Der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg könnte in wenigen Jahren ein Absturz drohen. Rund ein Viertel der Unternehmen möchte schließen, weil die Unternehmer keine geeigneten Nachfolger finden. Das hat die Konjunktur-Umfrage der vier regionalen Industrie- und Handelskammern (IHK) ergeben.

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In Berlin ist die Zahl etwas geringer als in Brandenburg. Aber auch in der Hauptstadt rechnen 22,6 Prozent der Unternehmer damit, die Aktivitäten aufgeben zu müssen, wenn sie altersbedingt ausscheiden. Die Schließungsbereitschaft ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. 2022 hatten in der Hauptstadt nur knapp 15 Prozent der Befragten angegeben, wegen fehlender Nachfolger dichtmachen zu wollen.

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„Das ist ein großes wirtschaftliches Risiko“, sagte Christian Herzog, der Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam. Allein im Kammerbezirk Potsdam seien wegen der Schließungspläne mehr als 150.000 Arbeitsplätze in Gefahr. „Sie können gar nicht so viel neu ansiedeln, wie man durch Schließungen verliert“, warnte Herzog.

In fast jedem vierten Berliner Unternehmen steht die Nachfolge in den nächsten fünf Jahren an

In Berlin sei die Lage genauso, bestätigte seine Berliner Kollegin Manja Schreiner. „Die Demografie trifft uns hart“, sagte die IHK-Chefin: „Das Nachfolgethema pressiert.“ In fast jedem vierten der mehr als 300.000 Berliner Unternehmen steht in den nächsten fünf Jahren eine Nachfolge an, jedes sechste muss binnen eines Jahrzehnts eine Lösung finden. Für ein gutes Viertel der Befragten ist klar, dass ein Familienmitglied übernimmt. Ein gutes Fünftel der Unternehmer möchte den Betrieb an einen Mitarbeiter übergeben, fast ein Drittel an einen externen Dritten.

Die Kammern beklagen die komplizierten Rahmenbedingungen für eine Betriebsübernahme. Bürokratie, steuerliche Ausgestaltung und die rechtliche Komplexität erschwerten möglichen Jungunternehmern den Einstieg in bestehende Firmen. So sei es nicht möglich, nach einem Gesellschafterwechsel die Kundendatei einfach zu übernehmen. Stattdessen müsse jeder Kunde angesprochen werden, ob er auch unter neuer Eigentümerschaft weiter mit der Firma zusammenarbeiten möchte.

Nachfolgeagenturen wollen Beteiligte zusammenbringen, aber die Aufgabe ist komplex

Kammern und Förderbanken haben in beiden Ländern Nachfolgeagenturen eröffnet, um ältere Unternehmer und potenzielle Übernehmer zusammenzubringen. In Berlin sind dort 500 übergabewillige Unternehmen registriert und 1300 potenzielle Übernehmer. Im ersten Jahr habe es dort einen Treffer gegeben, 150 Fälle befänden sich im „Matchingverfahren“, hieß es. Um dem Problem zu begegnen, fordert die regionale Wirtschaft, das Thema Nachfolge stärker zu thematisieren. Förderprogramme für Start-ups sollten für Übernahmen geöffnet werden.

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Insgesamt zeichnen die Kammern ein düsteres Bild der gegenwärtigen Konjunktur. Die wirtschaftliche Schwächephase gehe jetzt ins vierte Jahr, sagte Berlins IHK-Chefin Schreiner: „Die Wirtschaft ist im Winterschlaf. Wir sind weit entfernt von Aufbruchstimmung“, fasste sie die Resultate der Umfrage zusammen. Sie mahnte dringend bessere Rahmenbedingungen an, höhere Belastungen für Unternehmen seien zu vermeiden. Sie nannte explizit die Ausbildungsabgabe. Ob die umstrittene Umlage wirklich kommt, ist immer noch unklar. Im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses wurde die Gesetzesvorlage der Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) am Mittwoch vertagt.