Berlin zeigt sich in solchen Momenten von seiner besten Seite. Als wir gemeinsam mit Ecosia die Kartoffelaktion Ende Dezember durchdachten, hatten wir mit zwanzig bis dreißig Interessenten gerechnet. Wir dachten: Wer will schon eine Tonne Kartoffeln vor der Tür haben? Und dann passierte, womit niemand gerechnet hatte. Die Berliner Morgenpost veröffentlichte die Geschichte. Und Tausende Menschen fingen an, sie im Internet zu teilen. Innerhalb von drei Tagen meldeten sich über 1300 Menschen, auch weit über die Stadtgrenze hinaus bis ins Saarland, um die Aktion zu unterstützen. Inzwischen haben sogar zwei Logistikunternehmen und die GASAG ihre Hilfe angeboten. Und ein über die Maßen engagierter Berliner hilft in dieser Woche, Kartoffeln mit auszufahren.

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So haben wir nun innerhalb von zehn Tagen 200 Tonnen Kartoffeln verteilt, an die Berliner Tafeln und an viele, viele Berlinerinnen und Berliner. Innerhalb von wenigen Stunden waren an vielen Orten die Kartoffeln vergriffen. Menschen hatten irgendwo von der Aktion gehört und machten sich sofort auf den Weg, Kartoffeln an einer der über 170 Abgabestellen abzuholen.

Kartoffel-Spendenaktion: Aufwendige Logistik sichert Verteilung in Berlin

Auch Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU) half mit und übergab am Dienstag eine Lieferung an den Berliner Tierpark. Die die Kartoffeln nicht nur verteilen, sondern auch in der Tierfütterung gebrauchen können. Er sagte: „So eine Aktion hat Berlin lange nicht gesehen. Es freut mich, wie viel Resonanz das Thema hier in der Stadt erfahren hat.“ In Sachsen halfen die „Leipziger Volkszeitung“ und die „Sächsische Zeitung“ bei der Verteilung mit drei Lastern an die Tafeln, und zwei Lkw fahren von dort in die Ukraine. Alle mit einem Ziel: möglichst viele der 4000 Tonnen Kartoffeln zu retten.

Logistisch war die Aktion komplex: Weil der Hof in Sachsen normalerweise seine Kartoffeln lose auf Lkw verlädt, mussten erst einmal Big Bags und Paletten besorgt werden. In Berlin wurden die Kartoffeln dann wiederum umgeladen, weil die großen Sattel-Lkw nicht durch kleine Straßen fahren können. Und am Ende mussten die vielen, vielen möglichen Verteilstellen auch noch kontaktiert und abtelefoniert werden. Auch hier hat eine Vielzahl von engagierten Menschen geholfen.

Kartoffel-Aktion: Regionale Bauern sollen stärker eingebunden werden

Kritik an der Aktion gab es am Rande im Internet auch. Einige Brandenburger Bauern fürchteten, der Berliner Markt könne mit Kartoffeln überschwemmt werden. Sie fragten sinngemäß: Warum habt ihr uns nicht gefragt, wir haben auch zu viele Kartoffeln geerntet. So eine Kritik nehmen wir uns natürlich zu Herzen. Und haben überlegt, wie die Aktion weitergehen kann. Ecosia, die Osterland Agrar und die Berliner Morgenpost eruieren deshalb, ob es möglich ist, die Technik hinter der Website an einen Partner zu übergeben, der sie dann für Anbieter im Umland zur Verfügung stellt.

Und noch eine Idee ist auf fruchtbaren Boden (sic!) gefallen. Wir haben gemeinsam mit der „Leipziger Volkszeitung“ Kartoffel-Rezepte eingesammelt. Die werden wir in den kommenden Tagen online und das beste Rezept zur Abstimmung stellen. Denn schließlich geht es im Kern darum: die Kartoffel als wertvolles Lebensmittel ins Zentrum zu stellen. Sie ist eben ein heimisches Superfood.