Das Jahr ging bereits mit einem fünftägigen Mega-Blackout los – und die Stromausfälle reißen einfach nicht ab. Erst vergangenes Wochenende waren Teile von Wedding und Neu-Hohenschönhausen von Ausfällen betroffen. Am Sonntagabend verharrten sogar 700 Haushalte in Mitte ohne Strom. Was steckt wirklich hinter den ständigen Ausfällen in Berlin?

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Im Interview mit dem „Berliner Kurier“ stellt das Stromnetz Berlin klar: In der Hauptstadt ist alles im Lot. Obwohl es Berlinerinnen und Berlinern so vorkommen dürfte, als würden sich die Stromausfälle in letzter Zeit häufen, kann der Sprecher die Annahme verneinen: „Es sind nicht mehr geworden als im letzten Jahr. Im Jahr gibt es in Berlin durchschnittlich zwischen 1900 und 2000 solcher Störungen. Das ist so ein statistisches Mittel der letzten zehn, 20 Jahre auf jeden Fall. Nichts Ungewöhnliches.“

Auch interessant

Obwohl die Zahl zunächst dramatisch klingt, seien die meisten Ausfälle relativ kurz und innerhalb weniger Stunden erledigt. „Das heißt, dass Sie als Berliner alle sechs bis sieben Jahre einmal statistisch gesehen von einem Stromausfall betroffen sind, den Sie auch merken“, erklärt er weiter.

Laut Stromnetz Berlin soll ein Berliner Haushalt im Jahr 2024 durchschnittlich weniger als neun Minuten Stromausfall gehabt haben. Wie das sein kann? „Während der eine mal vier Stunden keinen Strom hat, haben andere zehn Jahre Ruhe gehabt. Und abgesehen von den beiden Großstörungen zuletzt haben wir in Berlin die höchste Versorgungssicherheit in Deutschland im Vergleich.“

Auch interessant

Berlin: Mega-Blackout über fünf Tage – Stromnetz Berlin nennt häufigste Ursachen

Ein gravierender und vor allem mehrtägiger Stromausfall wie Anfang des Jahres – 50.000 Haushalte in Berlin hatten ab Samstag, 3. Januar bis Mittwoch, 7. Januar keinen Strom – sei dagegen ein Sonderfall, denn: Die Ursache des Blackouts war ein Brandanschlag.

Dagegen seien Stromausfälle aufgrund von Bauarbeiten ein Klassiker. „Der Bagger trifft das Kabel direkt – zack, Kabel aus. Und wir alle wissen, wie viele Baustellen es in Berlin gibt“, so der Experte.

„Was auch sehr häufig passiert: Es werden irgendwo Tiefbauarbeiten erledigt, dabei beschädigt ein Bagger ein oder mehrere Kabel oberflächlich. Er kriegt das aber nicht mit und macht dann einfach wieder zu und sagt uns nicht Bescheid“, berichtet der Sprecher weiter. Irgendwann würde allerdings Feuchtigkeit eindringen und das Kabel Schaden nehmen. Der größte Feind eines Kabels sei in der Regel deshalb ein Bagger.

Aber auch Alterserscheinungen bei Kabeln seien nicht zu unterschätzen: „Ansonsten ist eine häufige Ursache, dass ein Kabel einfach Ermüdungen hat, der Kunststoff der Isolierung nicht mehr so elastisch ist.“ Die genannten Ursachen würden über 90 Prozent der Stromausfälle auslösen.

Auch interessant

Jährlich 2000 Stromausfälle in Berlin: Warum bekommen wir sie nicht immer mit?

In den meisten Fällen könnten Störungen relativ schnell durch das Umschalten aus der Netzleitstelle in andere Teile des Netzes behoben werden. Dann würden viele Menschen den Stromausfall sogar kaum bemerken. „Es dauert in der Regel immer länger, wenn durch Umschalten nichts möglich ist und meine Kollegen dann auch nachts rausfahren und vor Ort reparieren müssen, vielleicht sogar mit Baggern buddeln müssen, um an die Kabel ranzukommen“, schildert der Stromexperte weiter.

Oberste Priorität bei einem Stromausfall habe allerdings stets, dass Betroffene mindestens durch eine vorübergehende Notlösung wieder Strom haben. Die genauen Ursachen würden erst im letzten Schritt untersucht.