Eine neue unterirdische Trasse soll die Nord-Süd-S-Bahn in Berlin entlasten. So weit, so bekannt. Was bislang aber unbekannt war: Die Straße des 17. Juni und damit eine der wichtigsten Verkehrsadern in der Hauptstadt soll für den zweiten Bauabschnitt gesperrt werden – und zwar für mehrere Jahre. Das berichtet die „Berliner Zeitung“.

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Für Autofahrer kommt diese Nachricht einer Hiobsbotschaft gleich. Ob Pendler oder Touristen, die Straße des 17. Juni ist eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen in der Stadt. „Um den S-Bahn-Tunnel bauen und an den bestehenden Nord-Süd-Tunnel anschließen zu können, wird es auf der Westseite des Brandenburger Tors eine offene Baugrube geben“, sagte Mittes Verkehrsstadtrat Christopher Schriner (Grünen) gegenüber der „Berliner Zeitung“. Das habe zur Folge, dass die Straße des 17. Juni mindestens bis zum Sowjetischen Ehrenmal für den gesamten Verkehr gesperrt werden müsse.

Straße des 17. Juni wird zur Dauerbaustelle: Bau des neuen Tunnelabschnitts soll sieben Jahre dauern

Derzeit läuft noch das Planfeststellungsverfahren für den zweiten, rund 1,2 Kilometer langen Bauabschnitt vom Hauptbahnhof in Richtung Potsdamer Straße. Die Unterlagen sind öffentlich einsehbar. Demnach soll der Bau des Tunnelabschnitts nach Angaben der Deutschen Bahn sieben Jahre dauern. Schriner, zuständig für Straßen im Bezirk, rechnet „eher mit zehn Jahren“. Zuletzt hieß es, dass ein Baubeginn zum Ende des Jahrzehnts und eine Inbetriebnahme 2036 realistisch sind.

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Ein Blick auf die Historie des ersten Bauabschnitts lässt vermuten, dass Berliner Autofahrern eine jahrelange Geduldsprobe bevorsteht. Denn bereits 2017 sollten Züge auf der neuen S-Bahn-Strecke zwischen Hauptbahnhof und Gesundbrunnen rollen. Immer wieder kam es zu Verschiebungen. Nun soll der erste Bauabschnitt und somit die neue S51 Ende März 2026 ans Netz gehen.

Der zweite Bauabschnitt verläuft mitten durch einen der historischen und touristischen Hotspots der Stadt mit 19 Denkmalbereichen und 102 Baudenkmalen. Unter anderem werde die Gedenkstätte für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas am Simsonweg im Großen Tiergarten „erheblich in der Nutzung als Gedenkort eingeschränkt“, zitiert die „Berliner Zeitung“ die Deutsche Bahn. Der Konzern rechnet westlich vom Brandenburger Tor mit mehr als vier Jahre andauernden Straßensperrungen auf wechselnden Abschnitten.

Wird die Hauptverkehrsstraße am Brandenburger Tor zur größten Spielstraße Berlins?

Der Platz des 18. März vor dem Brandenburger Tor sowie die Ebertstraße sollen 20 Monate gesperrt werden, der Südteil der Ebertstraße sogar satte 47 Monate. Da die Straße des 17. Juni damit zu einer riesigen Sackgasse mutiert, schlägt Schriner vor, den sich anschließenden Abschnitt auf der Straße des 17. Juni bis zur Siegessäule ebenfalls zu sperren. „Er wird nicht benötigt, solange das Ost-Ende eine Baustelle ist“, sagte Mittes Stadtrat gegenüber der „Berliner Zeitung“ und hat eine Idee. Demnach könne die Straße des 17. Juni „Berlins größte Spielstraße werden“, schlägt Schriner vor.

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Beachvolleyball-Felder, andere Sportflächen, vielleicht sogar ein Parcours zum Inlineskaten: Schriner schwebt ein buntes Potpourri an sportlichen Aktivitäten vor, die während der Bauarbeiten eine Heimat auf der Straße des 17. Juni finden könnten. „Natürlich auch mit Kiosken und Gastronomie“, so der Stadtrat, der sich am Pariser Vorbild orientiert. In Frankreichs Hauptstadt ist das linke Seine‑Ufer bereits seit 2013 autofrei und dient als große Flaniermeile.

Für Autofahrer dürfte vor allem wichtig sein, auf welche Straßen der Verkehr umgeleitet wird. Besonders die Tiergartenstraße dürfte bei Beginn der Sperrung deutlich stärker frequentiert sein. Deshalb soll die Verbindung, die am Südrand des Parks verläuft, ertüchtigt werden, so Schriner gegenüber der „Berliner Zeitung“. 2027 und 2028 soll demnach gebaut werden. Die Fahrbahn soll unter anderem mit einer durchgehenden Radverkehrsanlage ausgestattet werden.

Im Blickpunkt ist auch die Achse Dorotheen-/ Scheidemannstraße am Reichtagsgebäude. Schirner hält es für möglich, dass „das Parlament aus Sicherheitsgründen darauf drängen wird, den Verkehr einzuschränken“. Ebenfalls betroffen sind Großevents wie der Berliner Marathon oder der Christopher Street Day (CSD).