In Paris sind seit dem vergangenen Dezember nicht mehr nur U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse unterwegs, sondern auch eine Seilbahn. Es ist die längste Standseilbahn Europas – auf einer 4,5 Kilometer langen Strecke verbindet sie die Endstation der Metrolinie 8, Créteil - Pointe du Lac, und das Viertel Bois Matar in Villeneuve-Saint-Georges.

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Auch in Berlin gab es in der Vergangenheit immer mal wieder Ideen für Seilbahnen – vom Spandauer Ortsteil Kladow etwa über den Wannsee bis zum dortigen S-Bahnhof oder zwischen dem nördlichen Spandau und Reinickendorf. Dafür hat sich gerade erst die AfD-Fraktion ausgesprochen, die eine Seilbahnverbindung zwischen der Wasserstadt Spandau und dem geplanten Schumacher-Quartier auf dem Flughafenareal Tegel prüfen lassen will. Aber könnte eine Seilbahn den öffentlichen Nahverkehr in Berlin tatsächlich sinnvoll ergänzen?
Darüber haben am Mittwoch auch Experten auf dem Kongress der Berliner Industrie- und Handelskammer „Weltmetropole Berlin“ diskutiert, darunter Ralph Müller-Beck vom Unternehmen Transdev, das die Seilbahn in Paris betreibt. Er zählte zahlreiche Vorteile auf, beispielsweise, dass nötige Eingriffe in den Stadtraum minimal seien, dass die Gondeln leise und elektrisch unterwegs sowie die Betriebskosten und der Personalbedarf gering seien. Auch die Pünktlichkeit sei hoch, so Müller-Beck, der früher einmal Staatssekretär im Wirtschaftsministerium in Schleswig-Holstein war.
Seilbahn in Paris: 105 Kabinen und eine Frequenz von weniger als 30 Sekunden
Möglich sind zudem hohe Takte – wobei die Kapazität pro Gondel erwartungsgemäß gering ist. In Paris umfasst die Seilbahn 105 Kabinen, jede bietet Transdev zufolge zehn Sitzplätze. Gefahren wird mit einer Frequenz von weniger als 30 Sekunden, die Fahrt über die Gesamtstrecke mit fünf Stationen dauert 18 Minuten. Entstanden ist sie nach drei Jahren Bauzeit, wobei die Planung deutlich länger zurückreicht.
Eine Seilbahn könnte Teil einer Weltmetropole sein.
Ralph Müller-Beck , vom Unternehmen Transdev
Müller-Beck räumte dabei ein, dass auch in Paris nicht alle Menschen von Beginn an von dem Verkehrssystem überzeugt gewesen seien. „Debatten hat es dort auch gegeben“, sagte er. Entscheidend sei die Frage, wie man mit der Bevölkerung kommuniziere. Mit Blick auf Berlin äußerte er sich optimistisch. „Wenn man das wirklich will, ist es möglich, so ein Verkehrsmittel innerhalb von fünf Jahren in einer Stadt wie Berlin umzusetzen“, sagte Müller-Beck, der appellierte: „Lassen Sie uns den Mut haben, neue Modelle in Berlin zuzulassen.“ Eine Seilbahn könne Teil einer Weltmetropole sein.
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Seilbahn-Idee für Berlin: VBB-Chef ist skeptisch
In Berlin gibt es bereits eine Seilbahn, die von der U-Bahn-Station Kienberg der Linie U5 in die Gärten der Welt führt. Teil des öffentlichen Nahverkehrs ist sie hier aber nicht. Wer die Gondeln nutzen will, kann das nicht mit einem normalen Fahrschein für den ÖPNV tun, sondern braucht ein Extra-Ticket. Dass sich, bevor eine neue Strecke gebaut wird, daran etwas ändert, ist aktuell nicht absehbar. „Wir haben das Thema im Moment gar nicht auf dem Tisch“, sagte Christoph Heuing, Chef des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB). Zwar sei eine Integration in den VBB-Tarif möglich, allerdings gebe es aktuell keinen Auftrag dazu.
Heuing äußerte sich aber auch mit Blick auf die Planung einer neuen Seilbahnstrecke zurückhaltend. Derzeit würden die Menschen erleben, dass Busse, U- oder Straßenbahnen nicht zuverlässig fahren. Wenn nun eine Seilbahn angekündigt werde, könne der Eindruck entstehen: Die Verantwortlichen haben schon die Technologien, die seit Jahrzehnten bekannt sind, nicht im Griff, wollen jetzt aber noch eine Seilbahn bauen. „Das ist gefährlich“, so Heuing.
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Auch Frauke Janßen, Geschäftsführerin der Landesgruppe Ost beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), stellte den Nutzen einer Seilbahn für Berlin infrage. Diese seien vor allem dort erfolgreich, wo Höhenunterschiede oder unwegsames Gelände überwunden werden müsse. In Berlin sei zudem zu erwarten, dass viele etwas dagegen haben werden, wenn eine Strecke über Privatgelände führe. „In NRW sind solche Projekte deshalb schon gescheitert oder auf Widerstand gestoßen“, sagte Janßen und forderte, vor allem den Flächenkonflikt auf den Straßen zu lösen – mit Systemen wie Straßenbahnen, die sich bereits als erfolgreich erwiesen haben.
Berlins Verkehrsstaatssekretär Arne Herz betonte, dass bei allen Überlegungen zu neuen ÖPNV-Strecken in Berlin auch die Option einer Seilbahn geprüft werde. Er nannte den Vorteil, dass man, wie bei einer Magnetschwebebahn, die Stadt so auf eine andere Weise erschließen und über die bestehende Infrastruktur hinwegbauen könnte. Eine Strecke, auf der sich die Seilbahn als Verkehrsmittel durchgesetzt hat, gibt es den Äußerungen nach bislang aber nicht.






