Man kann es auch so sehen: Kai Wegner hat ab Sonntag vieles richtig gemacht. Er war vor Ort, besuchte Notunterkünfte, sprach mit Betroffenen. Und ja, er telefonierte schon am Sonnabend mit dem Krisenstab, er organisierte die Hilfe der Bundeswehr. Und als am Mittwochmittag der letzte Haushalt wieder Strom hatte, stand er bei der Pressekonferenz und dankte allen Helfern. „Ich habe mich noch nie in meinem Leben so doll gefreut, dass der Strom wieder da ist“, sagte er.

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Der CDU-Kreisvorsitzende von Steglitz-Zehlendorf, Stephan Standfuß, formulierte deshalb richtig: „Ich würde Wegner nicht vorwerfen wollen, dass er Tennis gespielt hat, wenn er danach alles richtig gemacht hat.“ Anfangs sei die Dimension schwer einzuschätzen gewesen. Soweit die wohlwollende Lesart.
Sie wäre vielleicht mehrheitsfähig gewesen. Hätte Kai Wegner von Anfang an den Ablauf des Tages richtig dargestellt. Doch er hat es vorgezogen, die Wahrheit zu seinem Tagesablauf zu verschweigen. Bewusst und auf direkte Nachfrage. Am Sonntag, bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Blackout, fragte ihn eine Journalistin, wo er am Samstag gewesen sei. Seine Antwort: „Ich war zu Hause. Ich habe mich in meinem Büro zu Hause eingeschlossen, im wahrsten Sinne.“ Er suggerierte damit, er habe den ganzen Tag telefoniert, koordiniert, sich informiert. „Ich habe mich weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt.“ Und als Wegner am Dienstag Journalisten zu einem Gespräch einlud und versuchte, die Kritik an seiner Abwesenheit auszuräumen, erwähnte er das Tennisspiel wieder nicht.
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Kai Wegners „Tennis-Gate“: Scheibchenweise ans Licht
Die Wahrheit kommt nun ans Licht, weil jemand Wegner bei der Tennisanlage gesehen hatte. Zuerst berichtete der RBB, die Senatskanzlei bestätigte. Wegner selbst räumte bei Welt TV ein: „Ich habe von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte.“ Etwas später noch wurde bekannt, dass er mit Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, seiner Lebensgefährtin, dort war, die den Freizeitspaß dann auch noch bei WhatsApp postete.

Dass ein Regierender Bürgermeister mittags eine Stunde Sport macht, wäre unter normalen Umständen keine Nachricht. Politiker sind Menschen, sie brauchen Pausen, sie dürfen sich erholen. Aber Samstag, der 3. Januar 2026, war kein normaler Tag. Um 10 Uhr wurden die ersten Pflegeheime evakuiert. Um 13 Uhr, als Wegner zum Tennis fuhr, war klar, dass der Blackout dauern würde. Stromnetz Berlin hatte das kommuniziert, Wegner wusste es.
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Der Sog des Wahlkampfs
In etwas mehr als acht Monaten wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Kai Wegner wollte als starker Krisenmanager in den Wahlkampf ziehen. Stattdessen wird ihn nun sein Verhalten zu Beginn dieser Krise begleiten. Der ehemalige Regierende Bürgermeister Walter Momper urteilte nüchtern: „Er hat die Dimension der ganzen Geschichte nicht erkannt.“ AfD und FDP fordern bereits Wegners Rücktritt.
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Politische Karrieren enden selten wegen Fehlern, viel öfter wegen Lügen über Fehler. Doch Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen muss Wegner bislang nicht fürchten. Das Risiko ist hoch, dass die CDU so kurz vor der Wahl so nur den Konkurrenten in die Hände spielt. Die Fraktion im Abgeordnetenhaus stellte sich am Donnerstag hinter Wegner. Es bleibt ihr kaum etwas anderes übrig. Auch, weil es an einer Alternative fehlt. Wegner selbst formuliert treffend: „Rückblickend hätte ich das am Sonntag sagen sollen.“ Damit sagt er: Ich habe einen Fehler gemacht, und bereue, dass es herausgekommen ist.
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Kai Wegner hat mit Samstag viel Vertrauen verspielt. Im Tennis nennt man das einen Doppelfehler: Erst der Aufschlag ins Aus, dann der Versuch, es zu korrigieren – und wieder daneben. Politik lebt von Vertrauen. Wegner startet nun in den Wahlkampf, wird Vertrauen erst wiederherstellen müssen. Sein Rückstand ist beträchtlich.










