriminalität in Pandemiezeiten war erwartbar, das Absinken der Aufklärungsquote dagegen ist katastrophal“, kommentiert der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Frank Balzer, diese Entwicklung. Vertrauen in Polizei und Rechtsstaat würden belastet und das Sicherheitsempfinden der Berlinerinnen und Berliner nehme ab.

Besonders deutlich wird das beim Fahrraddiebstahl, wo die Quote mit Abstand am schlechtesten ist. Von den 31.534 im Jahr 2021 erfassten Fällen wurden gerade einmal 1515 aufgeklärt, was einer mageren Quote von gerade einmal 4,6 Prozent entspricht. Auch Taschendiebe leben in Berlin weitgehend sicher. Von den 13.700 erfassten Fällen wurden gerade einmal in 957 beziehungsweise 7 Prozent ein Täter gestellt. Ähnlich ist es beim Wohnraumeinbruch (9,6 Prozent) oder beim Kfz-Diebstahl (11,9 Prozent).

Grund dafür sind laut Polizeipräsidentin Barbara Slowik vor allem die Delikte, die im Schatten der Hauptstadt und in ihrer Anonymität verübt würden. „In der größten Stadt Deutschlands wird eher ein Taschendiebstahl verübt, als auf einer grünen Wiese im Flächenstaat“, sagte die Behördenchefin der Berliner Morgenpost. Die urbane Struktur, die Möglichkeiten zur Flucht und die „Deckungsmasse von fast 3,8 Millionen Menschen“ erschwere die Aufklärung.

Slowik: Mehr Personal, um Delikte zu reduzieren

„Außerdem spielt unsere geografische Lage eine Rolle“, so Slowik weiter. Berlin liegt vergleichsweise grenznah, was etwa in Bereichen wie dem Kfz-Diebstahl eine große Rolle spielt.“ Gerade bei Eigentumsdelikten ist die Zahl der sogenannten „reisenden Tatverdächtigen“ in der Regel relativ hoch und schwankte etwa beim Autodiebstahl in den vergangenen zwei Jahren um die 40 und beim Taschendiebstahl um die 60 Prozent. Dabei handelt es sich um Personen, die nicht in Deutschland wohnhaft sind, sondern nur kommen, um Straftaten zu verüben.

„Natürlich ist auch der Personalkörper bei der Bekämpfung von Straftaten ausschlaggebend“, so Slowik weiter. „Die Stadt wächst und wir müssen es wie in den vergangenen Jahren mit ihr tun.“ Letztlich brauche es mehr Personal, um „auch diese Delikte stärker reduzieren“.