Berlin hat 2025 wieder mehr Menschen abgeschoben als in den Vorjahren. Das geht nun aus einer Anfrage der Linken-Politiker Niklas Schrader, Philipp Bertram und Elif Eralp hervor. Demnach mussten im vergangenen Jahr 1670 Menschen Berlin in Richtung ihrer Herkunftsländer verlassen, die höchste Zahl seit 2017. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 waren es 1370 und 2024 insgesamt 1290 Personen gewesen. Die niedrigere Abschiebequote 2024 war mit der Fußball-Europameisterschaft in Verbindung gebracht worden, die den Großteil der Polizeikräfte im Sommer gebunden hatte.

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Im vergangenen Jahr wurden 887 Ausreisepflichtige per Sammelcharter abgeschoben, 106 wurden ausgewiesen, weil nach dem Dublin-Verfahren ein anderes EU-Land für ihr Asylverfahren zuständig war und 51 verließen Berlin in Richtung eines „sicheren Drittstaates“. 279 Abschiebungen fanden in der Nacht statt – eine Maßnahme, die regelmäßig von Flüchtlingsverbänden und Oppositionspolitikern kritisiert wird.

Linken-Politiker kritisiert traumatische Erfahrungen

„Wir erfahren immer wieder von Fällen, in denen vor allem Minderjährige bei Abschiebungen wegen Ingewahrsamnahme, Familientrennung oder Überrumpelung in der Nacht traumatische Erfahrungen machen“, sagt Niklas Schrader, innenpolitischer Sprecher der Linken. 1394 Personen (83 Prozent) wurden vor ihrer Rückführung in Gewahrsam genommen, 292 verurteilte Straftäter wiederum wurden direkt aus der Strafhaft heraus abgeschoben.

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Die meisten abgelehnten Asylbewerber kommen aus Moldau

Wie bereits in den Vorjahren kam die mit Abstand größte Gruppe der abgeschobenen Ausreisepflichtigen aus Moldau. 595 waren es im Jahr 2025, was einem Anteil von knapp 35 Prozent entspricht. In der Regel haben Moldawier keinerlei Chance auf Asyl. Immer wieder gibt es allerdings auch in Berlin politischen Streit wegen Rückführungen in die ehemalige Sowjetrepublik, die sich aufgrund des Transnistrien-Konflikts schon lange von Russland bedroht sieht und in der viele von existenzieller Armut und gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind. 334 Menschen wurden 2025 nach Georgien abgeschoben, 91 in die Türkei.

Kritiker: „Bund und Länder überbieten sich beim Abschieben“

Die deutliche Zunahme der Abschiebungen erfolgt auch im Zuge des neuen Klimas in der Bundespolitik. Verstärkte Rückführungen und das Aussetzen von Aufnahmeprogrammen sind erklärte Ziele der schwarz-roten Bundesregierung. „Wir sehen mit Sorge, dass sich Bund und Länder offenbar einen Wettbewerb um die höchsten Abschiebungszahlen liefern, bei dem die Humanität häufig untergeht“, so Schrader. „Insbesondere für die Länder Afghanistan, Syrien und Iran bräuchte es einen generellen Abschiebestopp, um Menschen nicht in ernsthafte Gefahr zu bringen.“

Urteil des Bundesverfassungsgerichts erschwert Abschiebungen

Allerdings sehen die Sicherheitsbehörden den Trend vermehrter Abschiebungen seit eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom vergangenen November in Gefahr. Die obersten Richter hatten entschieden, dass bei Abschiebungen aus Zimmern in Asylheimen grundsätzlich ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss erforderlich ist.

Bedeutet: Polizeibeamte, die einen abzuschiebenden Ausländer abholen sollen, müssen wieder gehen, wenn dieser seine Tür nicht öffnet. Anders ist es, wenn er die Beamten freiwillig einlässt oder im öffentlichen Teil der Unterkunft angetroffen wird. Seit einer Gesetzesverschärfung aus dem Jahr 2019 war es Praxis gewesen, dass die Heimleitung mit einem Generalschlüssel die Zimmertür öffnet, um die ausreisepflichtige Person ausfindig zu machen.