Der Grundstein für den Mosaik-Unternehmensverband wurde im September 1965 gelegt. Vor 60 Jahren also entwickelte der Verein mit Hauptsitz in Berlin-Mitte eine Vision davon, wie Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen zusammenarbeiten könnten. Seit 40 Jahren bereits ist Geschäftsführer Frank Jeromin Teil dieser Vision. Aus dem Verein wurden vier Unternehmen mit insgesamt 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

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Der gemeinnützige Mosaik-Unternehmensverbund ermöglicht die gesellschaftliche und berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderung. Mosaik will seine Beschäftigten dabei unterstützen, aktiv und selbstständig am Leben und der Arbeitswelt teilzuhaben. Den Anfang nahm alles vor sechs Jahrzehnten, als elf Mitglieder der Welfare-Group des Deutsch-Amerikanischen Frauenclubs Mosaik ihre Arbeit aufnahmen. Ein halbes Jahr später nach der Gründung eröffnete die erste Tagesbetreuung für zunächst fünf Personen.
Mosaik: Wie der Drugstore zur Werkstatt für Behinderte wurde
Der erste Standort wurde damals in Zehlendorf in etwa einer ehemaligen Drogerie eröffnet. Genannt wurde dieser schlicht Drugstore. In den 70er-Jahren kamen acht weitere Standorte hinzu, in denen die Menschen Kabel konfektionierten, Holz und Metall verarbeiteten oder Kerzen herstellten. Beeinträchtigte Menschen in die Arbeitswelt zu integrieren, war in den 60er-Jahren noch Neuland.

In den 80er-Jahren sei es mit der offiziellen Anerkennung als „Werkstatt für Behinderte“ so richtig losgegangen. „Dies war der Stempel, der uns die Finanzierung für die Zukunft sicherte, weil zuvor alles mehr oder weniger lose als ‚Das Mosaik e. V.‘ lief“, berichtet Frank Jeromin.
Erste Kunstwerkstatt für Menschen mit Behinderung entsteht
Höhepunkt war die Eröffnung der ersten großen Werkstatt am Spandauer Askanierring durch den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Diese habe Jeromin jedoch um ein paar Monate verpasst. „Dafür durfte ich in den 90ern einige Highlights miterleben und -gestalten. Die Gründung von Mosaik-Services zum Beispiel, am Anfang mit dem Restaurant ‚Charlottchen‘ und dem ‚Café Schwartzsche Villa‘, etwas später dann mit der Gebäudereinigung und dem Malerbetrieb.“ Die ersten Wohngemeinschaften wurden zu dieser Zeit eröffnet. Es folgte die Landwirtschaft in Kuhhorst, wo bis heute mit Demeter-Qualität gearbeitet wird, Betriebe und Standorte im Förderbereich kamen dazu.
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Seit 1996 befindet sich in Spandau die damals deutschlandweit erste Kunstwerkstatt für Menschen mit Behinderung. Dort sind etwa 20 Künstlerinnen und Künstler tätig. Ihre Arbeiten wurden bereits bei internationalen und nationalen Ausstellungen gezeigt. Die Werke wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.
Vorwürfe wegen Finanzierung von Mosaik-Services
400 Menschen mit komplexen Behinderungen erhalten im Beschäftigungs- und Förderbereich individuelle Unterstützung. Sie engagieren sich auch in sozialen Projekten, etwa in Nachbarschaftsinitiativen, im Zoo und Tierpark oder bei der Berliner Tafel.

Jeromin berichtet, dass gerade in den Anfangsjahren große Hürden zu überwinden waren. „Aus den Reihen des Senats gab es etwa den Vorwurf, dass wir mit Mosaik-Services Steuergelder verschwenden. Menschen mit Behinderung in eine tarifliche Arbeit zu bringen, sei ja ein Unding, hieß es“, erzählt Jeromin. „Dabei bekamen wir nicht mal Steuergelder, sondern finanzierten alles durch Zuwendungen der Aktion Mensch, der Johanna-Möller-Stiftung, der Hauptfürsorgestelle Berlin – heute Inklusionsamt – und durch eigene Mittel, die wir selbst erwirtschaftet haben.“
Vorwürfe gegen Werkstätten für Behinderte im Fokus
Doch nicht nur der politische Widerstand sei schwer gewesen. Gleichzeitig habe man einen Balanceakt zwischen der Wirtschaftlichkeit und der professionellen Förderung der Menschen mit Behinderung leisten müssen. „Trotzdem haben wir es immer wieder geschafft“, so der Geschäftsführer. Immer wieder müsse man sich jedoch gegen den Vorwurf wehren, die Arbeit würde Menschen mit Beeinträchtigungen ausbeuten.
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Da hat Frank Jeromin eine klare Haltung: „Meistens stelle ich ihnen die Gegenfrage: Was ist die Alternative? Es gibt nun mal Menschen, die nur sehr wenig leisten können und es nicht auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen. Sollen sie nur zu Hause sitzen und Däumchen drehen? Das ist doch keine Lösung.“ Heute arbeite Mosaik aber sehr erfolgreich und genieße in Berlin einen guten Ruf.
Weniger Nachwuchs im Handwerk
Die Hürden lägen heutzutage vor allem in der Nachwuchssuche. Wie in vielen anderen Ausbildungsberufen sei die Nachfrage nicht so groß wie das Angebot. „Das ist kein Einzelfall, sondern ein bundesweiter Trend. Junge Menschen mit Behinderung orientieren sich heute anders – viele träumen wie ihre Altersgenossen vom Leben als Influencer, statt einen Handwerksberuf zu ergreifen“, hat Jeromin beobachtet.
Gleichzeitig verändere sich das Bild der Beeinträchtigungen: Die Zahl der Menschen mit körperlichen und kognitiven Einschränkungen gehe seit Jahren zurück, nicht zuletzt, weil die medizinischen und therapeutischen Möglichkeiten heute andere sind. Zugleich steigt die Zahl derjenigen mit psychischen Erkrankungen deutlich an.
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Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, zum Jubiläum von Mosaik: „Seit 60 Jahren gibt Mosaik Menschen mit Behinderungen in Berlin eine Perspektive – und stärkt damit den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.“ Er betont, der Unternehmensverbund setze sich für gesellschaftliche Teilhabe und berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderungen ein – und zeige, wie erfolgreich diese Berufsmodelle sein können. „Mit mehr als 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an über 40 Standorten zählt Mosaik heute zu den größten Arbeitgebern in der Region Berlin-Brandenburg. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!“, so der Regierende Bürgermeister.







