Viele Deutsche blicken mit großer Sorge darauf, im Alter möglicherweise selbst zum Pflegefall zu werden. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von Civey im Auftrag des Sozialverbands Deutschland (SoVD) hervor, die dieser Redaktion vorab vorliegt. Demnach rechnen knapp zwei Drittel der Menschen (64,6 Prozent) mit einer schlechten Versorgung im Pflegefall, nur rund jeder Zehnte (10,2 Prozent) erwartet eine gute Pflege.

Auch interessant

Besonders pessimistisch sind Frauen (70,6 Prozent) und die 40- bis 49-Jährigen (79,7 Prozent). Viele Frauen tragen dem SoVD zufolge schon bereits jetzt privat Pflegeverantwortung, während die sogenannte „Sandwich-Generation“ oft schon selbst pflegt und zugleich an die eigene Versorgung denkt.

Pflege: Mehrheit der Deutschen will allgemeine Pflegeversicherung

„Dass nur jeder Zehnte auf eine gute Versorgung im Alter vertraut, offenbart den massiven Vertrauensverlust gegenüber der Pflegepolitik. Über Jahre hinweg wurden notwendige Reformen verschleppt, während immer neue Sparvorgaben diskutiert wurden. Das hat Spuren hinterlassen“, sagte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier dieser Redaktion. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an Reformen für die Pflegeversicherung. Eine von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll bis Ende Dezember konkrete Vorschläge machen.

Auch interessant

Zugleich spricht sich der Befragung zufolge eine überwältigende Mehrheit der Deutschen für eine gemeinsame Pflegeversicherung, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen, aus. Laut der Umfrage befürworten rund 80 Prozent der Bevölkerung eine solidarische Pflegeversicherung, die alle Bürgerinnen und Bürger einbezieht unabhängig vom Berufsstatus. Selbst unter Beamten ist der Zuspruch mit rund 42 Prozent überraschend hoch, wobei sich nahezu die Mehrheit (49,6 Prozent) der befragten Staatsdiener gegen eine solche Möglichkeit ausspricht. Bei Selbstständigen liegt die Zustimmung zu einer solchen Pflegeversicherung bei über 69 Prozent.

Female home carer supporting old woman to stand up from the armchair at care home
Auf die Situation, im Alter möglicherweise selbst zum Pflegefall zu werden, blickt eine Mehrheit der Deutschen pessimistisch. © iStock | PIKSEL

Pflege: Mehr Hilfe für pflegende Angehörige gefordert

„Wenn selbst Beamte, die bisher klare Vorteile im dualen Pflegesystem genießen, sowie viele Selbstständige, die bisher außen vor bleiben, sich in großer Zahl für eine Bürgerversicherung bei der Pflege aussprechen, ist das ein starkes Signal an die Politik“, betonte Engelmeier. Der SoVD fordert seit langem eine Pflege-Bürgerversicherung, in die alle einzahlen und die das Pflegerisiko solidarisch und gerecht absichert.

podcast-image

Weitere Hausaufgaben gibt die Befragung der Bundesregierung mit Blick auf die Entlastung pflegender Angehöriger auf: Fast 80 Prozent der Befragten halten die aktuellen staatlichen Unterstützungsangebote für unzureichend. Laut Sozialverband wird ein Großteil der Pflegebedürftigen in Deutschland (rund 86 Prozent) zu Hause versorgt – überwiegend durch Angehörige und oft unter enormer körperlicher, emotionaler und finanzieller Belastung.

Auch interessant

Pflege: „Sonntagsreden helfen nicht“

Der SoVD forderte gezielte Entlastungen, etwa durch den Ausbau der Tages- und Verhinderungspflege, die Einführung von Pflegezeiten mit Entgeltersatz analog zum Elterngeld sowie eine bessere rentenrechtliche Absicherung pflegender Angehöriger. „Sonntagsreden helfen pflegenden Angehörigen nicht – sie brauchen endlich konkrete Entlastung“, so Engelmeier weiter. Zuletzt gab es auch Stimmen aus der Bundesregierung, die mehr Hilfe für pflegende Angehörige forderten. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) brachte zum Beispiel ein sogenanntes Familienpflegegeld als Lohnersatzleistung ins Spiel.

Auch interessant

Civey hatte für den Sozialverband vom 2. bis 16. Oktober dieses Jahres online 2500 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren und 500 Personen, die einen Angehörigen pflegen, befragt. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ.