Die meisten Menschen geben sich den überfüllten Fahrstühlen geschlagen. Lieber ziehen sie ihre schweren Koffer Stufe für Stufe hinunter in die unteren Ebenen des Berliner Hauptbahnhofs. Seit Mittwoch (18. Februar) stehen dort 42 von 54 Rolltreppen still – betroffen sind gleich vier Etagen. Nur zur obersten Ebene, wo die S-Bahn fährt, laufen die Förderbänder noch. Wer jedoch mit schweren Taschen nach unten zu den Fernzügen will, muss Zeit mitbringen.

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Grund für den Stillstand ist ein technischer Defekt an einem bestimmten Anlagentyp, erklärte Katja Hüske, Chefin der Personenbahnhöfe bei der Bahn, am Donnerstag. Zwei Rolltreppen desselben Typs seien mitten im Betrieb abrupt stehen geblieben. Laut der Bundespolizei fuhr eine kurzzeitig rückwärts. Nun würden Mitarbeiter der Bahn und des Herstellers Kone die Ursachen untersuchen.

Doch Hüske dämpfte die Erwartungen: Bis alle Rolltreppen wieder in Betrieb sind, dürfte es noch dauern. Am Samstag sollen die ersten Anlagen am Hauptbahnhof wieder in Betrieb gehen. Wie viele genau hänge vom Fortschritt der Prüfungen und der Arbeiten an den Rolltreppen ab, teilte die Bahn mit. „Ziel ist es, sämtliche Rolltreppen so schnell wie möglich wieder in Gang zu setzen.“ Auch am Bahnhof Südkreuz sind aktuell zehn Fahrtreppen außer Betrieb. Wie sehr beeinträchtigt das die Fahrgäste vor Ort?

Berlin: Fahrstühle am Hauptbahnhof defekt – Fahrgäste wenig frustriert

Am Hauptbahnhof steht Fabian Rößner vor einem der gläsernen Aufzüge. Minutenlang tut sich nichts, der Fahrstuhl hält einfach nicht auf seiner Etage. Selbst wenn der Aufzug gleich käme – Platz wäre ohnehin keiner. „Ich verpasse gleich meinen Zug“, sagt der Mann verärgert. Das Problem regt ihn besonders auf, da er alltäglich mit defekten, überfüllten und langsamen Aufzügen konfrontiert sei: „Ich habe einen 15 Monate alten Sohn. Ich erlebe täglich diese Probleme“, erklärt er. „Der Ausfall wäre allein kein Problem, aber es addiert sich. Das ist wieder so ein typisches Berlin-Problem“, findet er. 

Das ist wieder so ein typisches Berlin-Problem.

Fabian Rößner,, Reisender

Mit rund 330.000 Reisenden und Besuchern täglich gilt der Berliner Hauptbahnhof als einer der verkehrsreichsten Bahnhöfe Deutschlands. Der Bahn ist bewusst, dass die aktuellen Störungen vielen das Reisen deutlich erschwert. „Wir bedauern extrem die Unannehmlichkeiten für alle Reisenden und haben deswegen hier im Bahnhof für Unterstützung gesorgt“, sagte Katja Hüske. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen vor Ort als Ansprechpartner bereitstehen.

Rolltreppen an Berliner Bahnhöfen außer Betrieb
42 von 54 Rolltreppen stehen am Hauptbahnhof Berlin still. © FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Reisende reagieren gelassen auf Fahrstuhlausfall am Berliner Hauptbahnhof

Im Gegensatz zu Fabian Rößner nehmen viele Reisende den Ausfall gelassen. So etwa eine 51-jährige Kölnerin und ein 42-jähriger Krefelder, die ebenfalls auf einen freien Platz im Fahrstuhl warten. „Das ist ein technischer Defekt. Das dauert halt, kann man nichts machen“, sagt der 42-Jährige geduldig. Seine Begleiterin meint: „Man sollte immer etwas mehr Zeit einplanen, wenn man mit dem Zug fährt.“ Beide nehmen es mit Humor: „Dann warten wir eben fünf Minuten länger auf den Fahrstuhl – na und?“

Dann warten wir eben fünf Minuten länger auf den Fahrstuhl – na und?

 51-jährige Kölnerin und 42-jähriger Krefelder

Auch vor den anderen Aufzügen im Berliner Hauptbahnhof bilden sich Warteschlangen, wenn auch nur kurze. In einer steht Familie Reis aus Brasilien. Vater Gilbert muss heute nicht nur seinen 120-Liter-Koffer tragen, sondern auch den seines zwölfjährigen Sohnes. „Ja, es ist anstrengend“, sagt er und lächelt. „Aber jetzt mal ehrlich: Es gibt viel größere Probleme als ein paar Rolltreppen, die nicht funktionieren“, relativiert Reis den Ausfall.

Ähnlich sehen das Ana Santiago und ihr Partner. Beide schieben Kinderwagen und wirken erstaunlich unbeeindruckt. „Das ist schon okay und gehört zum Leben dazu. Nicht immer kann alles perfekt funktionieren, oder?“ fragt die 38-jährige Frau und nickt fast entschuldigend.

Rolltreppen-Ausfall am Hauptbahnhof Berlin
Ana Santiago und ihr Partner müssen mit zwei Kinderwagen durch den Berliner Hauptbahnhof kommen. Wegen des Rolltreppen-Ausfalls sind die Fahrstühle besonders voll.© Berliner Morgenpost | Zoe Bigall

Rolltreppen-Ausfall am Hauptbahnhof Berlin: Bahn sucht weiter nach Lösung

Sogar Marion Geiger, die rechts die Hand ihres vierjährigen Sohnes hält und links einen Reisekoffer die Stufen hinunter schleppen muss, ist nicht aufgebracht. Hinter ihr kommt noch ihre neunjährige Tochter gestolpert. „Natürlich ist es stressig“, sagt die 39-Jährige, „aber das ist jede Reise mit zwei Kindern.“ Deshalb ist sie ohnehin früher am Bahnhof angekommen und durch den Ausfall nicht mehr als sonst gestresst.

Die ersten Rolltreppen sollen ab Samstag, 21. Februar, wieder laufen. Am Berliner Hauptbahnhof klagen die Fahrgäste aber bisher wenig über den Ausfall: Viele nehmen resigniert die Treppe, beschweren sich nicht, schnaufen nur kurz – und verschwinden wenig später Richtung Gleis. Man arrangiert sich eben.