Für viele Fragen der modernen Welt hat die Wissenschaft bereits Technologien als Antworten gefunden. Auf viele andere noch nicht. Das Unternehmen „Wint Design Lab“ mit Sitz im ehemaligen Flughafen Tegel hat sich darauf spezialisiert, Lösungen zu finden. Zu ihren neuesten Errungenschaften zählt ein Textil, das fühlen kann. Es reagiert auf Berührungen. Aus diesem Stoff haben die Gründer Felix Rasehorn und Robin Hoske in einem interdisziplinären Forschungsprojekt mit dem Fraunhofer-Institut zunächst eine Lampe entworfen. Als Testobjekt. Doch für die Zukunft haben sie deutlich ernsthaftere Anwendungsgebiete im Kopf.
Fühlende Stoffe: So funktioniert die Technologie aus Berlin
Mithilfe dieses fühlenden Stoffes, den sogenannten „Soft Interfaces“, könnten beispielsweise Patienten im Krankenhaus besser überwacht werden, sagen sie. „In Bettdecken oder Laken verarbeitet, könnte das Material Daten darüber liefern, wie Patienten geschlafen haben oder wann jemand umgelagert werden muss“, erklärt Co-Gründer Robin Hoske. Der 32-Jährige hat ein weiteres Beispiel: „Ein flexibler Gurt, den man um den Körper spannt, könnte man als Atemmessgerät verwenden.“ Die Ausdehnung des Körpers beim Einatmen verursache ein Stretching des Gurts. Die Informationen über Ein- und Ausatmung würden so nicht nur erkannt, sondern könnten in einem weiteren Schritt auch gespeichert werden.

Auf viele Fragen der modernen Welt hat die Wissenschaft bereits Technologien als Antworten gefunden. Auf viele andere noch nicht. Aber wie macht dieses Textil das? Im Zentrum steht das leitfähige Flüssigmetall Galinstan. Eine silbrige Legierung aus Gallium, Indium und Zinn. Der Name setzt sich aus den drei Bestandteilen zusammen. Galinstan ist, ähnlich wie Quecksilber, bei Raumtemperatur flüssig. Im Gegensatz zu Quecksilber ist das verwendete Flüssigmetall jedoch ungiftig und umweltverträglich. Es befindet sich innerhalb von Leiterbahnen und bleibt dort weiterhin flüssig. Da das Material auf Dehnung reagiert, lassen sich die Leiterbahnen als Sensor einsetzen.
Berlin Science Week: Fühlende Textilien zum Testen
Die Steuerung der Lampe geschieht dabei über eine Stofffläche, die straff über einen Rahmen gespannt wurde. Dieser „Textilschirm“ wird mit der Hand oder dem Finger bedient. Die im Material verwobenen Flüssigmetalle ergeben einen Schaltkreis, über den sich das Leuchtmittel im Fuß der Lampe anschalten lässt. Der Textilschirm wird von unten beleuchtet. Dimmen sowie An- und Ausschalten lässt sich über intuitive Berührungen erledigen. Kurz: Bei Druck reagiert das Metall, die Lampe geht an. Das Material wurde dabei von „casestudies“ entwickelt, einem Berliner Strickdesignstudio. Es handelt sich um einen gestrickten Stoff. Die Bedienfelder sind dabei optisch und haptisch hervorgehoben worden.
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Ein Jahr lang habe man geforscht und die Lampe entwickelt. „Wir haben zunächst nach einer Anwendungsmöglichkeit für zu Hause gesucht“, sagt Robin Hoske. Interessierte können das bei der Berlin Science Week, die vom 1. bis 10. November an zwei Hauptstandorten in der Hauptstadt stattfindet, testen. Robin Hoske wird am 1. November, 9.30 bis 18 Uhr, im Museum für Naturkunde in Berlin-Mitte anzutreffen sein. Zweiter Hauptstandort ist das Forum auf dem Holzmarktgelände in Friedrichshain.
Bis zum marktfertigen Produkt dauert es Jahre
Trotz schickem Design und angenehmer Anwendung: dass die Lampe jemals zum Kauf auf den Markt kommt, ist nicht gesagt. Sie solle vor allem zur Anschauung dienen und zeigen, wie der Mehrwert dieser Technologie im Alltag ist. „Bis wir ein marktfertiges Produkt haben, kann es fünf bis zehn Jahre dauern“, gibt Hoske außerdem zu bedenken. Der Gründer sieht eine Massenanwendung aber auch eher kritisch.
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Das eigentliche Ziel lautet: „Wir arbeiten zwischen Wissenschaft und Anwendung und versuchen neue komplexe Technologien in Alltagsgegenstände zu überführen“, beschreibt Hoske. Sie wollen aber nicht nur zur Innovation beitragen. Mit ihren Technologien wollen sie umweltschonende und nachhaltige Lösungen schaffen, die die Lebensweise der Menschen und ihren Umgang mit Produkten verbessern. Und im Falle eines bedienbaren Stoffes möchte man eine Alternative zu Bildschirmen bieten, die uns eh schon tagtäglich begleiten.
Schlaue Kleidung aus Kollagen
Ein im Jahr 2021 entwickeltes Forschungsprojekt beschäftigte sich auch mit Textilien. Diesmal verwendeten die Forscher tierisches Kollagen zur Entwicklung von Kleidung. „Wir fertigten Sportkleidung aus bestimmten Teilen des Kuhmagens. Denn dieser hat besondere Eigenschaften“, so Hoske. Da wäre die Durchlässigkeit von der einen und die Undurchlässigkeit von der anderen Seite des Materials. Es entstand eine Jacke aus der sogenannten Goldschlägerhaut der Kuh. „Langfristig geht es aber um eine vegane Alternative, die sich an das Naturprodukt anlehnt“, so Hoske. Bis die Wissenschaft dazu in der Lage ist, vergingen aber Jahre. Deshalb habe man zur Demonstration erst einmal einen Entwurf gefertigt.
Berlin Science Week, 1. bis 11. November, www.berlinscienceweek.com





