Die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) hat einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, der den Gesundheitsstandort Berlin stärken und die Innovationskraft erhöhen soll. Mit über 21.000 Unternehmen in der Metropolregion Berlin-Brandenburg, rund 350.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 20 Milliarden Euro ist die Gesundheitsindustrie schon jetzt ein zentrales Feld der Hauptstadt-Wirtschaft.

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Berlin gehört damit zu den Top-Gesundheitsstandorten weltweit. Nur Boston und London, die internationalen Leuchttürme in diesem Bereich, übertrumpfen die Hauptstadt. Doch Berlin will aufschließen. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat längst das Ziel ausgerufen, aus der Hauptstadt das „Boston an der Spree“ zu machen.
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Um zum Weltmarktführer aus den USA aufzuschließen, fordert die IHK, sich ein Beispiel am dort aufgebauten Ökosystem im Bereich der sogenannten Lifesciences zu nehmen. „Forschungsergebnisse brauchen verlässliche, standardisierte Wege zur Verwertung, damit Investoren planen und Start-ups schnell skalieren können“, argumentiert die IHK. Von einigen der Punkten, die die Wirtschaftsvertreter in ihrem Maßnahmenkatalog zusammenfassen, konnte sich Wegner bei einem Besuch in Boston im vergangenen Jahr selbst überzeugen. Insbesondere von der Bedeutung einer engen Verzahnung zwischen Wissenschaft und Forschung.
Hochschulen und Wirtschaft in Berlin enger verzahnen
Punkt eins auf der IHK-Liste sind dementsprechend: neue Patente-Regelungen. Um Innovationen aus Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen schneller an den Markt zu bringen, brauche es ein innovatives und verlässliches Patente-Management. Durch standardisierte Lizenzprozesse soll wertvolle Zeit gespart werden können. Gleichzeitig soll – gestützt auf bestehende Rücklagen der TU, HU und FU – ein hochschulnaher Risikokapitalfonds aufgebaut werden, um die Kommerzialisierung akademischer Forschungsergebnisse zu beschleunigen.
Mit einem ähnlichen Ziel geht auch die „Unite“ an den Start. Die Initiative, an der Hochschulen aus Berlin und Brandenburg beteiligt sind, erhielt im Sommer den Zuschlag von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in einem von ihrem Ministerium ausgelobten Wettbewerb. Mit den zehn Millionen Euro Fördergeld vom Bund sollen hochschulnahe Gründungszentren aufgebaut werden. Berlin soll zur „Start-up-Factory“ werden.
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„Ich möchte erreichen, dass wir noch mehr Gründungen aus der Wissenschaft heraus bekommen“, gibt Wegner die Richtung vor. Damit das gelingt, hat der Senat bereits Ende April die Frist bis zur erfolgreichen vertraglichen Anmeldung eines Patents auf maximal zwei Monate verkürzt. Bislang dauert es im gesamten Bundesgebiet normalerweise zwei Jahre, bis ein Patent durch die Universitäten gemeldet ist.
Darauf sattelt nun also auch die IHK auf: Sie fordert ein „Berliner Vertragswerk“, das Wissens- und Technologietransfer zwischen dem universitären Feld und der Wirtschaft rechtssicher gestalten soll. Das Vertragswerk soll klare Regelungen zu geistigem Eigentum, Beteiligungsquoten, Seitenwechseln zwischen Wirtschaft und Akademia und Zeitplänen für die Kommerzialisierung enthalten.
Krankenhäuser als Rückgrat für die Berliner Innovationskraft
Neben verbesserten Rahmenbedingungen für Ausgründungen fordert die IHK außerdem eine koordinierte Digitalisierungsstrategie. Allem voran brauche es eine „Berliner Gesundheitsdatenstrategie“, die bestehende Plattformen auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene zusammenführt, um Doppelstrukturen zu vermeiden. Erst dann sei der reibungslose Informationsfluss zwischen Kliniken, Forschungseinrichtungen und Gesundheitsunternehmen gewährleistet.
Eine zentrale Rolle bei der Stärkung der Innovationskraft der Gesundheitsindustrie soll – das ist Punkt drei auf der IHK-Liste – den Berliner Krankenhäusern zukommen. In ihnen ließen sich neue Technologien praxiswirksam im Regelbetrieb erproben, argumentieren die Wirtschaftsvertreter. Allerdings nur, wenn diese Neu-Technologien das Potenzial einer erforderlichen Behandlungsalternative bieten und die Anwendung nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt. „Als große Arbeitgeber mit direktem Patienten- und Forschungszugang, könnten die Krankenhäuser gut ausgestattet, ideale Innovationsplattformen sein“, heißt es im IHK-Papier.
Mehr zur IHK
Weil an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesundheitsversorgung für Start-ups oft der Zugang zu Infrastruktur und Laborflächen fehlt, fordert die IHK darüber hinaus eine zentrale Anlaufstelle für die Vermietung von Hochschul- und Forschungslaboren. Start-ups soll ein privilegierter Zugang zu den Laboren gesichert werden.
Bürokratieabbau und Fachkräftestrategie
Viertens betonen die Wirtschaftsvertreter, dass regulatorische Hürden – sprich: Bürokratie – abgebaut werden müssen, um kleinere und mittlere Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen, zu entlasten. „Es braucht einen Paradigmenwechsel in der Verwaltung – von einer Misstrauens- zu einer Vertrauenskultur – hin zu Lösungsorientierung, Einheitlichkeit und digitaler Effizienz“, steht im IHK-Papier.
Abschießend wird im Maßnahmenkatalog unterstrichen, dass Visa- und Anerkennungsverfahren dringend beschleunigt und vereinfacht werden müssen. Das sei nötig, um konkurrenzfähig zu sein im internationalen Ringen um Fachkräfte in Zeiten des demografischen Wandels.







