Wer zurzeit am Berliner Hauptbahnhof mit einem Koffer unterwegs ist, für den heißt es: das Gepäck die Treppe hoch- oder herunterzuschleppen. Oder auf einen der Aufzüge zu warten. Denn 52 von 54 Rolltreppen an der Station stehen seit Mittwoch still. Auch am Bahnhof Südkreuz sind zehn Fahrtreppen außer Betrieb. Die Bahn hat die Anlagen vorsorglich gesperrt. „Sicherheit geht vor“, sagte Katja Hüske, Chefin der Personenbahnhöfe bei der Bahn, am Donnerstag.

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Grund für den Stillstand ist ein Defekt an einem bestimmten Anlagentyp, wie Hüske erklärte. Zwei Rolltreppen dieses Typs seien mitten im Betrieb abrupt stehen geblieben. Mitarbeiter der Bahn und des Herstellers Kone seien dabei, die Ursachen zu ergründen.

Rolltreppen an Berliner Bahnhöfen außer Betrieb
52 Rolltreppen sind gesperrt. „Wir bedauern extrem die Unannehmlichkeiten“, sagte DB-Vorständin Katja Hüske am Donnerstagmittag.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Wann die Rolltreppen wieder angeschaltet werden, blieb offen. Die Bahn will sich bis Freitagabend ein Lagebild verschaffen und erst dann einen konkreten Zeitplan vorstellen. „Wir müssen erst wissen, was die Ursachen dafür sind und ob das wirklich alle Fahrtreppen betrifft“, sagte Hüske. „Wir müssen sicherstellen, dass keinerlei Risiken für unsere Fahrgäste bestehen, bevor wir die Fahrtreppen wieder in Betrieb nehmen“, fügte sie hinzu.

Rolltreppen-Stopp: Ansprechpartner für Reisende am Hauptbahnhof und Südkreuz

Dass der Ausfall das Reisen für viele Menschen erschwert, ist der Bahn bewusst. „Wir bedauern extrem die Unannehmlichkeiten für alle Reisenden und haben deswegen hier im Bahnhof für Unterstützung gesorgt“, sagte Hüske. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stünden in den Bahnhöfen als Ansprechpartner bereit, um Reisenden weiterzuhelfen. Hüske räumte allerdings ein, dass der Einsatz der zusätzlichen Mitarbeitenden erst langsam anlaufe. Reisende werden gebeten, mehr Umstiegszeit einzuplanen und die Aufzüge vorrangig mobilitätseingeschränkten Fahrgästen zu überlassen.

Rolltreppen an Berliner Bahnhöfen außer Betrieb
Reisende schleppen ihr Gepäck über die Treppen des Berliner Hauptbahnhofs.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Insbesondere am Hauptbahnhof, wo Ankunft, Bahnverkehr und Einzelhandel auf vier Ebenen angelegt sind, sind die Einschränkungen für mobilitätseingeschränkte Menschen erheblich. Aufzüge gibt es zwar, doch sie gelten aufgrund der vielen Ebenen als äußerst langsam. Zudem sind wegen des zu erwartenden höheren Andrangs längere Wartezeiten zu befürchten. Der Berliner Hauptbahnhof gehört mit rund 330.000 Reisenden und Besuchern pro Tag zu den am stärksten frequentierten Bahnhöfen Deutschlands.

Während die Bahn berichtete, dass die Rolltreppen abrupt stehen geblieben seien, schilderten Zeugen der „B.Z.“ noch eine andere Beobachtung. Demnach hätte eine Rolltreppe im Untergeschoss des Hauptbahnhofs plötzlich in den Umkehrschub geschaltet. Sie sei vorwärts- statt rückwärtsgefahren. In der Folge sei es am Fuß der rückwärtsfahrenden Rolltreppe dann zu Stau, Gedränge und Stürzen gekommen.

Ein Sprecher der Bundespolizei bestätigte der Zeitung, dass Beamte einer Streife am Sonntagmorgen auf den Vorfall angesprochen worden seien. „Eine Frau klagte über Knieschmerzen, weil sie an der rückwärtsfahrenden Rolltreppe hingefallen sei.“ Eine ärztliche Behandlung war offenbar nicht nötig. Die Bahn bestätigte, dass im Zusammenhang mit dem Vorfall eine Anzeige vorliege. „Es liegt uns eine Anzeige vor, die wir im Moment untersuchen“, sagte Hüske. Zu weiteren Details äußerte sie sich nicht.