Die finanzielle Belastung für Pflegebedürftige in stationären Pflegeeinrichtungen in Berlin ist erneut gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der AOK Nordost. Trotz einzelner Entlastungen würden die Eigenanteile weiter steigen und viele Menschen finanziell überfordern, so die AOK. Die Krankenkasse sieht „dringenden Handlungsbedarf für eine strukturelle Reform der Pflege“ und fordert eine nachhaltige Finanzierung der Pflegeversicherung.

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Die durchschnittliche Gesamtbelastung der Bewohnerinnen und Bewohner liegt laut AOK-Angaben nach Abzug der nach Wohndauer gestaffelten Leistungszuschläge der Pflegeversicherung inzwischen bei 2400 Euro pro Monat. Das sind 121 Euro mehr als 2024.
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Die Belastung habe damit das Niveau des Jahres 2021, als die Politik die Zuschläge zur Begrenzung der Eigenanteile an den pflegebedingten Aufwendungen eingeführt hatte, wieder deutlich überschritten. Die AOK prognostiziert: „Die 2024 erfolgte Anhebung der Zuschläge und die seit letztem Jahr greifende Dynamisierung der Leistungssätze werden den Trend zu immer höheren finanziellen Belastungen nicht nachhaltig stoppen.“
Pflegeheim in Berlin: Monatliche Gesamtkosten liegen bei über 5000 Euro
Die aktuelle Analyse zeigt, dass die Gesamtkosten für einen Heimplatz in Berlin Ende 2025 erstmals über 5000 Euro pro Monat lagen. Von den Gesamtkosten in Höhe von 5023 Euro zahlte die Pflegekasse im Durchschnitt 1.534 Euro. Zusätzlich bekamen die Bewohnerinnen und Bewohner von der Pflegeversicherung durchschnittlich 1061 Euro pro Monat für ihre pflegebedingten Eigenanteile in Form der nach Wohndauer gestaffelten Zuschläge erstattet.
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Durchschnittlich 1166 Euro mussten sie selbst für die Pflege zuzahlen. Hinzu kamen im Schnitt 836 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 426 Euro für Investitionskosten. Daraus ergibt sich nach Abzug der Zuschläge eine durchschnittliche Gesamtbelastung von 2.427 Euro pro Monat.
Ein Betrag, der häufig deutlich über der verfügbaren Rente liegt. Die durchschnittliche Altersrente nach 35 Jahren Versicherungsjahren betrug im Ostteil Berlins Ende 2024 laut Rentenatlas 1756 Euro und im Westen Berlins 1631 Euro. Die Folgen seien bereits heute sichtbar, erklärt die AOK: Rund 17.300 Menschen, die in Pflegeeinrichtungen in Berlin versorgt werden, würden bereits 2024 Hilfe zur Pflege erhalten, weil Einkommen und Vermögen nicht ausreichten, um die Pflegekosten zu tragen.
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„Kosten dürfen nicht länger den Menschen im Pflegefall aufgebürdet werden“
Für Betroffene sei kaum nachvollziehbar, wie sich die hohen Eigenanteile zusammensetzen. Neben dem pflegebedingten Eigenanteil und den Kosten für Unterkunft und Verpflegung spielen laut AOK insbesondere die Investitionskosten der Pflegeeinrichtungen eine zentrale Rolle. Allein dieser Kostenblock liege im vergangenen Jahr in Berlin bei durchschnittlich 426 Euro pro Monat.
„Pflegebedürftige finanzieren damit einen erheblichen Teil der baulichen Infrastruktur der Pflegeheime, obwohl diese zur öffentlichen Daseinsvorsorge gehören. Diese Kosten dürfen nicht länger den Menschen im Pflegefall aufgebürdet werden“, sagt Jens Kreutzer, Fachbereichsleiter Pflege-Verträge bei der AOK Nordost.
AOK Nordost fordert strukturelle Pflegereform
Die AOK setze sich für eine umfassende strukturelle Pflegereform ein, heißt es in der Mitteilung weiter. Dazu gehöre der Wegfall der Trennung zwischen ambulanter und stationärer Pflege, um Pflegeleistungen flexibler und bedarfsgerechter zu organisieren. Zudem spreche sich die AOK Nordost für eine aktivere Rolle der Pflegekassen als Pflegelotsen aus, die Pflegebedürftige und ihre Angehörigen durch das komplexe Versorgungssystem begleiten.
Allein durch die vollständige Herauslösung der Ausbildungsumlage und der Investitionskosten aus den Eigenanteilen könnten Heimbewohnerinnen und -bewohner um mehrere hundert Euro pro Monat entlastet werden, so die AOK. Weitere gesamtgesellschaftliche Kosten wie etwa die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige müssten ebenfalls über Bundesmittel finanziert werden. „Dann wäre mehr Geld im Topf, um die Pflegebedürftigen spürbar zu entlasten“, betont Jens Kreutzer.
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