Mit dem Beschluss des neuen Wehrdienstgesetzes braucht das Bundesverteidigungsministerium auch mehr Standorte für die Bundeswehr. Alte werden reaktiviert, neue sollen entstehen. In Berlin kommen dafür womöglich auch ehemalige Kaufhausstandorte infrage. Da stehen schließlich einige leer. Und während der Eigentümer einiger alter Karstadt-Häuser Offenheit signalisiert, mobilisiert sich im Kiez bereits Widerstand.

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Konkret stehen zurzeit die beiden ehemaligen Karstadt-Standorte an der Müllerstraße in Wedding und jener am Tempelhofer Damm in Tempelhof im Fokus von Spekulationen. Laut Berichten der „Berliner Zeitung“ und des rbb seien diese im Gespräch als neue Bundeswehr-Standorte. Wie es in den Beiträgen heißt, könnten dort die Musterungen von seit dem 1. Januar 2026 angeschriebenen Anwärtern stattfinden. Aber: Bisher sind die Pläne nicht bestätigt worden.

Karstadt-Gebäude: Versicherungskammer lehnt soziale Nutzung ab

Eigentümer der Häuser in Wedding und Tempelhof ist die Versicherungskammer Bayern. Und dort herrscht offenbar keine Einigung darüber, wie es damit weitergehen soll. Anfang 2024 wurde der Karstadt am Leopoldplatz in Wedding endgültig geschlossen. Bis auf einen Lidl-Supermarkt, der anschließend ins Erdgeschoss gezogen war, steht das riesige Haus leer.

Die Idee des Bezirksamts Mitte, Wohnungen und soziale Angebote dort zu vereinen, hat die Versicherungskammer vor allem mit Blick auf die sozialen Angebote abgelehnt. Ein Haus für obdachlose Menschen, möglicherweise sogar mit Konsumraum, das lehnte der bayerische Konzern zuletzt ab. Seither ruht die Weiterentwicklung. Im Bezirksamt wird gemutmaßt, die Versicherungskammer wolle das Gebäude, wenn, dann in Gänze, an einen Mieter vergeben. Mit der Bundeswehr könnte dieses Ziel erreicht werden.

Versicherungskammer offen für Vermietung an Bundeswehr

Sowohl Verteidigungsministerium als auch Versicherungskammer halten sich auf Nachfrage bedeckt. Die Versicherungskammer zeigt sich nach eigener Aussage offen gegenüber einer „möglichen Anmietung von Flächen aus unserem bundesweiten Immobilienportfolio“ durch die Bundeswehr. Ob sich ein Mietverhältnis anbahnt oder eines abgeschlossen worden sei, dazu äußere man sich nicht. Dies tue man nur dann, wenn dies mit dem Mieter vereinbart worden sei.

Wir sagen klar: Es braucht eine sinnvolle, soziale Nutzung.

Initiative aus Wedding, Lehnt Nutzung durch Bundeswehr ab

Auch das Bundesverteidigungsministerium erklärt: Man sei noch nicht so weit. Die Ausplanung und Verortung der Musterungszentren würden derzeit erst erarbeitet. Die Standorte seien noch in der Findung. „In Abhängigkeit von den finalen Standortempfehlungen müssen im Anschluss ggf. zunächst Stationierungsentscheidungen durch das Bundesministerium der Verteidigung getroffen werden“, so eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums.

Standortentscheidungen voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 erwartet

Städte und Kommunen sowie die Politik werde man informieren, sobald Entscheidungen über die Standorte getroffen worden seien. „Genauere Angaben hierzu werden voraussichtlich zu Beginn des II. Quartals 2026 getroffen werden können“, so die Ministeriumssprecherin. Eine Reaktion aus dem Bezirksamt auf die mögliche Ansiedlung eines Musterungszentrums liegt dieser Redaktion noch nicht vor.

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In der Bevölkerung hat sich bereits Widerstand formiert. Unter dem Motto „Karstadt für alle ... und nicht für die Bundeswehr!“ hatte eine Initiative Ende Januar 2026 auf dem Dach des alten Karstadts ein Positionspapier präsentiert. Die Gruppe lehnt eine Ansiedlung der Bundeswehr im Kiez ab. „Wir sagen klar: Es braucht eine sinnvolle, soziale Nutzung. Wir brauchen Räume für das, was wirklich fehlt: Flächen für Vereine, Initiativen und zivilgesellschaftliche Projekte, soziale und kulturelle Treffpunkte, Orte für Nachbarschaft, Beratung, Bildung und Solidarität, erschwingliche Kultur und Gastronomie“, heißt es in einem Aufruf auf Instagram.

Bundeswehr sucht helle und gut erreichbare Standorte für Musterungszentren

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Zu der Kritik aus der Bevölkerung erklärt die Sprecherin: „Das Bundesministerium der Verteidigung nimmt generell jedwede Kritik ernst und versucht, die Belange und Anliegen der Zivilgesellschaft und von Initiativen im Rahmen des Möglichen zu berücksichtigen.“ Es lägen jedoch „deutlich mehr Angebote und Interessenbekundungen zur Stationierung von Musterungszentren“ vor, als „substantiierte Kritik“.

Welche Bedingungen die gesuchten Bundeswehr-Standorte erfüllen müssen, ist hingegen klar: „Die Musterungszentren sollen insbesondere hell, freundlich, zugewandt und modern sein sowie über eine gute Erreichbarkeit, d.h. Verkehrsanbindung, verfügen“, so die Sprecherin.