Etwas einsam stehen die drei Umzugskartons auf einem schmucklosen Wagen im Foyer des Berliner Abgeordnetenhauses. Vor der großen Treppe, die in die oberen Etagen des Parlamentsgebäudes führt, warten sie darauf, dass der Pressetermin beginnt. Fünf Minuten dauert es noch, dann werden die rund 28.000 Unterschriften der Initiative „Die Spiele für Berlin“, die in den Kartons lagern, dem stellvertretenden Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses Dennis Buchner (SPD) symbolisch übergeben. Auf dem Weg zu einer erfolgreichen Berliner Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 soll die Übergabe ein Meilenstein sein. Es steckt also viel Arbeit in den Pappkartons. Die Fotografen nehmen sie in den Fokus ihrer Objektive. Klick, klick, klick.

Volksinitiative übergibt Stimmen für Olympia-Bewerbung
Das Ergebnis von sechs Monaten Stimmen-Sammeln: Drei Umzugskartons voller Unterschriften für eine Berliner Olympia-Bewerbung. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

„Wir haben ordentlich gesammelt“, sagt der Chef des Landessportbundes Stefan Härtel stolz, als die Verantwortlichen sich um die Kartons positioniert haben. 20.000 Stimmen hätte es mindestens gebraucht, um einen Beschluss der Parlamentarier zu erzwingen, sagt Härtel. Ein halbes Jahr nachdem die Initiative zu sammeln begonnen hat, sind es am Ende rund 8000 mehr geworden.

Berliner Abgeordnetenhaus wird noch vor der Sommerpause Olympia-Beschluss fassen

Hinter jeder dieser Unterschriften steht ein Bekenntnis zu den Kernforderungen der Initiative. Neben der Bewerbung für die Spiele, die der Senat im innerdeutschen Wettbewerb bereits im Mai vergangenen Jahres eingereicht hat, sind das: mehr Sportunterricht, mehr Bewegung in der Kita, sanierte und neue Sportanlagen, ein Fonds, der in den Breitensports investiert, und eine Förderung ehrenamtlichen Engagements.

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In den kommenden zwei Wochen werden die Stimmen geprüft, danach werden die Forderungen der Volksinitiative den zuständigen Fachausschüssen überwiesen, anschließend wird im Plenum beraten. „Die Initiative bekommt hier Gelegenheit zur Anhörung und dann wird das Abgeordnetenhaus einen Beschluss fassen, der unterstützend oder eben nicht unterstützend ausfallen wird“, sagte Parlaments-Vizepräsident Buchner. Er rechne damit, dass dieser Beschluss „deutlich vor der Sommerpause“ gefasst werden wird.

Grüne und Linke sind gegen die Spiele. Das Geld für die Bewerbung, Planung und Austragung der Spiele sei anderswo besser angelegt, sagen sie. Sportfunktionär Härtel hofft auf einen konstruktiven Dialog.

Olympia-Initiative sammelt weniger Stimmen als andere Volksbegehren

Kaweh Niroomand, Geschäftsführer der BR-Volleys und Olympia-Beauftragter des Senats, wertet die 28.000 Unterschriften als „gutes Ergebnis“. Gemessen an der Menge der Unterschriften zweier anderer Initiativen, die aktuell wieder Stimmen für einen Volksentscheid sammeln müssen, weil ihre Forderungen vom Parlament im ersten Schritt abgelehnt wurden, fallen die 28.000 Unterschriften für Olympia allerdings eher mau aus. „Berlin Werbefrei“ sammelte 2018 in der ersten Phase rund 32.500, „Berlin Autofrei“ 2021 sogar rund 50.000 Unterschriften.

Es sei immer leichter, Stimmen gegen etwas zu sammeln, als Menschen für etwas zu begeistern, sagt Niroomand im Gespräch mit der Berliner Morgenpost am Rande der Unterschriftenübergabe dazu. Im Sommer, als die Initiative mit dem Sammeln der Unterschriften begonnen habe, sei Olympia außerdem als Thema noch nicht präsent gewesen. Den Großteil der Stimmen hätte man erst in den vergangenen sechs Wochen gesammelt.

Kaweh Niroomand: Expo-Diskussion habe der Berliner Olympia-Bewerbung geholfen

Geholfen habe dabei ausgerechnet eine Debatte, die gemeinhin als eher hinderlich für die Chancen Berlins im innerdeutschen Wettkampf gewertet wird: die Diskussion um die Expo. Der Berliner Senat hatte sich im November entschieden, Pläne für eine Expo-Bewerbung der Hauptstadt für das Jahr 2035 zu stoppen und den Fokus allein auf Olympia zu legen. Das sorgte für großen Widerstand in der Berliner Wirtschaft. Anders als zum Beispiel in München, wo die Unterstützung für die Olympischen Spiele breit getragen wird, herrschte in Berlin Unruhe. Im Zuge dieser Diskussion sei Olympia allerdings in den Köpfen der Menschen angekommen, sagt Niroomand. „Das hat uns tatschlich beflügelt.“

„Das hat uns tatsächlich beflügelt.“

Pressekonferenz zum Stand Olympiabewerbung
Kaweh Niroomand , Olympia-Beauftragter des Senats über die Expo-Diskussion und ihre Auswirkungen für die Olympia-Bewerbung

Bisherige Umfragen deuten darauf hin, dass die Mehrheit der Berliner gegen eine Olympia-Bewerbung ist. So gaben etwa im Sommer letzten Jahres mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten in einer für die Berliner Morgenpost durchgeführten Civey-Umfrage an, eine Olympia-Bewerbung negativ zu bewerten.

Die finale Entscheidung über den deutschen Bewerber soll bis Herbst 2026 getroffen und dann noch von den DOSB-Mitgliedern abgesegnet werden. Neben Berlin bewerben sich München, Hamburg und die Region Rhein-Ruhr. Offen ist, ob der Deutsche Olympische Sportbund sich für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt.

mit dpa