„Der Bruch klang, als würde man einen morschen Ast abbrechen. Ich werde dieses Geräusch nie vergessen.“, so beschreibt Sabine Thelen ihren Oberschenkelhalsbruch. Diesen zog sie sich zu, indem sie lediglich leicht ausrutschte. Unter normalen Umständen sollte das nicht zu einem so schwerwiegenden Bruch führen. Die Ursache trägt einen Namen: Osteoporose. Seit 2016 ist Thelen Osteoporose-Patientin. Sie ist kein Einzelfall. In Deutschland sind mittlerweile über fünf Millionen Menschen an Osteoporose erkrankt. Die Dunkelziffer ist höher, da die Krankheit oft unbemerkt bleibt.

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Am 20. Oktober ist Welt-Osteoporose Tag. Um auf die Krankheit aufmerksam zu machen, gründete der Deutsche Orthopäden- und Unfallchirurgen-Verband e.V die Aufklärungskampagne „Osteoporose verstehen“, die am Montag auf einer Pressekonferenz bei der Charité vorgestellt wurde. Kopf der Kampagne ist Orthopäde Dr. med. Christoph Eichhorn. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Orthopäden- und Unfallchirurgen-Verbandes. Außerdem wirken Schauspielerin Uschi Glas und Moderatorin Claudia Kleinert als Botschafterinnen mit.

Pressetermin zum Welt-Osteoporose-Tag
Schauspielerin Uschi Glas ist Botschafterin der Osteoporose-Aufklärungskampagne.© Jens Kalaene/dpa | Jens Kalaene

Osteoporose beschreibt eine Abnahme der Knochendichte, weshalb sie umgangssprachlich auch Knochenschwund genannt wird. Betroffene erleiden schnell schmerzhafte Knochenbrüche. Laut Eichhorn ist die Erkrankung jährlich für 830.000 Frakturen verantwortlich. Oft wird Bewegungsmangel als mögliche Ursache gehandelt, da er zur Abnahme von Muskelkraft und Knochenfestigkeit führt. „Man denkt ja das passiert nicht so schnell, aber wenn man mal nur zwei bis drei Wochen im Bett liegt, ist das Risiko schon viel höher“, sagte Botschafterin Uschi Glas der Berliner Morgenpost.

Leben mit Osteoporose: „Ich hatte mir unbemerkt drei Wirbel gebrochen“

Von der Krankheit sind zu 80 Prozent Frauen betroffen, so auch Sabine Thelen. Bei ihr wurde die Krankheit zufällig entdeckt, wie sie sich im Rahmen der Pressekonferenz erinnerte: „Ich war beim Orthopäden, weil ich Rückenschmerzen hatte. Da ich bei meinem Beruf viel sitze, habe ich mir nichts dabei gedacht. Es stellte sich dann heraus, dass ich mir bereits drei Wirbel im Rücken gebrochen hatte“. Normalerweise tritt die Krankheit bei älteren Menschen auf. Bei Frauen meist schon während der Menopause, da der Östrogenmangel zu Muskelschwund führen kann.

Pressetermin zum Welt-Osteoporose-Tag
Die Moderatorin Claudia Kleinert (l.), Christoph Eichhorn, Vize-Vorsitzender des Deutschen Orthopäden- und Unfallchirurgen-Verbandes (DOUV), und Schauspielerin Uschi Glas, Botschafterin der Osteoporose-Aufklärungskampagne, informieren über den Start einer Osteoporose-Aufklärungskampagne anlässlich des Welt-Osteoporose-Tages auf dem Charite-Campus.© Jens Kalaene/dpa | Jens Kalaene

Vor ihrer Diagnose kannte Thelen die Krankheit noch nicht einmal. „Ich habe dann im Internet nachgeschaut und habe es so als ‚alte-Leute-Krankheit‘ angesehen und wollte auf eine medikamentöse Behandlung verzichten“, erklärte sie. „Nach meinem Oberschenkelhalsbruch ging dann aber gar nichts mehr.“ Erst als sie ein Medikament nahm, fühlte sie sich besser. Dr. med. Eichhorn bekräftigte Thelens Aussage: „Oft wird einem in den Sozialen Netzwerken eingeredet, Vitamin D und Calcium würden als Behandlung ausreichen. Das sind zwar gute Basisprodukte, aber auch die Medikamente sind eben wichtig“.

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Mittlerweile hat Thelen nach dem Bruch wieder ins Leben gefunden. Das beschrieb sie jedoch als „langen und harten Weg“. So konnte sie beispielsweise Krafttraining im Fitnessstudio in ihren Alltag integrieren: „Es macht zwar nicht viel Spaß, aber es tut meinen Knochen gut“, sagte sie. In ihrem täglichen Leben fühlt sich Thelen kaum noch eingeschränkt: „Ich kann fast alles machen, nur auf das Ski- und Schlittschuhfahren würde ich verzichten“, sagte die Patientin. Im April hat Thelen ihre nächste Knochendichtemessung. „Ich freue mich darauf, meine Fortschritte zu sehen“, sagt sie.

Uschi Glas: „Die Leute sollen ihre passive Haltung überdenken“

Eichhorn betonte, dass Deutschland mit der Behandlung der Krankheit weiter zurückliegt. „Wir haben eine große Versorgungslücke. Knapp 76 Prozent werden nicht leitliniengerecht versorgt.“, so der Orthopäde. Als Ursache nannte er vor allem die unzureichende Diagnostik. Diese werde in vielen Fällen viel zu selten und spät gemacht. „Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass der Oberschenkelhalsbruch ab 75 Jahren normal ist“, so Eichhorn.

Beim Verdacht auf die Erkrankung, sollte man zunächst beim Orthopäden seine Knochendichte messen lassen. Die Kosten dafür werden, wenn ein verdächtiger Knochenbruch vorliegt oder die ärztliche Absicht besteht aufgrund konkreter Befunde mit Medikamenten zu behandeln, auch von der Kasse übernommen.. Auch Botschafterin Uschi Glas hat sich schon mehrmals einer Messung unterzogen und appelliert, es ihr gleich zu tun. „Ich wünsche mir, dass sich viele Menschen angesprochen fühlen und ihre passive Haltung überdenken“, sagt die Schauspielerin. „Viele Leute verhalten sich so, als würden sie mit Schlafmaske auf der Straße stehen und hoffen, dass kein Auto sie überfährt.“, vergleicht Glas. Auch im Bekanntenkreis der 81- jährigen seien bereits Menschen an Osteoporose erkrankt.