Die Berliner Spree ist in weiten Teilen nahezu vollständig mit Plastikabfällen belastet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Demnach bestehen rund 96 Prozent des erfassten Mülls in den untersuchten Flussabschnitten und an ihren Ufern aus Kunststoff. Andere Materialien wie Glas, Papier oder Metall spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Für die Studie analysierte ein Forschungsteam im November und Dezember 2021 die Müllverteilung an insgesamt 27 Brücken über Spree, Havel, Teltow- und Landwehrkanal sowie am Westhafen. Untersucht wurde eine Fläche von 20.250 Quadratmetern. In der Nähe jeder Brücke wählten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler drei jeweils 50 Meter lange und fünf Meter breite Abschnitte aus, sammelten dort Abfälle und werteten sie im Labor aus.
Auch interessant
„Erstaunt“ über extrem hohen Plastikanteil in der Spree
Das Ergebnis überraschte selbst die Beteiligten. „Wir haben mit viel Plastik gerechnet, aber wir waren doch erstaunt, dass Plastik einen so hohen Anteil an der Gewässerverschmutzung durch Müll ausmacht“, sagte IGB-Forscherin Oleksandra Shumilova. Nur etwa vier Prozent der Funde entfielen demnach auf andere Materialien wie Glas, Papier, Aluminium oder weitere Metalle.
Im Durchschnitt registrierte das Team zwei größere Plastikteile pro zehn Quadratmeter. Besonders häufig fanden sich Lebensmittelverpackungen – sie machen rund ein Drittel des Plastikmülls aus – sowie Zigarettenfilter.
Auch interessant
Martin Blettler, Erstautor der Studie, weist darauf hin, dass die gemessenen Werte womöglich noch nicht einmal das Maximum darstellen. „Sicher hätten wir im Sommer mehr Plastik gefunden als im November und Dezember“, sagte er. Auch die pandemiebedingten Einschränkungen im Jahr 2021 könnten die Müllmenge verringert haben.
An diesen Brücken sammelt sich besonders viel Abfall
Die Belastung variiert entlang der Gewässer deutlich. Besonders hohe Müllkonzentrationen stellten die Forschenden an der Moabiter Brücke fest, gefolgt von der Mörschbrücke, der Weidendammer Brücke, dem Hiroshimasteg und der Juliusturmbrücke. Die Oberbaumbrücke rangiert in der Untersuchung auf Platz zehn.
Wie der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt berichtet, sind täglich mehrere Reinigungsschiffe und -fahrzeuge im Einsatz, um Berlins Gewässer von Abfällen zu befreien. Jährlich würden rund 400 Tonnen Müll entfernt – Kostenpunkt etwa zwei Millionen Euro. Dennoch bleibe die Vermüllung „ein stetiges Problem“.







